Markt 2011-02-08T00:00:00Z 4/2010: Robuster Verlauf

Das Gewerk bleibt im vierten Quartal auf Kurs und blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. 2011 verspricht eine insgesamt positive Entwicklung, die starke Konjunktur sorgt für Konsumfreude und steigende Preise.

Ein "Bündel von Risiken". beschrieben wir zum Ende des letzten Konjunkturbarometers, könnte sich für die weitere Entwicklung der Konjunktur nachteilig auswirken. Der Blick auf die deutsche Gesamtwirtschaft zeigt: Unternehmen wie Experten sehen derzeit vor allem die Chancen der weiteren Wirtschaftsentwicklung. Der aktuelle Wert des ifo-Geschäftsklimaindex als bekanntester Stimmungsanzeiger der Geschäftswelt schwebt in luftigen Höhen. Er stieg im Januar den vierten Monat in Folge auf 110,3 Punkte und erreichte den höchsten Wert seit der deutschen Wiedervereinigung. Damit wurden die Erwartungen von Analysten, die mit einem stagnierenden oder sinkenden Wert gerechnet hatten, erneut übertroffen.

Das Comeback geht weiter

Das bemerkenswerte Comeback der deutschen Wirtschaft geht damit weiter. Wirtschaftsexperten haben ein weiteres Wachstumsjahr angekündigt, das Wirtschaftsministerium hob seine Jahresprognose zuletzt von 1,8 auf 2,3 Prozent an. Damit würde im Laufe des Jahres 2011 das 2008er Rekord-Produktionsniveau nochmals übertroffen. Die Entwicklung beschränkt sich erfreulicherweise nicht wie in vorangegangenen Aufschwungphasen auf die exportorientierte Industrie. Das Wachstum, gab die Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht bekannt, werde zu über drei Vierteln von der Binnennachfrage gestützt. Angekurbelt wird die Konsumbereitschaft demnach von gewachsener Jobsicherheit und steigenden Löhnen.

Ein positives Zwischenfazit zieht unter diesen Bedingungen auch das organisierte Handwerk. Der Nordrhein-Westfälische Handwerkstag (NWHT) etwa veröffentlichte Mitte Januar ausgesprochen positive Zahlen zur Lage, die er mit dem Begriff "Boomphase" zusammenfasst: Demnach kletterte der unter den Mitgliedsfirmen erhobene Geschäftsklimaindex auf ein Zwanzig-Jahreshoch von 86 Prozent. Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe bezeichnete NWHT-Präsident Prof. Wolfgang Schulhoff als "Lokomotiven" des Konjunkturzugs. Auch der Ausblick dieses Verbands fällt positiv aus. Voraussetzung dafür sei allerdings, so Schulhoff, dass es der Politik gelinge, den Euro stabil zu halten, "und daran habe ich große Zweifel."

Risikofaktor Inflation

Konkret scheint derzeit die Sorge vor sinkender Preisstabilität zu sein. Kein Aufschwung ist ohne Risiken begleitet wird er in der Regel durch steigende Rohstoffpreise und Arbeitskosten. Die Teuerung für Verbraucher hat sich im Januar von 1,7 auf 1,9 Prozent verstärkt. Nahezu drei Viertel der vom ZVDH befragten Dachdecker verzeichneten in den vergangenen sechs Monaten steigende Einkaufspreise (siehe untenstehenden Kasten). Derzeit herrscht in Fachkreisen Uneinigkeit darüber. wie sich Preissteigerungen und steigende Lohnabschlüsse auf die Inflationsrate auswirken werden. Eine von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) durchgeführte Umfrage unter Volkswirten von Banken und Meinungsforschungsinstituten ergab im Mittel einen Wert von unter zwei Prozent und damit im Rahmen der definierten Preisstabilität. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, rechnet für 2011 mit 2,5 Prozent. "In den Jahren 2012 und 2013 rechnen wir mit einer Rate von drei Prozent. Das kann durch Rohstoffpreisschwankungen schnell auch in den Bereich von vier Prozent gehen", so Kater gegenüber der FAZ.

Fast alle profitieren

Zurück zum abgelaufenen Quartal die Ertragslage der befragten Dachdecker hat sich gegenüber dem Vorjahr auf breiter Basis verbessert. Ein Blick auf die nebenstehende Grafik zeigt: In der "Spitze" der sehr guten Ertragslagen hat sich wenig verändert, in der Breite dafür umso mehr. Ein Plus von über 13 Prozent beim Wert "gut" wird gespiegelt durch deutliche Rückgänge bei den Einschätzungen ausreichend (minus 8,8 Prozent) und mangelhaft (minus 9,0 Prozent). Die positive Erkenntnis: Immer mehr Betriebe profitieren von der günstigen konjunkturellen Lage, das spricht für günstige Voraussetzungen. Insgesamt verbessert sich der Wert gegenüber dem vierten Quartal des Vorjahres von der Note 3,3 auf 2,9.

Optimistisch stimmen auch die Werte der wirtschaftlichen Aussichten. Dabei verbessert sich die Durchschnittsnote von 2,9 auf 2,5. Ausreichende Aussichten besitzen aktuell nur 11,4 Prozent der Befragten. Mut macht vor allem der auf ein Minimum von 1,6 Prozent gesunkene Wert mangelhafter wirtschaftlicher Aussichten. Das bedeutet: Fast alle Betriebe profitieren derzeit zumindest im geringen Umfang vom Aufschwung, nur ein Bruchteil hat überhaupt keine Teilhabe.

In welche Richtung die Waage der Erträge derzeit für die meisten Dachdecker kippt, demonstriert der Blick auf den Jahresvergleich der Ertragslagen. Dachdecker wurden befragt: "Wie beurteilen Sie rückblickend die Ertragslage Ihres Unternehmens in 2010 im Vergleich zu 2009?" Die Ergebnisse weisen einen deutlichen Trend aus: 44,6 Prozent verzeichneten 2010 eine bessere Ertragslage, 34 Prozent sehen sie "gleichbleibend gut". Demgegenüber beurteilen nur 16,4 Prozent die Ertragslage des abgelaufenen Jahres schlechter, für 5 Prozent blieb sie gegenüber 2009 "gleichbleibend schlecht".

Malte von Lüttichau

Das komplette Konjunkturbarometer lesen Sie in Ausgabe DDH 4|2011.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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