News 2010-04-26T00:00:00Z Baubranche hält dagegen

Schwache Konjunktur gute Messe, davon überzeugten sich 210.000 Besucher auf der BAU in München. Die Branche präsentierte sich kämpferisch, die Aussteller setzten auf Fachthemen und Produktneuheiten. Im Vordergrund standen Lösungen zu den Themen Energieeffizienz, Bauen im Bestand und Nachhaltigkeit.

Zufrieden blickten die Ausrichter der BAU 2009 am Ende der Messe auf ihre Besucherstatistik mit 210.000 Gästen stellte die Messe nach Angaben der Organisatoren zum zweiten Mal in Folge einen neuen Rekord auf. Eine Aufholjagd durch die dritte Kalenderwoche des Jahres, denn der Messeauftakt am Montag fiel noch sehr verhalten aus, während die Messehallen ab Dienstag zunehmend voller wurden. Die Finanz- und Wirtschaftskrise war in den Messehallen nicht das Hauptthema jeder wusste um die schwachen Wirtschaftsdaten, umso mehr konzentrierten sich Besucher und Aussteller auf das Fachliche und Produktlösungen: "Keiner jammert, alle schauen nach vorne", so der allgemeine Tenor. Die Besucher aus aller Welt, darunter mehr als 36.000 internationale Gäste, kamen aus 151 Ländern. Insbesondere am vierten und fünften Messetag war der Andrang teilweise so groß, dass es in den Messehallen eng wurde.

Aufwendig gestaltete Stände

Volle Hallen und intensive Gespräche an aufwendig gestalteten Ständen das war das vorherrschende Bild auf dem Messegelände. "Die BAU hat gezeigt, dass sich unsere Branche von der Wirtschaftskrise nicht entmutigen lässt", erklärte Dieter Schäfer, der Vorsitzende des Ausstellerbeirats, stellvertretend für viele seiner Kollegen. "Die ausstellenden Unternehmen gehen mit viel Optimismus ins neue Jahr". Angesichts des Besuchsergebnisses zog auch Messe-Geschäftsführer Reinhard Pfeiffer ein positives Fazit: "Die Messe hat unsere hohen Erwartungen noch übertroffen. Der teilweise enorme Aufwand, mit dem die Aussteller ihre Produkte in Szene gesetzt haben, zeigt deutlich, dass die BAU das absolute Top-Event der Branche in Deutschland, Europa und darüber hinaus ist. Dass sich der Besucherrekord von 2007 angesichts der düsteren Wirtschaftsprognosen noch einmal toppen lässt, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Umso höher ist dieser Erfolg zu bewerten."

Die Aussagen der Aussteller spiegeln sich auch in der vom Marktforschungsinstitut TNS Infratest durchgeführten Befragung wider. Danach sehen 89 Prozent der Aussteller die BAU als Leitmesse, 94 Prozent beurteilen sie mit "ausgezeichnet bis gut". Die Qualität der Besucher sowie deren Internationalität bewerteten die Aussteller besser als 2007. Jeweils über 80 Prozent der Aussteller erklärten, bei der Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen und der Vorbereitung von Folgegeschäften erfolgreich gewesen zu sein. Die Folge: 96 Prozent der Aussteller werden eigenen Angaben nach in zwei Jahren wieder an der BAU teilnehmen.

