Nicht alles ändert sich: So können Polymerbitumenbahnen im Schweißverfahren, wie abgebildet, weiterhin wie gewohnt verarbeitet werden. Foto: Maximillian Reichert/ZVDH

Arbeitssicherheit

23. April 2020 | Teilen auf:

Bitumen: Änderung im Bereich Gießverfahren

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) hat im November 2019 verschiedene Entscheidungen zur Heißverarbeitung von Bitumen und zu den dabei auftretenden Dämpfen und Aerosolen getroffen, unter anderem die Festschreibung des Grenzwerts in der TRGS 900. Wir geben einen Einblick.

Unter anderem wurde ein neuer Grenzwert von 1,5 mg/m³ für Dämpfe und Aerosole aus Destillationsbitumen und Air-Rectified Bitumen (angeblasenes Bitumen) bei der Heißverarbeitung festgelegt. Der Grenzwert ist nun in die TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ aufgenommen worden. Gleichzeitig wurde beschlossen, Dämpfe und Aerosole aus Oxidationsbitumen (geblasenes Bitumen) bei der Heißverarbeitung in die TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, keimzellmutagener oder reproduktionstoxischer Stoffe“ aufzunehmen.

Krebsverdacht bei Aerosolen und Dämpfen

Die aktuellen Einstufungen des BMAS beruhen auf Vorschlägen der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der deutschen Forschungsgemeinschaft (MAK-Kommission). Das Gremium hatte bereits 2018 eine Neueinstufung in der MAK-Liste vorgenommen, in der die maximal zulässigen Konzentrationen bestimmter Stoffe in der Atemluft am Arbeitsplatz angegeben sind. Danach werden Dämpfe und Aerosole aus Destillationsbitumen und Air-Rectified Bitumen bei der Heißverarbeitung seit 2018 als „Krebsverdachtsstoffe“ in der MAK-Kategorie 3B (vorher Kategorie 2) geführt. Hier sind unter anderem auch Holzstaub von Weichhölzern oder Eisenoxid angegeben. Dämpfe und Aerosole aus heißem Oxidationsbitumen werden weiterhin in der Kategorie 2 der MAK-Liste aufgeführt, in der sie bereits seit 2001 eingestuft waren. .

Bedeutung der Neueinstufungen für das Dachdeckerhandwerk

Es wird sich nicht bei allen Anwendungen von Bitumenbahnen etwas verändern. So können Polymerbitumenbahnen im Schweißverfahren oder im Kaltselbstklebeverfahren wie bisher verarbeitet werden: Beim Schweißen wird der Grenzwert eingehalten, beim Kaltselbstkleben entstehen keine Dämpfe und Aerosole. Die Änderungen betreffen hauptsächlich die Verarbeitung im Gießverfahren, da hier häufig Oxidationsbitumen für die Heißbitumen-Klebemassen verwendet wird.

Deutsche Bitumenbahnenhersteller arbeiten bereits mit Hochdruck daran, das Oxidationsbitumen durch andere Bitumensorten zu ersetzen. Dies gilt auch für Oxidationsbitumenbahnen. Um entsprechende Arbeitsplatzmessungen mit den neuen Materialien zu ermöglichen, hat der Ausschuss für Gefahrstoffe den neuen Grenzwert zunächst für fünf Jahre bis Ende 2024 ausgesetzt. Damit besteht für das Dachdeckerhandwerk in der Übergangsphase bis 2024 erst einmal kein direkter Handlungsbedarf, aber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung sollte Bezug auf wissenschaftliche Untersuchungen der BG BAU genommen werden. Diese legen dar, unter welchen Voraussetzungen auf weitere Schutzmaßnahmen verzichtet werden kann. Der Befund bezieht sich auf eine achtstündige Verarbeitung von Heißbitumen im Gießverfahren. Das Dokument sowie weitere Informationen hierzu können in der Nutzergruppe der Innungsmitglieder des Dachdeckerhandwerks eingesehen werden: https://member.dachdecker.de → Informationen an Betriebe – Technik – Umwelt- und Arbeitsschutz.

Bei Einhaltung der im Infokasten aufgeführten Maßnahmen kann im Freien ohne weitere Schutzmaßnahmen gearbeitet werden.

Josef Rühle

Richtig schweißen: Unser Praxistipp, damit es fachgerecht funktioniert.