Die baugewerblichen Verbände freuen sich über die Forderung der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU nach einer Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Handwerksberufen. Sie wurde vor gut zehn Jahren abgeschafft und führte zu einem dramatischen Rückgang der Ausbildungszahlen.
Erwartungen nicht erfüllt
Unterm Strich habe die Reform der Handwerksordnung absolut nicht das gebracht, was die Politik sich von ihr erhofft hatte. Außerdem trage sie zur Verwirrung der Kunden bei und in vielen Fällen auch zu deren finanziellem Schaden. „Gerade unter den Fliesenlegern, heute ja eine der Sparten ohne Meisterpflicht, zählen wir viele tausend Ein- oder Zwei-Mann-Firmen, die unseren etablierten Betrieben mit Dumpingangeboten Aufträge wegnehmen, aber nur kurze Zeit existieren. Wenn dann Mängel offenbar werden, ist niemand mehr greifbar, der dafür haften könnte. Unsere Sachverständigen können aus ihrer Gutachterpraxis dazu unzählige Beispiele liefern.“
Ausbildung als Alternative zum Studium
Im Leitantrag unter dem Titel „Deutschland kann mehr“ für den Bundesmittelstandstag im November heißt es dazu prägnant: „Wir fordern: Meisterbrief generell wieder einführen!“ Jungen Menschen in den betreffenden Berufen, so der Wirtschaftsflügel der Union, werde nämlich „ein entscheidender Schritt auf der dualen Karriereleiter verwehrt“. Stattdessen müsse die duale Ausbildung als Alternative zum Studium gestärkt werden.
Rüdiger Otto und Lutz Pollmann stimmen überein, es sei von großer Bedeutung, dass sich ein so wichtiger Teil innerhalb von CDU und CSU wie die Mittelstandsvereinigung diese Forderung des Handwerks zu Eigen gemacht habe. „Wir haben die so genannte Reform der Handwerksordnung immer abgelehnt und sind später für ihre Revision eingetreten. Es scheint so, als bewirke das Bohren an diesem dicken Brett endlich ein Umdenken. Wir können nur hoffen, dass die Einsicht der Mittelstandsvereinigung weit um sich greift.“