Steildach 2011-12-13T00:00:00Z Beschwingte Momente auf Sankt Joseph

Eine offene Unterkonstruktion und die Bewegungen im stählernen Tragwerk der Münchner Pfarrkirche Sankt Joseph forderten eine spezielle Befestigung der zu sanierenden Dachdeckung. Eine Ziegel-Klammer-Kombination sichert nun die neuen Dachziegel im Vierziegeleck.

Keine Unterschalung, keine Unterspannung, eine Dachneigung von nur 30° und dennoch in 60 Jahren keine Sturmschäden bei unbefestigter Dachziegeldeckung: Wenn auf die Münchener Pfarrkirche am Sankt Josephsplatz ein Unwetter niedergeht, reagieren die etwa 80 m breiten und 20 m langen Dachflächen am Mittelschiff beschwingt um es salopp zu formulieren. Der Statiker musste ran, um zu prüfen, ob man der Unterkonstruktion für weitere 60 Jahre trauen kann. Das Ergebnis der Rechenarbeit: Das stählerne Tragwerk, das im Wiederaufbau der 1950er-Jahre über das Tonnengewölbe gespannt wurde, wird mitsamt der aufgeschraubten Konterlattung weiterhin den Anforderungen trotzen. Schwachpunkte zeigten sich dem Statiker trotzdem. Es ging nicht nur darum, die 4/6er-Traglattung neu zu befestigen und partiell auszutauschen, weil eingedrungene Niederschläge für Fäulnis gesorgt hatten. Seit März 2011 gilt es, eine Dachziegeldeckung dieser Konstellation mit Klammern zu sichern dadurch wirkt rechnerisch eine deutlich höhere Windlast auf die Traglattung. Um dieser Beanspruchung zu widerstehen, sind Randbereiche in einer Breite von 5 m jetzt durch 4/8er-Traglatten verstärkt das bringt zusätzliche Stabilität in die Konstruktion.

Gegen den Sog gesichert

Für die Neudeckung suchte man einen Dachziegel mit besonderen Eigenschaften. Denn das Tragwerk aus filigranen Stahlstreben reagiert auf Windlasten mit Schwingungen. Entsprechend wirksam müssen Falze an Seiten- und Kopf eines Dachziegels ineinander greifen, um bei minimalen Bewegungen dennoch dauerhaft regensicher zu sein. Mehr noch: Gegen den Sog, vor allem im Randbereich, bedarf es einer Klammerung mit entsprechenden Auszugswerten auf einer verstärkten Traglatte, um den sich jetzt neu ergebenden Belastungen zu widerstehen. Sankt Joseph wartete aber noch mit einer weiteren Schwierigkeit auf. Bei den Lattweiten ergaben sich Toleranzen von etwa 2 cm. Damit hatte man es in den 1950er Jahren mitten im eiligen Wiederaufbau der Stadt nicht so genau genommen. Doch jetzt die Traglattung in weiten Bereichen zu korrigieren, wäre aus Kostengründen absurd gewesen. Daher wollte man die durchweg taugliche Unterkonstruktion nur dort ausbessern, wo es tatsächlich erforderlich war. Deshalb kam es beim neuen Dachziegel zusätzlich auf einen Verschiebebereich bis zu 3 cm an. Die Entscheider ließen sich vom Ergoldsbacher E58 SL von Erlus mit Anthrazit-Engobe überzeugen. Hinzu kommt, dass der Hersteller für den Ziegel den Klammer-Typ IM aus 2,5 mm dickem federharten Edelstahl anbietet, der mit seinem Auszugswert über der ZVDH-Klammergruppe K3 liegt. Nach DIN EN 14437 wird hier höchster Abhebewiderstand erreicht.

Thomas Dietrich und Paul Zielinski

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in DDH Ausgabe 1+2.2012.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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