Deutsche Bedachungsunternehmen in der "Ewigen Stadt" sieht man eher selten. Dachdecker Reiner verarbeitete 1.500 m² Tondachziegel und 500 m² Zinkstehfalzdeckung am Schönstattzentrum in Rom. Das Besondere daran: Sämtliche Dachflächen waren kreisförmig - es folgten komplexe Arbeitsschritte.
Die Schönstattgemeinschaft baut ein internationales Zentrum für Schönstattfamilien in Rom. Das Objekt entsteht auf einem circa 4,2 ha großen Gelände im Stadtteil Casalotti im Nordwesten der Stadt Rom. Bereits 1965 hatte der Schönstatt-Gründungsvater, Pater Josef Kentenich, die Vision von einem Zentrum in Rom, an dem sich alle Schönstattfamilien versammeln können. Zu der Zeit legte er den symbolischen Grundstein auf dem damals erworbenen Gelände. Erst 37 Jahre später, im September 2002, konnte die Baugenehmigung der Stadt Rom erlangt werden. Der Planer und ausführende Architekt vor Ort, Rainer Pörsch, setzte die Visionen Kenternichs beinahe 40 Jahre später um. Seit 2002 befindet sich das Schönstattzentrum im Aufbau und im Februar 2008 endete der erste Bauabschnitt.
Planung und Logistik
Die Dacheindeckungen und die Klempnerarbeiten am zweiten Bauabschnitt übernahm die Firma Reiner-Dach. Für die beiden Geschäftsführer Kurt und Oliver Reiner begannen die Arbeiten schon gut 3 Monate vor dem geplanten Baubeginn. Von Deutschland aus mussten Container zur Materiallagerung und als Maschinendepot organisiert, beladen und nach Rom transportiert werden. Insgesamt 40 t wurden vor dem eigentlichen Start bewegt ein Großteil davon verschlang der Transport von Zink und einer speziellen Profiliermaschine zur Herstellung von konischen Zinkscharen.
Die außergewöhnliche Geometrie der Dachlandschaft des zentralen Pilgerhauses und des anliegenden Dormitoriums (Bettenhaus), benannt nach Pater Kentenich, besteht aus vielen gekrümmten und verschachtelten Kegel- und Trichterdachflächen. Durch die komplexen Spiralformen war eine vorherige theoretische Einteilung der Dächer sowohl für die Ziegeleindeckung als auch für die Zinkstehfalzdeckung notwendig.
Ziegel im System
Die Ziegeleinteilung wurde mit einem speziellen CAD-Programm berechnet, um die notwendigen Ziegel-Dachkeile zu ermitteln. Durch ihre Form können die Keile die jeweils notwendigen flächenbedingten Rundungen vom First bis hin zur Traufe übersetzen. Für die nach außen gewölbten Spiralflächen wurden spezielle A-Keile gefertigt, um die konvexe Form aufzunehmen. Die nach innen gewölbten Flächen erhielten V-Keile zum Erreichen der konkaven Form. Dachdecker Reiner erhielt einen individuellen Verlegeplan für jede Teildachfläche. Kern dieser "Sonderlösung" sind Ziegelsätze aus jeweils 16 konisch zulaufenden Ziegeln, bestehend aus Keilen und Übersetzern. Die Keile werden immer im Zweier-Verband nebeneinander gedeckt (6 Ziegelreihen übereinander), die Übersetzer als Einzelziegel (4 Ziegelreihen übereinander). Insgesamt 10 Ziegelreihen übereinander ermöglichen somit eine Variable von bis zu 21 cm in der Deckbreite und es entsteht eine technisch und optisch einwandfreie Fächerung der Ziegelfläche (siehe separater Kasten).
Spiralform setzt Maßstab
Die im Zentrum des Hauptdaches situierten Dach- und Turmflächen wurden in Doppelstehfalzdeckung mit vorbewittertem, 0,7 mm starkem Zink eingedeckt.
Um einen maximalen Schutz zu gewährleisten, wurden die einzelnen Scharen mit einer Falzhöhe von 38 mm gefertigt. Auch die Scharen mussten im Vorfeld den Dachrundungen entsprechend genau eingeteilt werden, damit sie am Ende zu einem harmonischen Deckbild zusammengefügt werden konnten. Eine große Hilfe war den Handwerkern sicherlich die eigens aus Deutschland mitgebrachte Profiliermaschine. Diese ermöglichte es vor Ort , konische Scharen herzustellen und die gewünschte Falzhöhe von 38 mm zu erreichen.
Michael Zenk
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 14.2012.