Markt 2011-11-24T00:00:00Z 3/2011: Spitze erreicht

Ungeachtet der Turbulenzen im Euroraum hat das Dachdeckerhandwerk seinen Aufwärtstrend mit Bestwerten im 3. Quartal bestätigt. Einiges spricht dafür, dass die Lage sich stabilisiert, aber nicht mehr verbessert.

Würde man vom Europawetter berichten, wäre angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage wohl die Rede von einer stabilen Hochdruckwetterlage über Deutschland, während südlich der Alpen heftige Regenstürme die Städte überschwemmen. Und wie beim Wetter fragt sich der erfreulich viel beschäftigte Unternehmer weiterhin: "Kommt das noch zu uns?"

Es ist mittlerweile nicht mehr neu, dass wir im DDH Konjunkturbarometer zwei ganz unterschiedliche Entwicklungen begleiten. Die eine, aus relativ sicherer Entfernung betrachtet, handelt von drohenden Staatspleiten, Krisengipfeln und Rettungsschirmen in schwindelerregenden Milliardenhöhen. Davon noch immer unberührt läuft im deutschen Handwerk seit vielen Monaten eine Erfolgsgeschichte ab, in der das Dachdeckerhandwerk besonders von einigen Trends profitiert, die durchaus mit der Vertrauenskrise in die Finanzmärkte zusammenhängen.

"Immobilie ist die neue Aktie"

"Die Immobilie ist die neue Aktie", hörte man kürzlich auf einer Dachdeckerveranstaltung. Auch wenn dieser Markt von aktienähnlicher Hysterie weit entfernt ist, spricht daraus doch das neu gewonnene Selbstbewusstsein der Branche. Sie stützt sich dabei nicht nur auf das politisch gewollte und von der Bevölkerung angenomme Ziel der Energieeffizienz, sondern auch auf die Entwicklung bei den

Baugenehmigungen.

Dort scheint zumindest die Talsohle durchschritten angesichts wohl dauerhaft niedriger Zinsen und großem Misstrauen gegenüber Finanzprodukten fließen wieder verstärkt Gelder in Sachwerte.

Eine wirtschaftliche Sonderrolle nimmt aber auch die gesamte deutsche Volkswirtschaft im Euroraum ein. Erfreulich ist dabei: Das überraschend hohe Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal resultiert vor allem aus privaten Konsumausgaben und Investitionen im Inland. Dennoch ist bereits in diesem Quartal eine leichte Abwärtstendenz angelegt, das kräftige Plus ist nach Einschätzung des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW) vor allem dem Auftakt im Juli zu verdanken. Gesamtwirtschaftlich steht im kommenden Jahr eine Eintrübung ins Haus für das gesamte Jahr 2012 sagen die "Wirtschaftsweisen" derzeit ein Plus von "nur" 1,0 % voraus.

Normalisierung auf hohem Niveau

Für das Dachdeckerhandwerk bedeutet das wahrscheinlich eine Normalisierung auf hohem Niveau. Dieses Jahr erwartet der Zentralverband (siehe dazu auch den Kommentar von Präsident Karl-Heinz Schneider auf Seite 37) ein Umsatzplus von mindestens 5 %. Von der derzeit sehr hohen Nachfrage nicht wenige Betriebe müssen ihre Kunden schon seit längerem auf 2012 vertrösten werden sie auch noch im kommenden Jahr profitieren. Die relevanten Indikatoren wie die Zahl der Genehmigungen im Wohnungsbau machen ohnehin Mut: Einen Absturz wird es 2012 nicht geben immer vorausgesetzt, es kommt nicht zum Finanz-Gau im Euroraum.

Im abgelaufenen Quartal war von derartigen Sorgen nichts zu spüren. Im Gegenteil, die teilnehmenden Dachdecker schätzen ihre Geschäftslage so gut ein wie lange nicht. Fast zwei Drittel beurteilen ihre Lage als "gut" oder "sehr gut", eine mangelhafte Geschäftslage ist mit 1,5 % derzeit die absolute Ausnahme. Die Durchschnittsnote 2,3 übertrifft damit das Vorjahresquartal (Durchschnittsnote 2,6). Noch deutlicher wird die Lage mit Blick auf die dritten Quartale der Jahre davor: von 2007 bis 2009 bewegten sich die Durchschnittsnoten im Bereich zwischen 3,1 bis 3,3.

Betrachtet man die Ergebnisse in den Landesverbänden, ergibt sich ein relativ homogenes Bild nahe des Gesamtdurchschnitts. Die wirtschaftlichen Aussichten für den weiteren Verlauf des Jahres übertreffen mit einer Durchschnittsnote von 2,2 diesen Wert sogar noch geringfügig.

Der Auftragsbestand bildet die Basis dieser positiven Einschätzungen. Der aktuelle Wert von 4,1 Monaten übertrifft das Vorjahresniveau um 0,4 Monate. Zur weiteren Einordnung: Im Herbst 2009 verzeichneten wir einen Wert von 2,8. Der aktuelle Wert verteilt sich auf die Sanierung als weiterhin wichtigste Auftragsquelle mit 1,9 Monaten, sowie gestiegenen Werten bei Neubau (1,1) und Reparaturen (1,0). Sinkende Auftragsbestände bleiben aktuell die Ausnahme. Befragt nach der Entwicklung des vergangenen halben Jahres, verzeichneten nur 4,9 % einen gesunkenen Bestand.

Malte von Lüttichau

Das aktuelle Barometer lesen Sie in DDH 23/2011.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
Newsletter