Generell gelten Dachflächen als Gefahrenbereich. Den Bereich in einer Entfernung von 2 m zur Absturzkante bezeichnet man als absturzgefährdeten Bereich. Ein Anschlagpunkt kann als Einzelanschlag für PSAgA genutzt werden oder als Teil eines Seilsystems. Foto: Secupohl

Arbeitssicherheit

29. October 2019 | Teilen auf:

Anschlagpunkt auf dem Dach: Planung & Montage

Generell gelten Dachflächen als Gefahrenbereich und bei der Sicherung gegen Absturz sind Unternehmer, Mitarbeiter und Gebäudebetreiber gleichermaßen in der Pflicht. Dabei ist der Anschlagpunkt eines der zentralen Bauteile – ob als Einzelanschlag oder kollektiver Schutz in Kombination mit Seilsystemen. Welche Vorschriften bei der Planung und Montage gelten, zeigen wir im Beitrag.

Die Zahl der Arbeitsunfälle auf dem Bau ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, wie die DGUV mitteilt, was wohl nicht nur daran liegt, dass mehr gebaut wird. Die Statistik der BG BAU weist für das Jahr 2017 insgesamt 33 tödliche Abstürze aus, nachdem die Zahl im Jahr 2015 bereits einmal auf 20 gefallen war. Im Durchschnitt waren es zwischen 2006 und 2017 pro Jahr etwa 35 tödliche Unfälle. Auf die Dachdecker entfielen dabei im Jahr 2018 im gesamten deutschsprachigen Raum 11.985 Unfälle, davon sechs tödlich, auf die Zimmerer 20.202 Unfälle, davon neun tödlich () Das sind erschreckende Zahlen!

Routine ist die größte Gefahr

Besonders interessant ist dabei jedoch, dass nicht etwa die jungen, vielleicht eher noch unerfahrenen Handwerker die meisten Unfälle verursachen, sondern im Gegenteil gerade die erfahrenen, älteren: Nach einer Auswertung von 400 Unfallberichten früherer Jahre durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) geht ein Viertel aller tödlichen Arbeitsunfälle auf Abstürze von Dächern, durch Lichtkuppeln oder von Leitern und Gerüsten zurück. Dabei waren fast drei Viertel der Unfallopfer erfahrene Kräfte, knapp die Hälfte war älter als 50 Jahre. Zumindest jeder dritte tödliche Sturz hätte vermutlich verhindert werden können, wenn ausreichend Sicherungsmaßnahmen vorhanden gewesen wären (Tödliche Arbeitsunfälle – Absturzunfälle. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2017). Ist aber erst einmal ein Unfall passiert, untersuchen die Berufsgenossenschaften in der Folge sehr genau, ob ein Arbeitgeber allen seinen Verpflichtungen nachgekommen ist.

Die gesetzlichen Grundlagen – Absturzsicherung ist Pflicht

Es hilft nichts: ein Blick auf Formales. Gesetze, Verordnungen, Regeln und Normen helfen, einen Überblick über die bereits definierten Grundlagen der Absturzsicherung zu bekommen. Von der gesetzlichen Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG), der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und der Baustellenverordnung (BauStellV) ganz abgesehen konkretisieren die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A2.1 Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen) und die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) die Anforderungen. Darauf basieren die Verordnungen, Vorschriften und Informationen der Berufsgenossenschaften (zum Beispiel DGUV-Vorschrift 1 „Unfallverhütungsvorschrift. Grundsätze der Prävention“, die BGI 5074 „Arbeitsplätze und Verkehrswege auf Dächern“, die DGUV „Information 201-056 Planungsgrundlagen von Anschlageinrichtungen auf Dächern“) und die verschiedenen DIN-Normen, vor allem die für das hier behandelte Thema zentralen DIN 442 und DIN EN 795:2012 „Persönliche Absturzschutzausrüstung – Anschlageinrichtungen“.

Meilenstein für Absturzsicherungs­system in den 70er-Jahren

Planung von Absturzsicherung



Generell gilt die ganze Dachfläche als Gefahrenbereich; den Bereich in einer Entfernung von 2 m zur Absturzkante bezeichnet man als absturzgefährdeten Bereich. Eine Absturzkante kann eine Dachkante, aber auch eine Lichtkuppel darstellen. Es müssen unter anderem bekannt sein der Grundriss der Dachfläche mit den technischen Anlagen, die Gebäude-, damit die Absturzhöhe, die Dachneigung, die Art des Verankerungsgrunds, die Nutzungsart und die Wartungsintensität des Daches und der technischen Anlagen, schließlich der Personenkreis, der vor allem die absturzgefährdeten Bereiche des Flachdaches betritt. Gegebenenfalls muss in besonderen Fällen auch ein Rettungskonzept vorhanden sein. Diese Parameter sind maßgeblich für die Art der Ausführung, die sich grundsätzlich und vereinfacht in vier Ausstattungsklassen mit den jeweiligen Absturzsicherungssystemen unterscheiden lässt (Einzelanschlagpunkte, Seil- oder Schienensysteme, jeweils mit PSAgA – der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz –, Geländersysteme; siehe dazu DGUV Information 201-056, 16 f.).

Diethelm Krull

DDH 20.19

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