Eine denkmalgeschützte Stadtvilla am Mühlenteich stand mehrere Jahre ungenutzt auf einem der schönsten Grundstücke Lübecks. Nachdem sich ein Investor gefunden hatte, standen eine Sanierung und der Umbau zu einer Zahnarztpraxis an.
Bei der gesamten Gebäudesanierung wurde auf den Dachbereich besonders Wert gelegt. Die Begutachtung des mit S-Pfannen gedeckten Gebäudes zeigte auf dem Dachboden alte Schieferstücke in den Abseiten. In den Traufgesimsen waren Durchbrüche zu verzeichnen. Daraus schloss man, dass die ursprüngliche Dachdeckung des 1852 erbauten Gebäudes aus einer Schieferdoppeldeckung und die Dachentwässerung aus einer Aufdachrinne bestand. Zudem gab es alte Fotos des Gebäudes, auf denen drei Gauben mit Kugelspitzen und zwei Firstspitzen des Walmdaches zu erkennen waren.
Als Auflage der Denkmalpflege sollte die ursprüngliche Dachdeckung mit den Gauben wieder hergestellt werden. Die Auswahl für die neue Dachdeckung fiel anhand der gefundenen Bruchstücke auf einen chinesischen Schiefer A16 des Herstellers Theis Böger. Die Firstspitzen, sowie die Kugelspitzen der Gauben sollten anhand von Fotos rekonstruiert und aus Titanzinkblech handwerklich hergestellt werden.
Schichtenaufbau von innen erstellt
Das Dachgeschoss brachte man zuerst auf den neuesten Stand der Energie-Einsparverordnung 2009. Mit einer Zwischensparrendämmung und einer Aufdoppelung der vorhandenen Sparren nach innen, erfolgte die Umsetzung der Maßnahme vom Innenraum her. Dabei entstand eine Dämmhöhe von insgesamt 200 Millimeter mit einem Klemmfilz 035 von G+H Isover. Danach wurde die Dachfläche mit einer 28 Millimeter dicken Rauspundschalung eingeschalt. Eine diffusionsoffene Unterspannbahn folgte anschließend als Vordeckung.
Die Gauben wurden anhand von alten Aufzeichnungen und Bildern von einem Zimmermann rekonstruiert. Danach fertigte er die wie kleine Dachhäuschen aussehenden Gauben in der Werkstatt vor. Vor Ort wurden sie dann am Stück in die Dachflächen eingebaut und ebenfalls mit einer Vordeckung versehen. Als Dachdeckung folgte eine der Hauptdachfläche gleiche Doppeldeckung. Die Ortausbildung wurde als aufgelegte Variante erstellt. Dabei wurden die Schiefer an den Spitzen mit untergelegten Nockenblechen abgefangen. Die Fassadenflächen der kleinen Dachhäuser bekleidete der Dachdecker mit einer Winkelstehfalztechnik aus Titanzinkblech. Diese legt sich direkt auf den ebenfalls aus Titanzinkblech erstellten Wandanschluss. Somit entsteht aufgrund der schmalen Anschlüsse ein sauberer und exakter Anschluss zwischen Dach und Wand. Die Gaubenfront wurde anschließend vom Zimmermann mit einer Holzbekleidung versehen, die dem Fensterrahmen angepasst ist.
Verschachtelte Metallarbeiten
Die geputzten Gesimse am Ortgang und an der Traufe wurden durch den Abbruch der alten Ziegeldeckung in Mitleidenschaft gezogen. Daraufhin wurden diese wieder detailgetreu nachgebaut. Beginnend an der Traufe montierte der Dachdecker zunächst Bleche mit einer Wulst als Traufabschluss. Dieser dient als Übergang von Gesims zur Dachfläche. Zusätzlich liefert er als Traufdeckung die Unterlage für die darüber angeschlagene Aufdachrinne. Durch die Montage der Aufdachrinne konnte die anzuschließende Regenrohrleitung wieder, wie ursprünglich gewesen, durch das Gesims geführt werden. Wegen der verschachtelten Dachflächen war bei der Ausführung der Dachentwässerung höchste Aufmerksamkeit gefordert. Ecken, Höhenversatze, Kehlen und auch die Gesimsdurchbrüche waren eine große Herausforderung, die aufgrund der kleinteiligen Ausführungsart meistens im Zusammenhang gegeben waren.
An den Ortgängen wurde ebenfalls ein Blech mit Wulst montiert. Auch dort galt es, einen sauberen Abschluss zwischen Gesims und Dachfläche herzustellen.
Alexander Karbach
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserer Titelstory in DDH 22/2010.