Die Einschätzungen der Aussteller decken sich im Wesentlichen mit denen der Besucher, wie aus der ebenfalls von TNS Infratest durchgeführten Besucherbefragung hervorgeht. Fast alle Besucher genau 96 Prozent waren Fachbesucher. 88 Prozent bezeichneten sich als "Entscheider", etwa 38.000 kamen aus Architektur-, Planungs- und Ingenieurbüros. Im Ansehen der Besucher ist die BAU noch einmal gestiegen. Fast alle Besucher genau 96% - bewerteten die Messe mit "ausgezeichnet bis gut". Gelobt wurden insbesondere die Vollständigkeit und Breite des Angebots, die Präsenz der Marktführer, die Übersichtlichkeit sowie die Internationalität der Aussteller. Unbestritten ist der Leitmessecharakter der BAU, den ihr praktisch alle Besucher bescheinigten. Ebenso wurden fast alle Besucher bei der Suche nach Neuheiten fündig. Dachdeckermeister Hans Spilles aus Euskirchen zog nach seinem Messebesuch Bilanz: "Rund um das Bauen wird ein umfangreiches Produkt- und Dienstleistungssortiment präsentiert. Ideal für Architekten und alle Bauinteressenten, um sich über Innovationen und Trends zu informieren. Für den Dachdecker jedoch nur bedingt. Hier ist die Fachmesse DACH+HOLZ International wesentlich detaillierter." Neben Architektur-Rundgängen wurden auf der BAU 2009 erstmals auch Rundgänge für Vertreter der Wohnungswirtschaft sowie für Handwerker angeboten. Bei den jeweils etwa zweieinhalbstündigen Rundgängen konnten sich Vertreter der einzelnen Zielgruppen über spezifische Produktangebote informieren.

Eröffnet wurde die BAU von Wolfgang Tiefensee, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und Günter Verheugen, Vizepräsident der Europäischen Kommission. Die Bauwirtschaft, so Tiefensee bei der Eröffnung, könne einen "kräftigen Impuls" geben, um den drohenden Abschwung entgegenzuwirken. Dabei könne sich die Branche auf das neue Konjunkturpaket stützen.

Neues Zertifikat für Nachhaltigkeit

Herausragende Themen der BAU waren das energieeffiziente und nachhaltige Bauen. Ein gleichnamiger Kongress des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) zog 1.200 Besucher an. Erstmals wurden vom BMVBS sowie der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) entsprechende Zertifikate verliehen, die mehr Transparenz in die Gebäudebewertung bringen sollen im Hinblick auf Betriebskosten und ökologischer Performance. Auch an den Ständen stand die Frage, wie man beim Bauen Energie sparen, die gesetzlichen Anforderungen erfüllen (EnEV) und damit auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann, im Vordergrund der Gespräche. "Vor zwei Jahren war das Thema Klimaschutz noch ein deutsches Thema, jetzt ist es ein internationales. Die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten nimmt ständig zu", so Thomas Lauritzen, Leiter Unternehmens-Koordination bei Schüco. Leitthemen der BAU waren außerdem das barrierefreie Bauen sowie das Bauen im Bestand. Beide Themen wurden, ergänzend zu spezifischen Produktpräsentationen der Aussteller, mit Sonderschauen veranschaulicht. "Auch bei der BAU 2011 werden die Themen Energieeffizienz und Bauen im Bestand eine herausragende Rolle spielen", kündigte BAU-Projektleiter Markus Geisenberger an.

Begleitend zur BAU wurden wieder zahlreiche Preise verliehen, darunter der Preis für Produktinnovationen Praxis Altbau und der deutsche Fassadenpreis 2009. Gänzlich unbeeindruckt von den Wirtschaftsprognosen zeigten sich Besucher und Aussteller am Ende jedoch nicht. Der vorherrschende Optimismus der Besucherbefragung von 2007 als die Konjunktur an Fahrt aufnahm ist bei der aktuellen Umfrage ein wenig verflogen. Während damals nur neun Prozent der Besucher meinten, die künftige wirtschaftliche Lage werde sich verschlechtern, sind dieser Meinung jetzt 24 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Ausstellern. 2007 vertraten noch 57 Prozent die Meinung, die Lage werde sich verbessern. Diesmal glauben daran nur 22 Prozent der Aussteller, während etwa ebenso viele eine schlechtere Entwicklung erwarten. Dem optimistischen Stimmungsbild, das auf der BAU gezeichnet wurde, steht weiterhin die Verunsicherung in vielen Köpfen gegenüber.

Malte von Lüttichau und Hans G. Rüschenpöhler

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
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