News 2011-05-30T00:00:00Z 100 Jahre Tradition

Die sächsischen Dachdecker feierten ihren 8. Landesverbandstag parallel mit einem Jubiläum. Die zahlreichen Teilnehmer genossen ein abwechslungsreiches Tagungsprogramm und sportliche Aktivitäten bei sonnigem Wetter.

Die Dachdeckerinnung Meißen, jetzt Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain feierte am 20.Mai 2011 ihr 100-jähriges Bestehen. Die Feier erfolgte in Verbindung mit dem 8. Landesverbandstag des sächsischen Dachdeckerhandwerks. Gleichzeitig wurde die 20-jährige Verbandsgründung nachgefeiert und im Rahmen einer dreitägigen Veranstaltung, mit Vorträgen und Sportprogramm, im Waldhotel Weinböhla durchgeführt. Über 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie der Handwerkskammern und Zentralverbände, Innungen aus dem Landkreis wie Kfz-Innung und Bauinnung sowie auch viele sächsische Dachdeckerinnungsbetriebe waren anwesend.

Obermeister der Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain, Roberto Heilscher, erinnerte an die damalige Gründung der Dachdeckerinnung Meißen. Am 30. April 1911 wurde sie als "freie Dachdeckerinnung für Meißen und Umgebung" gegründet. Zu diesem Zeitpunkt bestand sogar schon eine solche bereits seit 13.12.1899 in Riesa. Dank des Engagements des damaligen Obermeisters Arno Kohlstrunk erlebte die relativ kleine Dachdeckerinnung Meißen 1925 wahrscheinlich den Höhepunkt ihrer Innungsgeschichte. Im Februar 1925 fand der erste Reichsverbandstag des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Meißen statt. Zu diesem Zeitpunkt vereinigten sich der "Bund Deutscher Dachdeckerinnungen" und der Zentralverband Deutscher Dachdecker zum "Reichsverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks". Im Nationalsozialismus erfolgten per Gesetz Pflicht- und Zwangsinnungen, später sogar Innungsverbot. 1945 bis 1990 war das Handwerk in Berufsgruppen, zum Beispiel "Berufsgruppe Dachdecker Kreis Meißen" organisiert. Mitglieder waren damals 31 Betriebe des Kreises Meißen, 14 Betriebe des Kreises Großenhain und 13 Betriebe des Kreises Riesa. "Materialzuweisungen, Gerätebeschaffungen und die kuriosen Transportmöglichkeiten waren damals das größte Problem", so Heilscher. "1,5 Dachfenster pro Vollbeschäftigtem oder die Zuweisung von Maschinen und Geräten nach festgelegter Reihenfolge seien dabei als Kuriositäten genannt", so Heilscher weiter. Von 1984 bis 1987 gab es ein Dachinstandsetzungsprogramm "Dächer Dicht". Hierin genügte es zum Beispiel, bei 500 Quadratmetern Dachfläche zehn Dachziegel zu erneuern und 500 Quadratmeter Dachfläche waren damit instand gesetzt und abgerechnet. 1990 wurde aus den Berufsgruppen die Dachdeckerinnung Dresden mit fünf Kreisinnungen gebildet, unter anderem die Kreisinnung V Meißen-Riesa-Großenhain. Peter Helmert wurde zum Kreisinnungsmeister gewählt. 1992 beschlossen die meisten Betriebe aus der Kreisinnung eine eigene Innung mit dem Namen Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain zu gründen. Heute besteht die Innung aus 24 Betrieben mit 87 Beschäftigten. Zudem wird seit 1992 in Bad Schlema die überbetriebliche Lehrlingsausbildung im Landesbildungszentrum des sächsischen Dachdeckerhandwerks für alle Dachdeckerlehrlinge in Sachsen durchgeführt.

Leidenschaft im Handwerk

"Nicht Leiden bringt uns weiter, sondern Leidenschaft". Mit diesen Worten begrüßte Landesinnungsmeister Christoph Brosius die zahlreichen Teilnehmer zum offiziellen Tagungsprogramm. Dabei betonte er die Leidenschaft zum Beruf, der täglichen Arbeit, dem Ehrenamt, Innungen, Bildungszentren und Verbänden. Ein langer Weg habe den derzeitigen Innungszusammenschluss geprägt. Mit 100 Jahren Innungsleben sei diese Innung zwar nicht die älteste Innung Sachsens, aber erfolgreich in ihrer Größe und ihrem freiwilligen Zusammenschluss. "Innungen sind keine Verwaltungsorgane, sie sind eine Handwerkskultur", so Brosius.

Alexander Karbach

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 12/2011.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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