Artur Wierschem, Dachdecker
Wegbereiter und Gestalter: Artur Wierschem hat den Bildungsbereich im Dachdeckerhandwerk seit den 1970er Jahren aktiv begleitet. Foto: ZVDH
01. December 2020 | Teilen auf:

„Unsere Ware ist Wissen“

Wie nur wenige hat Artur Wierschem die Entwicklung und Professionalisierung des Dachdeckerhandwerks geprägt, vor allem im Bildungsbereich. Im ausführlichen Gespräch blickt Wierschem zurück auf fünf Jahrzehnte zwischen BBZ und ZVDH und analysiert, wohin sich die berufliche Bildung entwickeln wird.

Herr Wierschem, war für Sie immer klar, dass Sie Dachdecker werden wollen oder gab es andere Berufswünsche?

Artur Wierschem: Die gab es durchaus. Eigentlich wollte ich Steinmetz werden, und zwar im Kloster Maria Laach, wo es bis heute eine sehr gute Steinmetzwerkstatt gibt. Damals war dort aber kein Ausbildungsplatz zu bekommen. Erst dann reifte der Entschluss, Dachdecker zu werden. Auch wenn mein Vater gelernter Dachdecker war und für die Firma Rathscheck arbeitete, war die Entscheidung also nicht zwangsläufig.

Bereits mit 21 Jahren wurden Sie Fachlehrer in Bundesbildungszentrum Mayen. Waren Sie ein beruflicher Senkrechtstarter?

Das mag man heute so sehen, habe ich damals aber nicht so wahrgenommen. Nach meiner Lehre riet mir mein Vater zu einer weiteren Ausbildung, daraufhin lernte ich bei der heutigen DEG Alles für das Dach in Koblenz Groß- und Außenhandelskaufmann – als deren erster kaufmännischer Auszubildender.

Den Meister zu machen, lag für mich im Anschluss auf der Hand. In Mayen gab es damals wenig Lehrpersonal und die späteren Kollegen haben es damals schon verstanden, mich im Meisterkurs vertretungsweise als Unterrichtender einzusetzen. Als ein Fachlehrer dann in Rente ging, wurde ich auf die Stelle angesprochen. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Ausbilder am BBZ zu werden oder die neu gegründete Zweigstelle der DEG in Köln zu leiten. Die Ausbilderstelle habe ich mir damals mehr zugetraut und damit war der Einstieg geschafft. Allerdings war ich zum Teil jünger als meine Meisterschüler, da habe ich mir einen Bart wachsen lassen, um älter auszusehen. Bis zum Renteneintritt beim BBZ zu bleiben, hätte ich mir damals aber nicht ausmalen können.

Wie muss man sich das BBZ in dieser Zeit vorstellen?

Zunächst einmal gab es nur Meisterschüler am BBZ, Lehrlinge kamen erst Ende der Siebziger Jahre dazu. An der Kelberger Straße gab es eine große Werkhalle, eine umfunktionierte, relativ große Messehalle von etwa 60x40m mit 15 m lichter Höhe noch aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Um diese Halle herum hatte man Klassenräume gruppiert. Diese Halle ist 1979 abgebrannt. Und wo heute die Aula steht, war ein großer Garten, in dem Modelle mit verschiedenen Werkstoffen eingedeckt waren, also eine Art Ausstellung. Ganz neu entstand 1974/75 das heutige Schul- und Verwaltungsgebäude. Insgesamt war ein Teil der Gebäude durchaus vergleichbar mit den heutigen Gebäuden, sie waren kleiner und mehr auf dem Grundstück verteilt.

Wie ging es für Sie im BBZ weiter?

In den achtziger und neunziger Jahren wurde der Meisterbrief immer populärer und die Schülerzahlen stiegen im BBZ stark an. Gleichzeitig gab es vor Ort noch keine eigentliche Verwaltung, so dass mehr Aufgaben in diesem Bereich entstanden. Und dabei ist mir meine kaufmännische Ausbildung zugutegekommen. So habe ich einige Jahre parallel unterrichtet und Verwaltungsaufgaben übernommen. 1981 wurde die Position eines Verwaltungsleiters ausgeschrieben und daraus ergab sich wiederum die Schulleiterfunktion.

Mit gerade 28 Jahren. Wie kam es dazu?

Das BBZ ist eine staatliche anerkannte Ergänzungsschule, die parallel zur Meisterprüfung auch auf die staatliche Fachleiterprüfung vorbereitet. Dazu bedarf es eines pädagogischen Leiters, das war damals der Schulleiter der Berufsbildenden Schulen in Mayen, Ernst Müller.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 24/2020.