Markt 2010-11-16T00:00:00Z 3/2010: Sonderkonjunktur für Dachdecker

DDH Konjunkturbarometer : Während das Bauhauptgewerbe mit Umsatzrückgängen kämpft, bewegen sich die Zahlen des Dachdeckerhandwerks nahe am Boom. Wir analysieren die Hintergründe dieses außergewöhnlichen Ergebnisses und sagen, warum einige Betriebe davon nicht profitieren.

Spitzenwerte für die Konjunktur der Dachdecker das könnte man angesichts der Nachrichten der vergangenen Monate für ein wenig überraschendes Ergebnis halten. Schließlich überschlugen sich die Meldungen zum wirtschaftlichen Comeback der Bundesrepublik in den letzten Wochen. 3,7 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sagte der Sachverständigenrat in seinem Herbstgutachten für 2010 voraus.

Wer den Blick in Richtung Bauwirtschaft verengte, nahm jedoch ganz andere Signale wahr. Einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent eröffnete der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein, den Hörern der Jahrespressekonferenz des Verbandes Ende Oktober in Berlin. Besonders das Ergebnis der Sparte öffentlicher Bau war für Loewenstein "eine herbe Enttäuschung". Enttäuscht wurde vor allem die Erwartung, dass Aufträge aus dem Konjunkturpaket II das Ergebnis im öffentlichen Bau anheben würden, der Spartenumsatz sank sogar um 0,4 Prozent (wie die Dachdecker aus dem Konjunkturpaket II Aufträge generieren konnten, haben wir im Info-Kasten für Sie zusammengefasst). Verantwortlich dafür sei, so Loewenstein, die Streichung der Vorgabe an die Kommunen, nach der Mittel aus dem Pakt nur für zusätzliche Investitionen verwendet werden dürften (Zusätzlichkeitskriterium). Für das kommende Jahr erwartet das Bauhauptgewerbe einen nochmaligen Rückgang um 1,5 Prozent.

Dachdecker mit Spitzenplatz

Wie stellt sich die bauhauptgewerbliche Ernüchterung inmitten der allgemeinen Konjunktur-Party zum Dachdeckerhandwerk? Die Zahlen im zweiten Quartal deuteten es bereits an: Das Gewerk nominell Teil des Bauhauptgewerbes fährt in diesem Jahr zunehmend gute bis sehr gute Ergebnisse ein und bewegt sich inzwischen nahe am Boom. Das Dachdeckerhandwerk erlebt derzeit gemeinsam mit anderen Gewerken, insbesondere dem Ausbauhandwerk, eine Sonderkonjunktur innerhalb der Bauwirtschaft. Die Ursache für diesen Spitzenplatz liegt vor allem im verstetigten Trend zur energetischen Sanierung, der den Handwerksbetrieben auch angesichts eines enttäuschenden öffentlichen und nahezu brachliegenden Wirtschaftsbaus eine starke Nachfrage beschert.

Aussichten übertreffen Ertragslage

Zum überraschend positiven Gesamtbild tragen dabei eine Vielzahl von Kennzahlen bei. Sie beschränken sich nicht auf die vom ZVDH mittels Umfrage erhobenen Werte, die wir in der Folge darstellen. Auch die Zahlen zu Betriebsinsolvenzen, die Lage beim Handel und steigende Beschäftigtenzahlen zeichnen ein überaus positives Bild der Lage.

Die Einschätzungen der befragten Dachdeckerunternehmen zur Ertragslage sprechen eine deutliche Sprache. Im Vergleich zum Vorjahresquartal verbessert sich die Durchschnittsnote von 3,2 auf 2,6. Verteilt auf die einzelnen Noten bedeutet das: Fast fünfzig Prozent (49,4) aller Befragten schätzen ihre Ertragslage im dritten Quartal gut oder sehr gut ein, fast eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sank am anderen Ende der Skala der Prozentsatz der Noten ausreichend und mangelhaft rapide von 36,8 Prozent auf nur 15,7 Prozent. Der auf die Restgröße von 3,9 Prozent gesunkene Anteil der Einschätzung "mangelhaft" zeigt, dass sich die Ertragslage bei fast allen Betrieben im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat.

Übertroffen werden diese Top-Werte noch von den Zukunftsaussichten der befragten Dachdecker, die wir aus den Anschlussaufträgen im weiteren Jahresverlauf ableiten. Das Ergebnis demonstriert breiten Optimismus quer durch die Branche: Für fast zwei Drittel (61,3 Prozent) der Befragten sind die Aussichten sehr gut oder gut, nur ein marginaler Anteil von 1,8 Prozent blickt hingegen derzeit mangelhaften Aussichten entgegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zuversicht von Dachdeckerunternehmern damit deutlich gestiegen, die Verbesserung der Durchschnittsnote von 3,0 auf 2,4 zeigt den breiten Trend deutlich an. Inwiefern dieses Ausmaß an Optimismus gerechtfertigt ist, werden die kommenden Monate zeigen, die aktuelle Auftragslage gibt zumindest Anlass zur Zufriedenheit. Das durchschnittliche Auftragspolster von 3,7 Monaten ergibt sich aus Anstiegen in allen Bereichen gegenüber dem Vorjahr Neubau plus knapp 0,2 Monate, Sanierung plus 0,6 Monate, Reparaturen plus 0,2 Monate.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 23/2010.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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