Absolut gesehen geben die Umfragewerte unseres Konjunkturbarometers im 2. Quartal wenig Anlass zur Klage, sie bleiben überwiegend auf einem hohen Niveau. Der Trend bei Auslastung und Investitionen dreht sich leicht nach unten. Schwerer wiegen perspektivisch jedoch die einbrechenden Erwartungen in der Gesamtwirtschaft.
Schuldenkrise und kein Ende - so empfinden es derzeit wohl viele EU-Bürger. Die Entwicklungen im 2. Quartal des Jahres machen Beobachtern derzeit wenig Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Krise. Ende Juli versah die Rating-Agentur Moody´s Deutschlands Bestnote "AAA" mit einem "Ausblick negativ", eine Art Ankündigung einer bald möglichen Abstufung. In der sich wieder verschärften Krise, zuletzt vor allem im spanischen Bankensektor und der Debatte um erneute Hilfszahlungen an Griechenland, war das Signal deutlich: Deutschland könnte sich an einer "Rettung" Südeuropas verheben. Dass die mögliche Alternative eines griechischen Euro-Austritts ökonomisch kaum attraktiver oder gar berechenbarer scheint, senkt die Zukunftserwartungen in der deutschen Wirtschaft derzeit beträchtlich.
Der ifo-Konjunkturindex fiel etwa von 106,9 auf 105,3 Punkte und sank damit auf den niedrigsten Wert seit 2 Jahren. In der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verbuchte der Index sogar eine leichte Steigerung (von 113,2 auf 113,9), der Wert für die Erwartungen des kommenden halben Jahres sank jedoch deutlich von 100,8 auf 97,3 Punkte. Der eher pessimistische Ausblick zieht sich durch verschiedene Bereiche der Gesamtwirtschaft vom Einkaufsmanagerindex Markit, der mit 46 Punkten ein Rezessionsniveau signalisiert, bis zum drastischen Einbruch der Konjunkturerwartungen der Börsenexperten, der sich im ZEW-Barometer mit einem Rückgang um 27,7 Punkte auf 16,9 Punkte niederschlug. Auch die Unternehmensinvestitionen sind laut KfW gegenüber dem Vorquartal gesunken. Für das Gesamtjahr erwarten die Experten ein Investitionsplus von 1,6 %, nach 7,6 % im Vorjahr. Für die Gesamtwirtschaft stellt sich mit dem Ende des 2. Quartals zwar noch eine positive gegenwärtige Situation mit vollen Auftragsbüchern dar, sie wird aber getrübt durch einbrechende Zukunftserwartungen.
Geschäftslage: konstant mit regionalen Abweichungen
Alle genannten Werte beziehen sich nicht im engeren Sinne auf das Dachdeckerhandwerk oder die Bauwirtschaft, sondern spiegeln in Summe eine gesamtwirtschaftliche Erwartungshaltung wider, die je nach Intensität eine kurz- oder mittelfristige Bedeutung für das Dachdeckerhandwerk erlangen wird, zum Beispiel über die Nachfrage im gewerblichen Bau.
Im Dachdeckerhandwerk scheint die Lage auf den ersten Blick konstant. Dies gilt zumindest für die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Gegenüber dem sehr positiv eingeschätzten 2. Quartal 2011 verbessert sich die Durchschnittsnote sogar geringfügig von 2,6 auf 2,5. In der Verteilung lassen sich entsprechend kaum größere Änderungen feststellen. Der jeweils mit Abstand größte Anteil der Befragten (2011: 47,5 %; 2012: 47,7 %) schätzt seine Geschäftslage als gut ein. Der Blick in die Regionen relativiert diese positive Gesamtlage in Teilen. Im großen Verbandsgebiet Nordrhein etwa fallen die Einschätzungen gegenüber dem Bundesgebiet deutlich ab. Fast ein Drittel der dort befragten Betriebe erlebte ein Quartal, das nur als ausreichend (28,6 %) oder gar mangelhaft (6,5 %) eingeschätzt wurde. Im Durchschnitt ergibt sich für dieses Befragungsgebiet nur eine Durchschnittsnote von 3,0.
Im Bereich der Zukunftsaussichten gehen die befragten Dachdecker zum ersten Mal seit einigen Quartalen mit einer niedrigeren Erwartung ihrer Geschäftsaussichten als im Vorjahr in das restliche Jahr. Im Gegensatz zu den eingebrochenen Konjunkturerwartungen der Gesamtwirtschaft ist der Rückgang jedoch gering - mit einer Durchschnittsnote von 2,5 (Vorjahr 2,4) bleiben die befragten Dachdecker insgesamt optimistisch.
Malte von Lüttichau
Das ausführliche Konjunkturbarometer lesen Sie in Ausgabe DDH 16.2012.