Das war vor über 170 Jahren noch nicht abzusehen: Dachsteine sind nicht nur ein beständiger Dachbaustoff, sondern können, mit unterschiedlichen Oberflächen ausgestattet, auch umweltaktive Leistungen erbringen.
Die Geschichte des Dachsteins begann mit Adolph Kroher in Grassau im Chiemgau. Aus Naturzement und dem Sand der Tiroler Ache fertigte Kroher die ersten rautenförmigen Dachsteine um 1844. Frühe Standardwerke wie das Handbuch der Architektur, III. Teil, Hochbau-Constructionen, 1890 wiesen schon damals auf die hervorragenden Eigenschaften wie die geringe Wasseraufnahme hin, die sich bei "einem Dachziegel aus gebranntem Thon meist nur durch Glasirung" erreichen ließe. Auch ließen sich mit den maßhaltigen Steinen flachere Dachneigungen realisieren.
Weitere Untersuchungen wiesen eine gute Eignung auch für das "raue Gebirgsklima" nach. So finden sich heute noch immer voll funktionsfähige Dachsteindächer in allen Höhenlagen. Sicherlich die beste Referenz für die hohe Qualität und Frostsicherheit der Dachsteine.
Altes Prinzip neue Funktionen
Mit den ersten Behausungen bildete der Mensch Dächer aus. Die Wahl der Werkstoffe mit ihren Farben und Strukturen spielt für das Bauen, neben der Erfüllung konstruktiver und bauphysikalischer Bedingungen, auch eine nicht geringe ästhetische Rolle. Diese haben sich zu allen Zeiten an gestalterischen Vorstellungen, neuen technischen Möglichkeiten und neuen Materialien ausgerichtet.
Mit den technischen Möglichkeiten haben sich auch die Oberflächen des Dachsteins entwickelt. So galt es in der Nachkriegszeit seit circa 1950 (und dieser Zeitraum ist nun auch schon über 60 Jahre her). schnell Bedachungen für den Wiederaufbau herzustellen. Die maschinelle Fertigung löste die Handproduktion ab, Oberflächen spielten eine untergeordnete Rolle. Viele dieser Dachstein-Dächer sind auch heute noch funktionsfähig und hätten noch ein langes Leben vor sich, wenn sie nicht aus energetischen oder sonstigen Modernisierungsgründen abgeräumt würden.
Nach dieser Aufholphase rückten verstärkt optische und gestalterische Gesichtspunkte bei der Weiterentwicklung von Dachsteinen in den Vordergrund. Erste Stationen waren die Durchfärbung des Dachsteinkörpers mit Eisenoxid-Pigmenten sowie die Produktion von glatten, nicht besandeten Oberflächen. Lange wurde auch an der Einführung einer abgerundeten Schnittkante gearbeitet, durch die der Dachstein auch eine noch gefälligere Optik erlangte. Es folgten neue Oberflächenvergütungen. Wurden anfänglich granulierte Oberflächen mit gebrannten Sanden gefertigt, so werden heute Betonkörper mit modernen, glatten Oberflächen hergestellt.
Selbstreinigende Oberfläche
Algen, Moose und Flechten sind Mikroorganismen, die ein Bestandteil unserer Umwelt sind. Sie siedeln sich dort an, wo sich Feuchte, zum Beispiel auf beschatteten Dächern oder Fassaden, länger halten kann. Dies gilt für alle Baustoffe, auch für glasierte Keramik oder Glas. Obwohl die Mikroorganismen keine Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit des Daches haben, können sie das ästhetische Empfinden vieler Bauherren stören. Neuentwicklungen im Oberflächenbereich wie die Oberfläche Protegon verzögern deutlich als "Schmutz" wahrgenommene Veränderungen im optischen Erscheinungsbild. Diese Ablagerungen halten Feuchtigkeit länger zurück und begünstigen auf diese Weise die Begrünung.
Das System dieser Oberfläche besteht aus einer Oberflächenveredelung auf einer porenverschließenden Mikromörtelschicht. Diese Schicht glättet die Vertiefungen, in denen sich Schmutzpartikel festsetzen könnten, und stellt damit eine glatte Oberflächenstruktur sicher. In einem innovativen Produktionsverfahren wird die Mikromörtelschicht nicht nur auf die Oberfläche der Dachsteine, sondern auch auf die vordere Schnittkante aufgetragen. Somit können sich weniger Ablagerungen festsetzen und diese werden durch den schneller ablaufenden Regen auch leichter abgewaschen.
Heutige Ansprüche gehen aber noch weiter. So werden Aktiv-Oberflächen auf den Dachstein aufgebracht, die − neben optischen Qualitäten − sowohl selbstreinigende Effekte als auch luftschadstoff-reduzierende Eigenschaften vorweisen. Auch den besonderen ästhetischen Ansprüchen der modernen, Design-orientierten Architektur können diese innovativen Oberflächen entgegenkommen. Mit Wärme reflektierenden Eigenschaften kann auch ein Beitrag zum Schutz des Mikroklimas geleistet werden.
Luftreinigung durch Photokatalyse
Innovative Dachsteinoberflächen wirken gegen schädliche Stickoxide, eine Reihe weiterer Schadstoffe und sorgen für saubere Oberflächen. Die Wirkung beruht auf ihrer Ausstattung mit speziellem Titandioxid (TiO2). Katalyse bedeutet die Beschleunigung chemischer Reaktionen durch einen dritten beteiligten Stoff, den Katalysator. Bei dem Katalysator handelt es sich um das lichtempfindliche Halbleitermaterial Titandioxid. Der Katalysator wird bei den Reaktionen nicht verändert und nicht verbraucht. Die Wirksamkeit bleibt somit ein Baustoffleben lang erhalten.
Horst Pavel
Den ausführlichen Artikel finden Sie in Ausgabe DDH 08.2012.