Digitalisierung 2013-10-22T00:00:00Z Außen hart, innen smart

Mobile Rechner sind sensibel. Staub, Dreck, Nässe und auch mal einen Knuff unterwegs oder auf der Baustelle vertragen nur spezielle „Rugged“-Modelle. Wann lohnt sich die etwas teurere Technik?



Worin unterscheidet sich „robuste“ Hardware?


Wie robust ist robust?
Was ein stationärer Desktop-PC kann, leistet mittlerweile auch ein mobiler Rechner. Netbooks, Tablet-PCs und vor allem aktuelle Smartphones verfügen inzwischen über eine Rechen- und Speicherleistung, mit der viele Bürorechner nicht mithalten können. In den Verkaufszahlen hat mobile Hardware stationäre PCs längst überholt. Auch im Baubereich werden mobile Rechner sowohl im Büro als auch unterwegs, für Baustellentermine, Besprechungen und Kundenpräsentationen – oder für die Bestandserfassung vor Ort – immer beliebter. Für Einsätze unter rauhen Umgebungsbedingungen, auf staubigen und feuchten Baustellen, offerieren einige Hersteller spezielle „rugged“ bzw. „ruggedized“ Hardware (englisch für „robust“, „stabil“). Robuste Hardware verfügt meist über ein schlagfestes Metall- oder ein besonders stabiles Kunststoffgehäuse. Eine manchmal an den Ecken und Kanten aufgebrachte Gummierung federt Stürze und Stöße ab und macht das Gehäuse griffig. Bei Rugged-Notebooks dient das zugeklappte Gehäuse zugleich als Hartschalenkoffer mit integriertem, praktischem Tragegriff. Tastatur, Touchpad und Display sind spritzwassergeschützt, Schnittstellen durch Gummiabdeckungen abgedichtet. Die Festplatte ist durch eine Gel- oder Gummilagerung vor Stößen und durch eine zusätzliche wasserdichte Ummantelung vor Nässe geschützt. Eine Festplattenheizung sorgt bei besonders robusten Geräten dafür, dass Daten auch bei extremen Minusgraden gelesen und geschrieben werden können – oder es kommt die gegenüber äußeren Einflüssen etwas unempfindlichere SSD-Speichertechnik zum Einsatz. Lüfterlosen Rugged-Modellen macht auch feinster Baustaub nichts aus und in ruhiger Umgebung stört beim Schreiben kein Lüftergeräusch. Ein weiterer Vorteil ist bei Rugged-Note-/Netbooks das vom aktuellen 16:9-Trend abweichende Displayformat. Einige Modelle verfügen noch über das früher verbreitete 4:3-Bildschirmformat, das aufgrund der größeren, effektiv sichtbaren Fläche und einer korrekten Abbildung von Proportionen insbesondere im Hinblick auf Grafik- oder CAD-Anwendungen Vorteile hat (siehe auch: www.wpavel.de/bildschirmmasse.php). Eingesetzt wird robuste Hardware in industrieller Umgebung, vom Militär, der Polizei, Feuerwehr, aber auch von Vermessungsingenieuren, Außendienstmitarbeitern oder Wartungsfirmen. Im Baubereich hat sich Rugged-Hardware in besonders unwirtlicher Umgebung, wie etwa im Tief- und Tunnelbau, bei der Vermessung und beim Bauaufmaß vielfach bewährt. Handwerker sind eine Randzielgruppe, was nicht zuletzt am höheren Preis, insbesondere von so genannten Ultra-Rugged-Geräten liegt. Je nach Einsatzbereich und Umgebungsbedingungen können sich die höheren Investitionskosten aber schnell amortisieren. Den Grad der Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse geben der so genannte IP-Code und der aus dem Militärbereich stammende US Military Standard (MIL-STD) an. Schutzarten nach dem IP-Standard teilen elektrische Geräte im Hinblick auf ihre Eignung für unterschiedliche Umgebungsbedingungen ein. IP steht für „Ingress Protection“ (Eindring-Schutz) und gibt den Schutzgrad des Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser an. Der vom US-Militär definierte MIL-STD geht härter zur Sache. Er unterzieht Geräte Temperatur-, Feuchtigkeits-, Korrosions-, Fall- und Stoß- und anderen, für den Bausektor eher irrelevanten Tests. Eingeteilt werden Outdoor-taugliche Geräte meist in „Semi-rugged“ und „Fully-rugged“. Semi-Rugged-Hardware widersteht bestimmten äußeren Einwirkungen eingeschränkt, wie etwa Spritzwasser, Staub oder Stürzen/Stößen und verfügt immer über einen Lüfter. Eingeschränkt bedeutet zum Beispiel, dass die Hardware zwar nach IP 54 staub- und spritzwassergeschützt, aber eben nicht dicht ist. Fully-Rugged-Hardware ist nahezu vollständig gegen äußere mechanische oder klimatische Einflüsse abgeschottet und verfügt über keinen Lüfter. Sie ist nach IP65 staub- und strahlwasserdicht sowie nach den jeweiligen MIL-Standards (MIL-STD 810F, MIL-STD 810G, MIL-STD 461F etc.) gestestet und zertifiziert. Stürze aus Hüfthöhe werden auch in aufgeklapptem Zustand klaglos hingenommen, ebenso wie extreme Temperaturen (–20 °C bis +60 °C). Einen Absturz aus großer Höhe kann dagegen auch robuster Technik den Garaus machen. Wichtig ist, sich die Robustheitsangaben der Hersteller genauer anzuschauen, denn sie sind nicht immer transparent und nicht immer vergleichbar. Von einigen Anbietern wird auch vollständig gekapselte, eher für militärische Zwecke geeignete „Ultra-Rugged-Hardware“ offeriert.

Dorian Kreicic

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 21.2013.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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