Markt 2012-02-15T00:00:00Z 4/2011: Das Hoch hält an

Die deutschen Dachdecker verzeichneten 2011 ein sehr erfolgreiches Jahr. Ihre Einschätzung der Zukunftsaussichten für 2012 deckt sich mit der Analyse der Ökonomen: Das Jahr beginnt gut, die Entwicklung wird aber abflachen.

Der Blick auf die Konjunkturdaten des vergangenen Jahres fällt auf nationaler Ebene durchweg positiv aus. Dies gilt gesamtwirtschaftlich, noch mehr aber für das Dachdeckerhandwerk. Auch das vielfach beschworene Horrorszenario eines Zusammenbruches des Euro ist nicht eingetreten, die Währung erweist sich bisher als stabil.

In Bezug auf die griechische Wirtschaftskrise bleibt es bei der Hängepartie. Noch immer lässt sich nicht seriös abschätzen, welchen Weg die griechische und weitere südeuropäische Volkswirtschaften einschlagen können und, noch wichtiger, welche Auswirkungen dies auf die deutsche Wirtschaft haben wird. Es mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die EU-Staaten sich im Hintergrund auf einen Austritts Griechenlands aus dem Euro vorbereiten.

Indikatoren überraschen positiv

Hält man sich im Rahmen der großen Unsicherheiten an aktuelle, kleinteiligere Prognosen, konnte die deutsche Wirtschaft zuletzt positiv überraschen. Die Erwartungen der deutschen Unternehmer, zusammengefasst im Ifo-Geschäftsklima-Index, sind im Januar zum dritten Mal in Folge gestiegen - für viele Ökonomen traditionell ein Zeichen einer Trendwende zum Guten. Auch der starke Anstieg des ZEW-Konjunkturerwartungsindex lässt die Hoffnungen keimen, dass das sinkende deutsche Wirtschaftswachstum eher eine Konjunkturdelle als den Auftakt einer Rezession bedeutet.

Ohnehin stellt sich Deutschland in europäischer Perspektive als Leuchtturm einer stabilen Entwicklung dar. Getragen werden die vergleichsweise guten Ergebnisse des Export-Vizeweltmeisters auch von einer tragfähigen Binnennachfrage. So erhalten die Optimisten unter dem Strich wieder etwas Oberwasser. Von außen betrachtet heißt das in Zahlen: Die Washingtoner Ökonomen des Internationalen Währungsfonds sehen im Ergebnis für Deutschland ein kleines Jahresplus von 0,3 %.

Die positiven Rahmenbedingungen für die deutschen Ausbaugewerke haben wir in den vergangenen Barometer-Kommentierungen ausführlich beschrieben. Sie bleiben den Dachdeckern ebenso erhalten wie ein solider Auftragsbestand, der aus dem Spitzenjahr 2011 noch nach 2012 hineinreichen wird.

Private Aufträge erst im Frühjahr

Dass der Auftragsbestand im Januar 2012 (3,5 Monate) gegenüber Oktober 2011 (4,1 Monate) auf das Niveau des Vorjahres gefallen ist, lässt sich auf branchentypische Verhaltensweisen zurückführen. Seit Oktober konnten aufgrund der günstigen Witterung noch viele Aufträge abgearbeitet werden. Neue Aufträge wurden saisonbedingt jedoch kaum erteilt insbesondere private Auftraggeber warten damit erfahrungsgemäß bis Frühjahr. Der Wintereinbruch Anfang Ende Januar kam vielen Betrieben vermutlich sogar gelegen: Da in vielen Betrieben nahezu das ganze letzte Jahr durchgearbeitet wurde, konnte diese Zeit genutzt werden, um noch vorhandenen Urlaub abzugelten. Darüber hinaus bot die Kälteperiode für Betriebe, die die tariflichen Möglichkeiten der Arbeitszeitflexibilisierung nutzen, die Gelegenheit, die gefüllten Arbeitszeitkonten zurückzuführen.

Ausgesprochen gute Geschäftslage

Nach dem vierten Quartal fragt der ZVDH traditionell einige Werte bezogen auf das Gesamtjahr ab. Demnach war die Geschäftslage im abgelaufenen Jahr ausgesprochen gut. Die Durchschnittsnote von 2,2 stellt im Vergleich der letzten Jahre den mit Abstand besten Wert dar 2007 kam das Gewerk auf eine Durchschnittsnote von 2,6, 2008 und 2009 auf 3,3 und 2010 auf 2,9. An diesem positiven Ergebnis waren auch das ist eine gute Nachricht für die Gemeinschaft der Dachdecker fast alle Betriebe beteiligt. Gerade einmal 4,7 % aller Befragten mussten ein ausreichendes Jahr verzeichnen, eine mangelhafte Lage beklagten nur 0,7 %. Auf das Bundesgebiet verteilt sich die Gesamtnote relativ gleichmäßig von den mitgliederstarken Regionen schneiden Niedersachsen-Bremen (2,0) und Hessen (2,0) etwas besser ab als Bayern (2,1), Baden-Württemberg (2,2), Nordrhein (2,3) und Westfalen (2,4).

Malte von Lüttichau

Das vollständige Konjunkturbarometer lesen Sie in Ausgabe DDH 04.2012.

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
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