Ein ungewöhnlicher Auftrag für Dachdeckermeister Markus Janßen: Es galt millimetergenau und exakt im rechten Winkel eine Schieferhülle über ein altes Siedlungshaus zu stülpen. Das bedeutete einen hohen Aufwand an Vorplanung.
Das grundsanierte und ausgebaute Wohnhaus in Grevenbroich bei Düsseldorf hat immer noch die gleiche Geometrie wie die anderen Siedlungshäuser in dieser Straße. Es gehört wie selbstverständlich in diese Siedlung und sticht dennoch, komplett aus der Reihe. Das Bauvorhaben ist ein kreatives Beispiel dafür, was man aus einem alten Haus machen kann.
Das Siedlungshäuschen wurde 1947 errichtet und hat 80 m² Wohnfläche (EG 45 m² + DG 35 m²). Der 35 m² große Keller aus dicken Stampfbetonwänden war weitgehend trocken und die 24er Bimssteinwände des Erd- und Dachgeschosses noch gut in Schuss. So fiel die Entscheidung, die Bausubstanz weitgehend zu erhalten und auszubauen. Architekt Jon Patrick Böcker ist ein Verfechter moderner Architektursprache und bevorzugt es, ein Gebäude auf das Wesentliche zu reduzieren. Bei diesem, seinem eigenen Haus, ließ er das Siedlungshäuschen in der ursprünglichen traditionellen Geometrie bestehen und erweiterte es zum Garten hin. Der Erweiterungsbau aus zwei Kuben ist quasi als Erdgeschoss-Durchdringung des Altbaues konzipiert und massiv gebaut. Auf diesem Anbau steht eine ebenfalls neu errichtete große hölzerne Gaube, die das Dachgeschoss erweitert.
Puristischer Schiefermonolith
Städtebaulich betrachtet ist das Haus ein Teil einer Siedlung. Es erschien daher sinnvoll, die Charakteristik des Altbaues und damit auch das Bild der Straße zu erhalten. Böcker: "Keine Dachüberstände, keine Fensterbänke, keine Rinnen, keine Erker." Auf der Suche nach einem Material, das diese Idee konsequent umsetzt, stieß er schließlich auf die Symmetrische Deckung von Rathscheck Schiefer. Hinter der Gebäudehülle verbergen sich raffinierte Konstruktionen und vor allem Wärmedämmung. Der Keller wurde rundum frei geschachtet, abgedichtet und mit einer 120 mm dicken Perimeterdämmung aus EPS 035 versehen. Die Wand erhielt 160 mm Mineralwolledämmung 035 und das Dach eine 200 mm Vollsparrendämmung mit MW 035.
Jeder Millimeter zählt
Von dem ausführenden Dachdeckerunternehmen, Markus Janßen aus Jüchen forderte die Baustelle zuerst einen außergewöhnlich hohen Aufwand in der Vorplanung. Das Gebäude musste gewissenhaft eingemessen werden, denn es galt eine millimetergenaue und exakt im rechten Winkel zueinander stehende Schiefer-Hülle über einen Altbau zu stülpen. Dabei stellten die Handwerker fest, dass die alten Wände bis zu vier Zentimeter von Ideal abwichen. Der Ausgleich gelang an der Wand mit einer 220 mm auskragenden Aluminiumunterkonstruktion. Hier war Platz für die 160 mm dicke Mineralwolledämmung und den Ausgleich der leicht schiefen Wände. Die Aluminiumschwerter wurden mit Laser exakt eingemessen und auf Thermostopp-Unterlagen mit speziellen Epoxidharz-Dübeln fixiert. Die dafür anrechenbaren Dübelkräfte wurden vorher an den historischen Bimswänden vom Dübellieferanten mit zehn Zugversuchen ermittelt. Um eine genaue Rasterung der Wandfenster mit möglichst wenigen Schnitten der Schieferplatten zu erzielen, wurden unter anderem einige Fensteröffnungen geringfügig verschoben, aber nicht der neuen Fassade komplett untergeordnet. Ziel war es, die historischen Fenstergrößen zu erhalten und jeweils nur an zwei Seiten dem Raster der Fassade anzupassen. Die alten Wände wichen bis zu vier Zentimeter vom Ideal ab.
Gerard Halama
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 3.2012.