Die Zeiten sind stürmischer geworden und die Anforderungen an die Windsogsicherung rund ums Dach gestiegen. Eine neue Sturmklammer soll die Ziegel sichern, ohne umständlich verschraubt werden zu müssen. Die Sturmklammer ist ein Teil des Systems Dachziegel.
Windsogsicherung ja, aber bitte möglichst unkompliziert. Mit dieser Erwartung der Verarbeiter tun sich herkömmliche Sturmklammern auf dem Markt häufig schwer. Zwar sind sie durchaus zuverlässig, jeweils bezogen auf ihre Klammergruppe. Die Befestigung erfolgt jedoch in der Regel durch Verschrauben. Das erfordert nicht nur zusätzliche Arbeitszeit, sondern oftmals auch ein Paar Hände mehr auf dem Dach: zum Verlegen und zum Verschrauben.
Ein Klips unter die Traglatte reicht aus
Jetzt bietet der Markt ein weiteres System zur Windsogsicherung, das ohne Schrauben auskommt die neue Sturmklammer II von Erlus. Für die Befestigung soll ein Handgriff reichen. Der Trick: Die Klammer aus 2,2 mm dickem federharten Edelstahl besitzt 2 Krallen, die am Kopf des einen Ziegels sowie an definierten Sturmkerben im Seitenfalz des darüberliegenden Ziegels einrasten. Danach lässt sich die Klammer unter die Traglatte klipsen mehr bedarf es nicht für eine besonders leistungsfähige Windsogsicherung. Das Befestigungssystem erreicht Auszugswerte weit über 250 Newton und liegt damit deutlich über den Anforderungen der Klammerklasse 3.
Die Tauglichkeit hat das neue System nicht nur in Extremversuchen am Prüfstand bewiesen. Die Sturmklammer II bewährt sich auch bereits in der Praxis. Beispielsweise sorgen rund 500 Edelstahlsicherungen seit Herbst 2011 auf dem Satteldach eines Einfamilienhauses im bayerischen Burghausen für einen effektiven Schutz gegen Windsog.
Verantwortlich für Planung und Ausführung von Tragwerk und Ziegeldeckung war Zimmerermeister Florian Reischl aus Fürstenzell. "Ich habe nach einer Sturmklammer gesucht, die sich unkompliziert anbringen lässt", schildert der Dachprofi. "Klammern, die man schrauben muss, sind mir zu aufwendig." Was der Markt an handelsüblichen Systemen anbot, wusste er. Also suchte er im Internet nach Alternativen und wurde fündig. "Die Sturmklammer II schien mir in der Handhabung ziemlich einfach zu sein. Daher habe ich mich entschieden, sie auszuprobieren", sagt Reischl. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. "Der Zeitaufwand für das ganze Projekt war nicht wesentlich größer, als es bei einer vergleichbaren Dacheindeckung ohne Sturmsicherung gewesen wäre."
Neue Verlegestrategie nötig
Eigeninitiative blieb auch weiterhin gefragt. Für den erhofften raschen und reibungslosen Ablauf war nämlich eine abgewandelte Strategie für das Setzen der Klammern erforderlich. "Normalerweise deckt man einen Gang von unten nach oben, doch in diesem Fall habe ich zuerst den kompletten Traufbereich gedeckt und verklammert. Dann kamen die Ortgangbereiche dran und anschließend habe ich mich um die restlichen Ziegelflächen gekümmert", erläutert der Handwerksmeister. "Man beginnt also immer mit den zu sichernden Bereichen, bringt leicht versetzt die Sturmklammern an, legt die nächsten Ziegel auf und klammert wieder. So bin ich gut vorwärtsgekommen." Die definierten Sturmkerben der Ziegel haben ihm die Arbeit erleichtert "Da rasten die Klammern schön ein", sagt Reischl.
Eine Modifizierung im Kopffalz war erforderlich
Damit das System aus Windsogsicherung und Deckwerkstoff optimal funktioniert, müssen die Bestandteile gut aufeinander abgestimmt sein. Beim Burghausener Einfamilienhaus passte alles zusammen. Eingedeckt wurde das Dach auf Wunsch des Kunden aus Designgründen mit großformatigen Ziegeln von Erlus der Reformpfanne XXL mit Anthrazit-Engobe. Der bewährte Ziegel gehört zu den 5 Modellen des Herstellers, die bereits mit den für die Sturmklammer II benötigten Modifizierungen im Kopffalz versehen sind. Die übrigen Ziegel des mittelständischen Unternehmens werden nach eigenen Angaben im Laufe des Jahres entsprechend umgearbeitet. Ausgenommen davon sind Mönch/Nonne, Biberschwanz, Mönchpfanne und E 58 Plus.
Im Seitenfalz sind keine Änderungen der Ziegel nötig, denn die Sturmkerben sind bereits in sämtlichen Ziegeln des Herstellers eingearbeitet. Sie bieten schon seit geraumer Zeit mit der definierten Zone eine Befestigungsmöglichkeit für die Sturmklammer I . Dieses System ist mit allen vom Hersteller selbst produzierten Ziegeln kompatibel und darüber hinaus auch mit Produkten anderer Hersteller. Es besteht aus 2,5 mm dickem, federhartem Edelstahl und ist im Gegensatz zur neuen Sturmklammer II nur mit einem Befestigungsbügel ausgestattet. Aber auch diese Klammer bedarf keiner Verschraubung und ist mit einem Handgriff an der Traglatte befestigt. Abhängig vom Ziegeltyp erreicht dieses System die Klammerklasse 1 bis 3.
Paul Zielinski und Thomas Dietrich