Nach 24 Jahren Ehrenamt verabschiedeten Schleswig-Holsteins Dachdecker ihren Landesinnungsmeister Manfred Arp. An seine Stelle tritt mit Siegfried Klohs der vormalige Stellvertreter. Der Verband setzt damit auf Kontinuität.
Der aufgebaute Kran vor dem Eingang der Reithalle in Ahrensburg war Schauplatz des diesjährigen Landesverbandstags Schleswig-Holstein und machte es deutlich: "Danke Manfred" stand dort auf einem Plakat, angebracht am Führerhaus und versehen mit dem Konterfei des langjährigen Landesinnungsmeisters Manfred Arp. Die Verabschiedung von Arp, einer der prägenden Figuren des Dachdeckerhandwerks, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Kaum überraschend, dass sich zu diesem Anlass zahlreiche Gäste aus Zentralverband und den Landesinnungen eingefunden hatten.
"Verdammt große Fußstapfen"
"Verdammt große Fußstapfen" hinterlasse Arp seinem Nachfolger, sagte der gastgebende Obermeister Torsten Kriedemann in seiner einleitenden Begrüßung. Gemeint war damit Arps bisheriger Stellvertreter Siegfried Klohs, der vorab zum neuen Landesinnungsmeister gewählt worden war. Der Verband setzt damit auf Kontinuität. Klohs dankte für das Vertrauen und seinem Vorgänger für die geleistete Arbeit. Anschließend skizzierte er in seiner Eröffnungsrede die kommenden Herausforderungen für den Landesverband und blickte auf ein erfolgreiches Jahr mit " endlich zufriedenstellenden Ergebnissen" zurück. Der Hauptgrund: "Die Bauherren investieren wieder. Statt zu zocken erhalten viele den Wert ihrer Immobilie." Aus Sicht des Dachdeckerhandwerks ergebe sich daraus die erfreuliche Situation der Vollbeschäftigung verbunden mit einer "sehr guten" Lehrlingszahl. Dennoch, so Klohs, gebe es weiterhin Probleme mit der fehlenden Ausbildungsreife des Nachwuchses, konkret deutliche Defizite in den Bereichen Sorgfalt, Konzentrationsvermögen und Höflichkeit. Die Klassen im "bundesweiten Vorzeigeprojekt" Lübeck-Blankensee seien gegen den demographischen Trend voll, die von 80% auf 64% gesunkene Absolventenquote jedoch "sehr bedenklich". Klohs´ Fazit: "Wenn die Vorbildung nicht ausreicht, muss unsere Ausbildung noch besser werden."
Lobende Worte fand Klohs für das Regelwerk: "Das technische Niveau unseres Gewerks ist der beste Schutz vor Billiganbietern und Hausmeisterservice." Ausdrücklich dankte der Landesinnungsmeister allen Beteiligten für "den nie da gewesenen Schulterschluss", der zur Gründung der Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet geführt hatte.
500.000 Arbeitskräfte weniger bis 2050
Auch Vertretern der Politik fällt es angesichts der wirtschaftlichen Lage derzeit leicht, vor dem Handwerk zu sprechen. Dies tat Dr. Tamara Zieschang, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Schleswig-Holsteins. Zieschang blickte auf ein "sehr erfolgreiches Jahr" zurück, kündigte zugleich aber die Korrektur der "sehr ehrgeizigen" Wachstumsprognose (plus 3%) an.
Einen ersten emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung setzte Survival-Urgestein und Menschenrechtler Rüdiger Nehberg. Nehberg begann seinen Vortrag mit einem unterhaltsam-amüsanten Rückblick auf seinen Wandel vom Konditormeister zum Survival-Pionier. Schnell lenkte er dann jedoch zu einem ernsteren Thema über, das seit einem guten Jahrzehnt das Leben des umtriebigen 76-jährigen bestimmt: der Kampf gegen die grausame Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika. Sichtlich aufgewühlt berichtete Nehberg von seinen Aufklärungs-Aktionen vor Ort und den Versuchen, mit Hilfe höchster islamischer Geistlicher die grausame Praxis religiös zu ächten. Der Funke sprang über mit stehenden Ovationen verabschiedete das beeindruckte Publikum Nehberg und seine Frau Annette Nehberg-Weber,
24 Jahre voller Einsatz
Der Nachmittag stand ganz Zeichen der Verabschiedung von Manfred Arp. Sechs Wegbegleiter würdigten in persönlichen Grußworten die Arbeit des ehemaligen Landesinnungsmeisters, der auf 24 Jahre im Ehrenamt zurückblickt: ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider; Ulrich Mietschke, Präsident Handwerk Schleswig-Holstein e.V.; Günther Stapelfeldt, Vize-Präsident Handwerkskammer Schleswig-Holstein; Dietmar Fröhlich, Schulleiter Emil-Possehl-Schule, Lübeck; Manfred Schröder, Ehrenpräsident ZVDH und der im Vorjahr verabschiedete Hauptgeschäftsführer und Weggefährte Uwe Klehn erinnerten sich an die Zusammenarbeit mit Arp. Hervorgehoben wurde dabei immer wieder das Engagement für die Berufsausbildung, zum Beispiel in der Umsetzung des Ausbildungszentrums Lübeck-Blankensee und als Vorsitzender der Bundesbewertungskommission des Leistungswettbewerbs.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 22/2011.
Malte von Lüttichau