Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die das Jahr 2009 geprägt hat, ist auch an der Bauwirtschaft nicht spurlos vorübergegangen. Mit einem Umsatzrückgang von knapp fünf Prozent wurden wir allerdings nicht so schwer getroffen wie andere Branchen.
Obwohl es bis zur Mitte dieses Jahres in unserem Wirtschaftszweig insgesamt nicht sehr positiv aussah, ist es dennoch gelungen, in der zweiten Jahreshälfte Auftragsrückgänge und Umsatzverluste im Vergleich zum Vorjahr zumindest annähernd wieder auszugleichen. Diese Entwicklung lässt für das kommende Jahr auf eine Stabilisierung hoffen." Das ist die Konjunktureinschätzung von Dipl.-Kfm. Walter Derwald, Präsident des Baugewerbeverbandes Westfalen.
"Neben Produktionsausfällen durch die harten Wintermonate Januar und Februar 2009 wurden insbesondere im Wirtschaftsbau Aufträge storniert, mindestens aber zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch der Wohnungsbau konnte erneut keine zusätzlichen Impulse liefern. Lediglich der öffentliche Bau begünstigt durch das Konjunkturpaket II ließ positive Tendenzen erkennen", so Derwald.
Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gewinne die deutsche Konjunktur nach dem stärksten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegsgeschichte wieder an Fahrt. Der Aufwärtstrend stütze sich laut den Wiesbadener Statistikern vor allem auf Unternehmensinvestitionen in Betriebsausstattung und Bauten. "Der Sachverständigenrat und auch führende Wirtschaftsinstitute rechnen für 2010 mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends und erwarten ein Wachstum von 1,5 % bis 2 %, welches auch für die Bauwirtschaft repräsentativ sein wird", erklärte Derwald.
Vor diesem Hintergrund blickt der Verbandspräsident in das kommende Jahr halbwegs optimistisch. "Der Wirtschaftsbau wird nach Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder an Bedeutung gewinnen. Mit Blick auf die Gemeinden unsere größten Auftraggeber im öffentlichen Bau glauben wir, dass auch durch die avisierten Auftragsvergaben aus dem Konjunkturpaket II das Bauvolumen in dieser Sparte eine deutliche Ausweitung erfährt, zumal im Jahr 2009 nur knapp 25 % der Konjunkturmittel abgerufen wurden, also im kommenden Jahr noch rund Dreiviertel aus dem Paket abgearbeitet werden müssen."
Allein der Wohnungsbau ließe keine positiven Tendenzen erkennen. Die neue Bundesregierung beabsichtige allerdings, Hemmnisse bei wohnungswirtschaftlichen Investitionen abzubauen und bessere Rahmenbedingungen im Wohnungsbau zu schaffen. "Und auf Landesebene hat Bauminister Lutz Lienenkämper für 2010 ein Fördervolumen von mindestens einer Milliarde Euro für den sozialen Wohnungsbau angekündigt. Die mit der Wohnraumförderung angestoßenen Bauinvestitionen lassen eine Stabilisierung der Baukonjunktur erwarten", sagte Derwald. Auch wiesen seriöse, wissenschaftliche Untersuchungen seit einigen Jahren darauf hin, dass zu wenig Wohnungen gebaut werden und dass die vorhandenen "vier Wände" häufig nicht dem Bedarf entsprechen. "Erfreulicherweise ist es gelungen, für Nordrhein-Westfalen eine Förderung von Abrisskosten durchzusetzen. Jetzt muss noch der Abschreibungssatz im Mietwohnungsbau von 2 % auf mindestens 4 % in den ersten zehn Jahren erhöht werden", so Derwald abschließend.