Fast auf dem Niveau des Vorjahres bewegen sich die Erträge der Dachdecker. Die erste Krisenbilanz fällt damit positiv aus die Branche ist trotz Schwächen bei Auftragsbestand und Investitionen stabil geblieben. Relative Verlierer der letzten Monate sind die Großbetriebe.
Den Herbst nutzen Wirtschaftsinstitute und der Sachverständigenrat traditionell, um Bilanz zu ziehen. Die Analysen der vergangenen Wochen sind damit auch eine erste Bilanz der Wirtschaftskrise, die seit Ende 2008 einen dramatischen Abschwung der Wirtschaftsleistung auslöste. Mehr als sechs Prozent Minuswachstum hatten die führenden Institute in Prognosen für 2009 vorausgesagt. Etwas weniger schlimm ist es gekommen für die Gesamtwirtschaft: Einen Einbruch von fünf Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt am Ende des Jahres verzeichnen. Die bereits seit Jahresmitte einsetzende Stabilisierung wird sich im kommenden Jahr fortsetzen die Bundesregierung rechnet mit einem Wachstum von 1,2 Prozent, der Sachverständigenrat zeigte mit seiner Prognose von 1,6 Prozent noch mehr Zuversicht. Auch aus dem Blickwinkel des Dachdeckerhandwerks lässt sich im Herbst eine erste Bilanz ziehen das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus.
Ertragslage fast auf Vorjahresniveau
Mit Blick auf die Einschätzung der Ertragslage schloss nur das erste Quartal 2009 im Vergleich zu den Vorjahren schwach ab. Diese Zahlen wurden durch einen langen Winter beeinflusst, dem milde vorangingen. Bereits im zweiten Quartal folgte eine deutliche Erholung, in den abgelaufenen drei Monaten besserten sich die Werte nochmals. In Zahlen ausgedrückt: Die aktuelle Durchschnittsnote liegt mit 2,72 nur minimal unter dem Wert des Vorjahresquartals (2,70), als wir den befragten Dachdeckern ein "Quartal ohne Krisensymptome" attestierten. Geht die Krise also spurlos am Gewerk vorbei? Nur zum Teil: Ertragslage und Auslastung können sich sehen lassen, Auftragslage und Investitionsniveau fallen demgegenüber etwas ab. Der Wert für die Ertragslage hatte bereits im zweiten Quartal des Jahres deutlich angezogen jetzt verbesserte er sich noch einmal um 0,29 Punkte von 3,01 auf die Durchschnittsnote 2,72. Überraschendes zeigt sich beim Blick auf die Betriebsgrößen: Entgegen dem üblichen Trend verfügen Kleinbetriebe mit einem Durchschnittswert von 2,69 über die beste Ertragslage und lassen damit mittelgroße Unternehmen (2,78) und große Betriebe (2,82) hinter sich.
Wenig Aufträge für große Betriebe
Der durchschnittliche Auftragsbestand ist mit 2,7 Monaten im Vergleich zum Vorquartal unverändert geblieben. Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt, dass der aktuelle Wert in etwa auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 2003-2005 liegt, aber deutlich unter den Werten der Jahre 2006-2008. Im Bereich des Auftragsbestands können die Werte also nicht an die sehr guten vergangenen Jahre anknüpfen. Auch bei diesem Wert haben die Großen gegenüber den Kleinen eingebüßt. Während Betriebe über zwanzig Mitarbeiter ansonsten diese Statistik anführen, liegen sie in unserer aktuellen Befragung mit durchschnittlich 2,4 Monaten nur auf dem dritten Rang, hinter den kleinen und mittelgroßen Betrieben (jeweils 2,7 Monate).
Auslastung einheitlich auf hohem Niveau
Die Auslastung von Personal und Geräten ist aktuell sehr gut. Durchschnittlich 93,3 Prozent beim Personal und 71,1 Prozent bei Geräten bedeuten Spitzenwerte im Vergleich mit den letzten Quartalen. Der Personalwert ist der höchste dem vierten Quartal 2006, die Geräteauslastung die beste seit dem dritten Quartal des Vorjahres. Bezogen auf die Größe lasten Betriebe ihr Personal aktuell fast auf dem gleichen Niveau aus große Betriebe liegen nur drei Prozent vor den kleinen Dachdeckern. Bei den Regionen konnte sich der Süden (96 Prozent) einen kleinen Vorsprung vor den Regionen Mitte (93) und Nord (92) erarbeiten. Deutlicher sind die Unterschiede in der Geräteauslastung. Große Betriebe liegen mit 83 Prozent weit vor mittleren (71) und Kleinbetrieben (66). Insgesamt können sich die befragten Betriebe jedoch relativ einheitlich über eine aktuelle gute Auslastung ihrer Betriebe freuen.
Angemessene Zuversicht
Die durchschnittliche Investitionsbereitschaft hat sich gegenüber dem Vorquartal gebessert. 34,3 Prozent der Befragten haben demnach vor, in den kommenden drei Monaten zu investieren. Damit steigt der Wert um circa drei Prozent an, liegt jedoch nur auf einem unterdurchschnittlichen Niveau, wenn man die Werte der Vorjahre hinzuzieht. Die Werte der dritten Quartale in den letzten Jahren: 2008: 38 Prozent, 2007: 39 Prozent, 2006 38 Prozent, 2005: 35 Prozent. Der etwas niedrige aktuelle Wert überrascht nicht. In Anbetracht der fundamentalen Ausmaße der Wirtschaftskrise könnte er sogar als Ausweis einer relativ zuversichtlich in die Zukunft blickenden Dachdeckerbranche gesehen werden. Wiederum sind es die sonst so starken Großbetriebe (29 Prozent Investitionsbereitschaft), die mit einem Wert unter dem Schnitt aufwarten, sie scheinen vor allem von den starken Rückgängen im Wirtschaftsbau betroffen zu sein. Unterdurchschnittlich investiert auch der Norden, nur 26,5 Prozent der Betrieben werden Mittel für die betrieblichen Strukturen bereitstellen. Der Blick auf die Investitionsbereiche zeigt eine hohe Bereitschaft der investierenden Betriebe (61,8 Prozent), Gelder für den Fuhrpark bereitzustellen. Eine mögliche Erklärung dafür ist der Preiskampf der Automobilhersteller in der Folgezeit der Abwrackprämie.
Fazit: Viel Licht, kleine Schatten
Den Bau insgesamt hat die Wirtschaftskrise in geringerem Maße getroffen als andere, vor allem exportorientierte Branchen. Die ermittelten Werte für die Dachdeckerbranche geben Raum für Zuversicht: Im Unterschied zu anderen staatlichen Eingriffen werden Dachdeckern von den Mitteln aus dem zweiten Konjunkturpaket noch länger profitieren können. Auch der private Konsum bleibt einstweilen stabil. Bessert sich die konjunkturelle Lage wie prognostiziert, könnten die Folgen für den Arbeitsmarkt überschaubarer bleiben als zunächst befürchtet. Davon würden auch die Dachdecker profitieren eine gemäßigtes Wachstum könnte die noch schwächelnden Werte bei Auftragslage und Investitionsbereitschaft stützen. Wir bedanken uns bei 99 teilnehmenden Betrieben.
Malte von Lüttichau