Sprichwörtlich mit Samthandschuhen stieg die Karl Pies Bedachung der historischen Michaelskapelle bei Bonn aufs Dach. Gefordert war eine völlig erschütterungsfreie Neudeckung der Schieferflächen. Die Lösung: Sämtliche Schiefer wurden geschraubt statt genagelt.
Die Michaelskapelle, bei Bonn unterhalb der Godesburg gelegen, ist historisch und baulich als Kleinod zu betrachten. Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, wurde sie Ende des 16. Jahrhunderts infolge kriegerischer Handlungen komplett zerstört und erst Mitte des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Ende des 17. Jahrhunderts erhielt der kleine Sakralraum im Auftrag des Kölner Kurfürst-Erzbischofs Joseph Clemens von Bayern eine prächtige Barockausstattung. Mit den außergewöhnlichen Dekorations- und Deckenarbeiten wurden der Stuckateur Giovanni Pietro Castelli und der Freskomaler Johann Schießel beauftragt. Die im Inneren vorhandene Stuckdecke der Kapelle stellt in Form und Ausführung eine geradezu außergewöhnliche – kaum wieder herzustellende – Leistung dar. Bereits im Jahre 2008 traten erste Schäden durch Feuchtigkeit an der Decke auf. Daraufhin wurde ein Experte mit der Begutachtung und der Schadensanalyse beauftragt. Untersuchungen der Dachfläche ergaben zwar, dass die Schiefer noch eine gewisse Haltbarkeit aufwiesen, jedoch die Überdeckungen meist sehr gering ausgeführt waren. Da auch die vorangegangenen Reparaturarbeiten nicht fachgerecht ausgeführt waren, ergab sich somit ein hohes Schadenpotential und die Bauherrenschaft entschied sich in Verbindung mit dem Förderverein der Michaelskapelle zu einer umfangreichen Sanierung des Daches. Den Auftrag zur Sanierung erhielt die Karl Pies GmbH aus Dommershausen-Sabershausen.
Minimaler Stuck, maximaler Schutz
Die Problematik der Gesamtkonstruktion und der Sanierung lag darin begründet, dass die filigrane Stuckarbeit an der Innendecke tragend mit der Holzkonstruktion des Daches verbunden ist. In der Praxis bedeutete dies: Erschütterungen am Dach – beispielsweise durch das Nageln der Schiefer – würden die Decke irreparabel beschädigen. Nach intensiven Untersuchungen durch Architekten, Statiker, Denkmalschützer und Sachverständige stand fest, dass bei der anstehenden Da
chsanierung Erschütterungen – selbst kleinster Art – unbedingt vermieden werden müssen. Dies führte letztendlich dazu, dass weder ein Dachhaken oder Einbauteil noch ein Schiefer auf übliche Art durch einzutreibende Nägel oder Stifte, befestigt werden konnte. Für die Dachhaken bestand die Möglichkeit, diese mit entsprechenden Schrauben zu befestigen. Auch die Bretter werden mit Schrauben regelkonform und dauerhaft befestigt. Für die Schieferbefestigung ist in den Fachregeln keine andere Möglichkeit definiert als eine Befestigung mit Nägeln oder Stiften. Da diese eingetrieben werden müssen und somit Erschütterungen hervorrufen würden, mussten die Dachdecker diese Befestigungsmöglichkeit ausschließen. Es musste somit eine Lösungsmöglichkeit außerhalb des Regelwerkes gefunden werden, welche eine schadensfreie und dauerhafte Befestigung der Schiefer garantiert. Die Lösung fand sich in einem schraubbaren Befestigungssystem speziell für Holzunterkonstruktionen. Bei den Schrauben handelt es sich um Kreuzschlitzschrauben aus Edelstahl mit Flügeln an der Kopfunterseite. Dadurch lassen sich die Schrauben in den Schiefer versenken und das saubere Aufliegen und ein bündiger Abschluss des Schraubenkopfes sind gewährleistet. Der Kopfdurchmesser der eingesetzten Schrauben beträgt circa 9 mm bei einer Länge von 32 mm. Nach Prüfung dieser Möglichkeit musste – wegen der nicht gegebenen Regelkonformität – die Zustimmung der Bauherren explizit eingeholt werden.
Herbert Gärtner
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 17(`/2013.