Markt 2012-11-28T00:00:00Z 3/2012: Hohes Niveau trotz Rückgangs

Wenig überraschend verzeichnen die Dachdecker im 3. Quartal leichte Rückgänge gegenüber dem Vorjahr. Sorgen bereitet diese Abflachung nicht, denn die Vorzeichen der weiteren Entwicklung sind eher positiv.

Lange wurde es angekündigt, nach dem 3. Quartal 2012 haben sich die Prognosen bestätigt: Die Ergebnisse der vom ZVDH befragten Dachdeckerunternehmen sind insgesamt leicht rückläufig. Diese Entwicklung war nach einem zunächst lang anhaltenden Aufwärtstrend und dem anschließenden Verharren der Zahlen auf hohem Niveau erwartbar. 2 Faktoren begleiten die Entwicklung: zum einen die Abschwächung der Gesamtkonjunktur, zum anderen die Entwicklung des Baubereichs und des Dachmarktes.

Gesamtkonjunkturell befindet sich die Bundesrepublik in einer Phase sinkender Wachstumsrate. Mitte Oktober senkte die Bundesregierung ihre Prognose der Wachstumserwartung für das Jahr 2013 auf ein Plus von 1,0 %. Im Frühjahr hatte die Regierung noch 1,6 % erwartet. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sah in der Korrektur keinen Einbruch: "Vielmehr ist die deutsche Volkswirtschaft in robuster Verfassung und steht strukturell auf einem festen Fundament", so Rösler in Berlin. Für diese Sichtweise spricht vor allem die in jüngster Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung etwas ruhiger verlaufende europäische Schuldenkrise. Sie steht weiterhin als großer Vorbehalt vor allen Prognosen. Röslers Ansicht, es spräche vieles dafür, dass die Weltwirtschaft 2013 wieder an Schwung gewinnen könnte, erhielt durch Zahlen aus Peking einen Dämpfer: Das Wachstum in China fiel im Herbst auf den niedrigsten Stand seit 3 Jahren. Besonders die exportorientierten Branchen der deutschen Wirtschaft spüren die leichte Trendumkehr bereits jetzt. Insgesamt ist jedoch keine Rezession zu erwarten.

Gute Genehmigungszahlen

Die Binnenkonjunktur des Baubereichs und des Dachmarktes folgt in typischer Manier der Gesamtkonjunktur zeitlich verzögert. Weiterhin sprechen einige Faktoren jedoch für eine eigene, etwas positivere Entwicklung. Die Genehmigungszahlen - im Bau ein verlässlicher Frühindikator der weiteren Entwicklung geben der Branche durchaus Anlass zu Optimismus. Während die Nachfrage, auch wegen des Comebacks von "Betongold" als Geldanlage, also grundsätzlich stimmt, erleben Dachdeckerunternehmen nach wie vor eine hohe Wettbewerbsintensität bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. Dies führt zu einer Situation, die im DDH Konjunkturbarometer bereits mehrfach beschrieben wurde: Die Gewinne vieler Unternehmen entsprechen nicht der Nachfrage, weil sie sich nicht in der Lage sehen, die in der guten Konjunktur gestiegenen Einkaufspreise an die Kunden weiterzugeben. Unklar ist derzeit auch, auf welchem Förderniveau sich das staatliche Bekenntnis zur Energiewende bei der energetischen Sanierung niederschlagen wird. Insgesamt - wiederum gilt der Vorbehalt Schuldenkrise sind die mittelfristigen Perspektiven im Wohnungsbau weiterhin günstig. Die nun leicht rückläufigen Zahlen sind daher vorerst nicht als Auftakt eines starken Abwärtstrends zu sehen.

Malte von Lüttichau

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
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