Markt 2011-06-01T00:00:00Z 1/2011: Sonne über Dachdeckerland

Für ein erfolgreiches Quartal müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen, im ersten Jahresviertel 2011 stimmt fast alles, neben der Nachfrage auch das Wetter.

Wer in der derzeitigen Wirtschaftslage das Negative betont, sucht vermutlich häufiger nach dem sprichwörtlichen Haar in der Suppe. Von oben betrachtet geht es der deutschen Wirtschaft ausgesprochen gut. Dass der Ifo-Geschäftsklimaindex April zum zweiten Mal in Folge gesunken ist von 111,1 auf 110,4 Punkte schreckt nur ausgesprochene Pessimisten. Denn der aktuelle Wert bewegt sich fast auf dem im Februar erreichten Niveau von 111,3 Punkten. "Intakt und robust" bleibt der Aufschwung laut Ifo-Volkswirt Klaus Abberger auch trotz der globalen Risiken (Atomkatastrophe in Japan, hohe Ölpreise, Schuldenkrise in Europa), die das Frühjahr prägten.

Ungewöhnlich stabile Entwicklung

Entsprechend optimistisch ist das Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrates ausgefallen. Die von der Bundesregierung beauftragten Wirtschaftsforscher erwarten für 2011 ein Wachstum von 2,8 Prozent, 2012 soll die Wirtschaft um 2,0 Prozent wachsen. Die positive Gesamtlage auch für die durchaus heterogene Wirtschaftsgruppe Handwerk fasste ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke anlässlich der Konjunktur-Pressekonferenz des Verbandes am 10. Mai in Berlin zusammen. Schwannecke konstatierte dort eine "für ein erstes Quartal ungewöhnlich stabile Entwicklung" und blickte für 2011 mit Optimismus nach vorne.

Eine weiterhin günstige "Großwetterlage" für das Dachdeckerhandwerk, das bereits mit den Ergebnissen des abgelaufenen Jahres zufrieden war. Das Gewerk profitiert vor allem von der angezogenen Nachfrage des privaten Sektors nach energetischen Modernisierungen im Gebäudebestand, für die in der Öffentlichkeit ein größeres Bewusstsein entstanden ist. Als noch wichtiger können die günstigen Rahmenbedingungen für diesen Bereich gelten, die der ZVDH in seinem Geschäftsbericht zusammenfasst: KfW-Programme (trotz Mittelkürzungen), niedrige Kreditzinsen, sichere Jobs und ein veralteter Wohnungsbestand. Auch die zur Verfügung gestellten Gelder des Konjunkturpakets II wurden schwerpunktmäßig für Sanierungen eingesetzt, für 2011 sind diese Mittel noch wirksam. Sogar die Zahl der Baugenehmigungen stieg zuletzt an, so dass im Neubau nach jahrelangen Negativrekorden zumindest ein Stabilisierung verkündet werden kann.

Preise sind das Problem

So positiv sich das Bild darstellt, so nötig ist es, die erfreuliche Erholung im Zeitverlauf zu betrachten. Nach wie vor gilt: Aufholen ist einfacher als vorne bleiben. Die positive Entwicklung für das Dachdeckerhandwerk bedeutet auch nicht, dass die Betriebe sorgenfrei agieren. Der Infokasten unten zeigt, wo Dachdecker derzeit der Schuh drückt. Bereits an Platz zwei der akuten Probleme (41 Prozent) steht der wahrgenommene Verfall der Preise. Dies deutet auf einen harten Wettbewerb der Betriebe untereinander hin und wird statistisch untermauert von der stetig wachsenden Zahl der Dachdeckerbetriebe oder, wie ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx es in seinem Kommentar zur Konjunktur auf Seite 45 treffend zusammenfasst: "Der Kuchen, von dem alle essen, wächst weniger schnell als die Zahl der um den Kuchen herum Sitzenden mit ihrer Gabel in der Hand." Verschärft wird das Problem auf der Einkaufsseite der Betriebe durch wieder anziehende Preise der Produkte, die sie verarbeiten ein typisches Phänomen einer anziehenden Konjunktur. So bleibt es auch bei wachsender Nachfrage eine Kernaufgabe, Kunden von sich zu überzeugen statt nur vom angebotenen Preis.

Zu den aktuellen Zahlen: Bei den erhobenen Werten zum ersten Quartal zeigt sich in verdichteter Form, in welchem Maße das Wetter als Arbeitsgrundlage des Dachdeckerhandwerks fungiert. So unterschiedlich der lange Winter 2010 und der frühe Frühling 2011 den Start ins Jahr prägten, so stark ist die Abweichung in der Beurteilung*: Kreuzten 2010 noch 37,8 Prozent der Dachdecker viele aus erzwungener Untätigkeit den Wert mangelhaft an, sind dies aktuell gerade 5,5 Prozent. Entsprechend positiv fällt das Gesamtbild aus: Fast die Hälfte aller Betriebe (47,1 Prozent) freut sich über eine sehr gute oder gute Geschäftslage, mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahresquartal (18 Prozent). Dass sich die Werte nicht auf gutes Wetter reduzieren lassen, zeigen weitere Werte, zum Beispiel der Vergleich zum Vorquartal. Dort ist es zu der eher ungewöhnlichen Konstellation gekommen, dass die Mehrzahl der befragten Dachdecker vom vierten zum ersten Quartal eine Verbesserung feststellt. 36,7 Prozent tun das, wären nur 17,4 Prozent schlechtere Geschäfte machen.

Optimismus übertroffen

Ebenfalls wenig beeinflusst vom Wetter sind die Zukunftsaussichten. Dies zeigte sich im 1. Quartal des letzten Jahres darin, dass die Dachdecker ihre Aussichten, gemessen an Anschlussaufträgen, realistischerweise als deutlich besser einschätzten als die Lage. Oder anders gesagt: Aufträge waren da, sie konnten aber nicht ausgeführt werden. Nur 4,6 Prozent hatten deshalb im letzten Jahr eine mangelhafte Perspektive, 49,8 Prozent befanden diese sogar als gut oder sehr gut. Aktuell wird der letztjährige Optimismus noch einmal übertroffen, marginale 2,4 Prozent schätzen die vor ihnen liegende Zeit als wirtschaftlich mangelhaft ein, während fast zwei Drittel (62 Prozent) sehr gut oder gut ankreuzten. Dies bedeutet auch: Obwohl im Frühjahr kein wetterbedingter Auftragsstau entstanden ist, bleibt die Auftragslage hoch. In dieses Bild fügt sich ein, dass der Auftragsbestand bereits im letzten Jahr ein hohes Niveau aufwies. Diese 3,7 Monate werden aktuell noch leicht übertroffen (3,9 Monate), wozu vor allem der Bereich Sanierung mit einem Plus von 0,3 Monaten maßgeblich beigetragen hat.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 10/2011.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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