Mit breit angelegten Kampagnen versuchen die Berliner Dachdecker, den Nachwuchs für ihren Beruf zu begeistern. Die auf dem Verbandstag vorgestellten Zahlen zeigen: Der auch finanziell große Aufwand lohnt sich – und ist dringend nötig.
An Aufträgen für Dachdeckerbetriebe hat es in Berlin seit der Wende nur selten gemangelt. Auch dieses Jahr macht keine Ausnahme, konnte Landesinnungsmeister Jörg-Dieter Mann bei seiner Begrüßung im Berliner CityCube feststellen. Die Berliner Dachdecker befänden sich in einem „Auftragsboom“. Träge scheint die gute Nachfrage die Hauptstadt-Dachdecker jedoch keineswegs zu machen. Deutlich über 170 Teilnehmer waren gekommen, um die Jahrestagung zu verfolgen, ein Rekordwert. Wer zum Vergleich in die umliegenden Landesverbände schaut, könnte Berlin als Insel der Glückseligen wahrnehmen, vor allem als Befürworter des organisierten Dachdeckerhandwerks. Der Organisationsgrad von rund 75% dürfte bundesweit einmalig sein und so konnte Geschäftsführer Ruediger Thaler selbstbewusst feststellen, man bemühe sich gar nicht um eine höhere Quote, die Innungsmitgliedschaft in Berlin solle etwas Besonderes darstellen.
30 % gehen bald in Rente
Zu den regionalen Sonderfaktoren kommt die anhaltend gute Zinssituation, stellte Mann fest, die die Nachfrage von Investoren oben halte. Prognosen von Verbänden aus dem Bereich des Bauträgerwesens gehen zudem vom Ausbau von über 50.0000 Dachgeschosswohnungen in den nächsten Jahren aus. Sorgen beschränken sich zurzeit auf die preisaggressive Konkurrenz aus dem Umland, die die Gewinnsituation beeinträchtigt, vor allem aber auf die sich zuspitzende Situation des Fachkräftemangels. Eine Zahl mit Sprengkraft kommunizierten die Berliner gegen Ende des Verbandstages: In den nächsten vier Jahren gehen 30% der Mitarbeiter im Verbandsgebiet in Rente. Bereits seit Jahren versucht der Verband mit erheblichen finanziellem Einsatz, sich im Berliner Umfeld gegen die Konkurrenz aus 200 anderen Ausbildungsberufen durchzusetzen. Zuletzt im Frühjahr warben die Dachdecker mit einer berlinweiten Plakatkampagne in den U-Bahnen um junge Menschen. Mit Erfolg: Mann konnte die voraussichtlich besten Zahlen im Lehrlingsbereich seit 15 Jahren verkünden. Ausdrücklich lobte der Landesinnungsmeister zum Ende seiner Begrüßung die verlässliche Unterstützung aus dem Büro des Landesverbandes: André Menzel und Edith Eichstädt sind seit zehn Jahren dabei, Monika Frazer ist sogar seit 20 Jahren Teil des Teams.
Malte von Lüttichau
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 19.2016