Die weltweit größte Fachmesse der Solarwirtschaft Intersolar Europe hat die Erwartungen der Veranstalter deutlich übertroffen. Rund 72.000 Besucher aus ca. 150 Nationen besuchten die Intersolar Europe auf der Neuen Messe München. 1.880 Aussteller präsentierten in zwölf Hallen und dem angeschlossenen Freigelände ihre Produkte und Dienstleistungen auf 134.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche
Malte von Lüttichau
Mit 72.000 Besuchern an drei Messetagen hat die Intersolar Europe in München einen neuen Besucherrekord erzielt. Damit gab die Solarbranche inmitten der anhaltenden Debatte um die zusätzliche Senkung der Einspeisevergütung ein positives Signal in die Öffentlichkeit. Die weltweit größte Solarmesse blieb somit nach einem von Unsicherheit geprägten ersten Halbjahr auf Erfolgkurs. Besucher aus circa 150 Nationen besuchten die Intersolar auf der Neuen Messe München, 1.880 Aussteller präsentierten in zwölf Hallen und dem angeschlossenen Freigelände ihre Produkte und Dienstleistungen auf 134.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
Markus Elsässer, Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH, war zufrieden mit dem Verlauf: "Der Besucherandrang hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Nach den vorläufigen Zählungen konnten wir rund 72.000 Besucher begrüßen das ist ein Zuwachs von rund 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Intersolar Europe schickt damit ein starkes Signal aus München an die weltweite Solarwirtschaft." Auch bei Ausstellern (plus 33 Prozent) und Fläche (plus 29) verzeichneten die Veranstalter einen klaren Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Wachstum verzeichnete die Solarmesse auf allen Ebenen, auch bei der fachlichen Ausrichtung. Mp Tec-Marketing-Leiterin Alexandra Walter lobte das hohe Fachniveau der Veranstaltung: "Gegenüber den Vorjahren ist die Qualität der Gespräche deutlich gestiegen."
Förderdebatte geht weiter
Wenig überraschend war die Entscheidung über die Einspeisevergütung eines der meistdiskutierten Themen an den Messeständen. Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes BSW-Solar, kritisierte im Vorfeld der Messe vor allem das Tempo der Kürzungen. In Kombination mit der zum Jahresbeginn 2011 fälligen Degression könnte die Förderung um circa dreißig Prozent niedriger ausfallen, dies gefährde Arbeitsplätze. Kurzfristig hat die Ankündigung der Kürzung das Gegenteil ausgelöst, durch Vorzieh-Effekte haben die politische Debatte eine Nachfrage ausgelöst, die von Unternehmensvertretern als "Überhitzung" des Marktes eingeschätzt wird.
Konkrete Folge dieser Entwicklung ist die momentane Knappheit an Wechselrichtern. Bis zu fünf Wochen müssen Kunden derzeit auf Modelle warten, Hersteller konnten während der Messe noch keine Besserung für die folgenden Wochen versprechen. Nicht nur für die Solarunternehmen ist die Situation unbefriedigend. Vor allem bekommen die Verarbeiter den Druck der Endkunden zu spüren. Deutlich wurde auf der Intersolar: Die Industrie fordert von politischen Entscheidungsträgern klare Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.
Den Schock verdaut
Insgesamt scheint die Branche den "Förderschock" vom Februar jedoch bereits gut verkraftet zu haben. Dafür sorgte nicht nur die erfreuliche Besucherzahl vor allem am zweiten Messetag wurde der Platz knapp sondern der Glaube an die ausreichende Substanz der heimischen Solarunternehmen. Zwar halten Branchenkenner zum Jahreswechsel ein Bereinigung des Marktes sprich das Ausscheiden einiger Wettbewerber für möglich. Die Mehrheit der etablierten Player sieht sich aufgrund ihrer Fähigkeit zu technischen Innovationen und dem Wachstumspotenzial in Auslandsmärkten in einer guten Position. Auch die Niedrigpreis-Konkurrenz aus Asien fürchten die Hersteller nur bedingt. Monika Jakobi, Pressesprecherin Centrosolar: "Das Qualitätsbewusstsein der Kunden steigt. Darauf setzen wir." Die Kürzungen haben Einfluss auf die Entwicklungsarbeit der Solarbranche. Viel diskutiert wurde das Thema Eigenverbrauch. Solartechnik als Teil intelligenten Gebäudemanagements steht im Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit. Bereits im kommenden Jahr werden Produkte marktreif sein und einen interessanten Schwerpunkt der Intersolar 2011 bilden.
Indach-Lösungen im Kommen
Kein ausgewachsener Trend, aber ein wachsendes Angebot findet sich im Bereich der Indach-Lösungen. Vor allem motiviert durch die hohe Einspeisevergütung für integrierte Anlagen in Frankreich bieten immer mehr Solarunternehmen ein Indachsystem an. Die optisch überzeugende Lösung bietet sich gerade für Dachdecker als Geschäftsfeld an. Zwar vereinfachen die Hersteller laufend die Montage, viele Installateure ohne Fachkenntnisse für Dachintegration scheuen aber nach wie vor die Montage und mögliche Folgekosten. Etabliert und bei Dachdeckern bestens bekannt ist Rotos Sunroof-System, das in diesem Jahr durch das horizontal verlegbare Photovoltaik-Modul SRP Traverso ergänzt wurde. Weiterentwickelt hat Schott Solar seine Indax-Serie. Ein Modul der vierten Generation wird als komplettes Bauteil ausgeliefert und wiegt nur noch 16 Kilogramm. Ebenfalls auf eine vereinfachte Installation setzt Solarworld mit seinem "Energiedach Plus"-System. Das längere und schmalere Modul soll für den Verarbeiter einfacher zu montieren sein. Ein Modell besonders für die Sanierung von großen Eternitdächern bietet der Hersteller Galaxy Energy an. Das Modul mit Aluminiumsparren wird direkt auf die Pfetten montiert.
Preise für Innovationen verliehen
Zum dritten Mal wurden auf der Intersolar Europe neue, wegweisende Produkte und Dienstleistungen prämiert. Gemeinsam mit dem Bundesverband für Solarwirtschaft lobten die Veranstalter den Intersolar Award aus. Ausgezeichnet wurden die Bereiche "Photovoltaik" und "Solarthermie" sowie erstmals die Kategorie "PV Produktionstechnik". "Die mit dem Intersolar Award prämierten Produkte sind ein Zeichen für die Innovationskraft der Branche. Die vielen Preisträger aus Deutschland zeigen, dass die heimische Solarbranche die Herausforderungen angenommen hat, ihre Technologieführerschaft auch im internationalen Wettbewerb zu behaupten", so Körnig. Da der Intersolar AWARD bereits am Mittwoch verliehen wurde, konnten die Gewinner vom besonderen Interesse der Fachbesucher und Medien bereits während der Messe profitieren. Im Bereich "Photovoltaik" wurde der Intersolar AWARD in diesem Jahr an die ABB Schweiz AG, die Gehrlicher Solar AG und die SMA Solar Technology AG verliehen. Im Bereich "Solarthermie" überzeugten die FSAVE Solartechnik GmbH, die InvenSor GmbH sowie die gemeinschaftliche Einreichung des Instituts für Baukonstruktion der Universität Stuttgart, der Ritter Energie- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG, der Hydro Building Systems GmbH und der Frener & Reifer Metallbau GmbH. In der neuen Kategorie "PV Produktionstechnik" wurden die Festo AG & Co. KG, GEMO-TEC Ltd. und Gebr. Schmid GmbH + Co. für ihre Einreichungen ausgezeichnet.