Die Antworten für unser Barometer ergeben für das abgelaufene Quartal ein eindeutiges Bild bei den Dachdeckern ist derzeit alles im grünen Bereich. Auch die Turbulenzen in der Weltwirtschaft ändern aktuell nichts an den positiven Aussichten.
Turbulenzen in der Weltwirtschaft sind in den vergangenen Jahren zum ungeliebten Regelfall geworden. Als jüngster Ausläufer der weltweiten Finanzkrise droht die Schuldenmisere der westlichen Volkswirtschaften die Konjunktur zu beeinflussen und weckt nach der Erholung neue Ängste vor dem Rückfall in eine erneute Rezession. Die Meldungen kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe lasen sich zum Teil dramatisch: Verschärfung der Euro-Krise, weltweite Kursstürze an den Börsen, die USA als größte Volkswirtschaft der Welt werden von Ratingagenturen abgewertet.
Was bedeuten die Turbulenzen?
Die deutsche Volkswirtschaft aber schien bereits zuvor immun gegen die Probleme um sie herum. Schneller als andere schlug sie nach Finanz- und Bankenkrise wieder den Wachstumspfad ein, glänzte mit hervorragenden Exportzahlen und einer starken Binnenkonjunktur.
Und auch angesichts der sich häufenden Probleme seit Beginn des zweiten Quartals blieb die Lage für die deutsche Wirtschaft positiv. Welche Konsequenzen lassen sich aus den fast gleichzeitig auftretenden Positiv- und Negativmeldungen herauslesen? Zum einen: Der ausgeprägte Boom der deutschen Wirtschaft nähert sich unabhängig von aktuellen Turbulenzen langsam dem Ende. Darauf weisen verschiedene Indikatoren hin der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli, die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im selben Monat bereits zum fünften Mal infolge. Andererseits bleibt Deutschland trotz des instabilen Umfelds gut aufgestellt und darf mit weiterem, wenn auch gemäßigterem Wachstum rechnen. Eine erneute Rezession erwarten die Volkswirte nicht.
Dies gilt derzeit vor allem für die Inlandskonjunktur und auch für den Bau. Wer in deutschen Städten durch die Straßen spaziert, stellt auch ohne statistische Hilfsmittel den anhaltenden Trend zu Sanierungsarbeiten an Dächern und Fassaden fest. Die deutschen Dachdecker haben nach wie vor gut zu tun (lesen Sie dazu auch den Kommentar von ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider auf Seite 37). Im abgelaufenen zweiten Quartal hat sich die positive Entwicklung im Dachdeckerhandwerk weiter stabilisiert, die erhobenen Zahlen sind durchgängig gut bis sehr gut und die Aussichten bleiben positiv.
Werte übertreffen Vorjahr
Diese Entwicklung zeigt sich beispielhaft bei der Ertragslage. Die Unterschiede gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahrs bleiben insgesamt gering. Zwar hat sich der Anteil der Bestbewertung von
9,3 auf 4,9 Prozent verringert, dies wird aber durch einen deutlich höheren Anteil von guten Bewertungen mehr als kompensiert. Auch der Anteil der Beurteilungen ausreichend und mangelhaft ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal gesunken. Insgesamt steigt die Durchschnittsnote noch einmal von 2,7 auf 2,6.
Während sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten bereits leicht eintrüben, übertreffen die Zukunftserwartungen der befragten Dachdecker weiterhin die aktuelle Lage. Der Erwartung auf künftige Geschäfte und Erträge ergibt zusammengefasst eine Durchschnittsnote von 2,4 auch bei dieser Frage wird das Vorjahresniveau knapp übertroffen. Deutlich wird mit Blick auf die Einzelwerte auch dabei die breite Beteiligung am Trend: Nur circa zehn Prozent der Teilnehmer der ZVDH- Umfrage kreuzten ausreichend oder mangelhaft an.
Gerechtfertigt erscheinen die Einschätzungen beim Blick auf den Auftragsbestand. Vier Monate als Durchschnittwert zeigen, dass viele Dachdecker derzeit an der Grenze der betrieblichen Auslastung fahren. Die Tätigkeitsschwerpunkte Neubau und Sanierung bleiben auf dem Niveau des Vorjahrs, die Sanierung konnte im abgelaufenen Quartal ihre Funktion als stärkste Säule der Nachfrage nach Dachdeckerleistungen noch einmal ausbauen: Durchschnittlich 2,3 Monate bedeuten dabei einen Anteil von 57,6 Prozent, der Neubau (21,9 Prozent) und der Bereich Reparaturen (20,5 Prozent) liegen etwa gleichauf.
Nahe an der Vollauslastung
Seit Längerem volle Auftragsbücher das bedeutet für die Betriebe zumeist eine hohe Auslastung von Gerät und Personal. Die konstante Nachfrage hat im vergangenen Quartal für eine besonders hohe Auslastung gesorgt: Mit 94,8 Prozent wird die Auslastung des Vorjahreszeitraums (91,3) noch einmal deutlich übertroffen und markiert insgesamt einen Höchstwert seit Beginn des neuen Barometers 2010. Das Gleiche gilt für die Auslastung der Geräte 75,0 Prozent (gegenüber 67,2 Prozent im 2. Quartal 2010).
Viele Dachdeckerunternehmen haben die anhaltend gute Phase bereits genutzt, um lange überfällige Investitionen zu tätigen. Ob die positive Geschäftslage in der Breite ausreichend für Investitionen genutzt wird, kann zumindest angezweifelt werden. Denn gemessen an den positiven Ausnahmewerten der letzten Quartale erscheint der Anteil der Investitionswilligen (beziehungsweise -fähigen) eher gering: 32,2 Prozent der Teilnehmer wollen mehr investieren als im Vorjahr. Geringere Investitionen planen 26,2 Prozent ein, den größten Anteil stellt die Gruppe mit konstantem Investitionsniveau.
Wie verteilen sich diese Investitionen? Maschinen und Werkzeuge (50,8 Prozent) sowie der Fuhrpark der Unternehmen
(49,7 Prozent) haben laut Befragung die größten Aufstockungen erfahren. Letzteres verzeichnet dabei ein deutliches Wachstum (Vorjahresquartal: 45,5 Prozent).
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 17/2011.