2011-12-08T00:00:00Z DDH Experten Rat Teil 2: Bei der Sanierung sind alle gefordert

"Herr von Unruh wir müssen uns treffen es ist dringend!" Zwei Stunden später saßen wir in seinem Büro: der Dachdeckermeister, seine Frau, die für die Buchhaltung zuständig war und ich. Sie hatten sich entschlossen, mich als Sanierungsberater zu beauftragen, um sie bei der Lösung ihrer schwierigen Situation zu unterstützen.

Der Betrieb: ein kleines Familienunternehmen mit sechs Mitarbeitern, solide geführt, fachlich hoch qualifiziert, erfolgreich gewachsen. Das Problem: Ein Großauftrag war aus dem Ruder gelaufen, der Kunde wollte nicht zahlen. Er machte Mängel geltend, deren Überprüfung durch Gutachter und

Gegengutachten in die Länge gezogen wurde, immer neue Gründe wurden angeführt, den Handwerker nicht zu bezahlen. Der Händler wollte die Ware endlich bezahlt bekommen, das Bankkonto wurde überzogen, um die Löhne bezahlen zu können, dann wurde die Bank nervös und hatte den Meister zum Gespräch bestellt. Seine Nerven lagen blank jeder kleine Fehler im Betriebsablauf verstärkte den Stress und belastete das Verhältnis zu den Mitarbeitern. "Hier übernimmt keiner Verantwortung, ich muss alles kontrollieren, sonst läuft nichts richtig. Wir sind keine Firma, sondern wie eine Familie, wo jeder macht, was er will!" Ihm platzte der Kragen: "Ich schmeiße alle raus!"

Was war zu tun?

Zunächst einmal musste schnell Liquidität geschaffen werden. Der Anspruch, 24 Stunden für die Kunden erreichbar zu sein, führte dazu, dass der Meister immer wieder in seiner Arbeit unterbrochen wurde wir legten Prioritäten fest und vereinbarten Kernarbeitszeiten im Büro, wo er sich ausschließlich auf die Fertigstellung der Rechnungsunterlagen konzentrierte, damit seine Frau die Rechnungen schneller schreiben konnte. Anrufe wurden umgeleitet oder später beantwortet.

Es wurde ein Gesprächstermin mit der Bank vereinbart, dafür erarbeiteten wir ein Konzept, in dem wir die Schritte zur Sanierung des Unternehmens stichpunktartig zusammenfassten. Gemeinsam fuhren wir zum Termin bei der Bank, offen und ehrlich zeigten wir die Situation auf und erläuterten die geplanten Schritte. Die Tatsache, dass ein externer Sanierungsberater die Firma unterstützt, wurde von der Bank positiv bewertet. Als Berater kann man zwischen den Interessen der Bank und der Kunden vermitteln man weiß, was die Bank braucht, um zu einem konstruktiven Ergebnis zu kommen. Wir einigten uns mit der Bank auf ein Stillhalteabkommen und vereinbarten eine offene Kommunikation mit zeitnaher Information über die umgesetzten Sanierungsschritte.

Die Mitarbeiter ins Boot holen

Neben weiteren Maßnahmen organisierten wir kurzfristig eine Mitarbeiterversammlung. Es ging darum, die Mitarbeiter ins Boot zu holen. Zuvor hatte sich gezeigt, dass ein Geselle als Mitarbeiter für das Unternehmen nicht mehr tragbar war. Die Kündigung wurde ausgesprochen und gemeinsam nach Lösungswegen gesucht, um ihn bei einem anderen Arbeitgeber unterzubringen. Mein Anliegen war es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der trotz Kündigung eines Kollegen eine offene Aussprache möglich wurde. Alle waren gefordert, wenn das Unternehmen überleben sollte. Nach der Begrüßung und einem Bericht des Chefs über die aktuelle Situation stellte ich mich vor und erklärte meine Rolle als Moderator und Unterstützer für die Mitarbeiter. Zunächst bat ich alle Beteiligten, die positiven Dinge zu sammeln, die sie mit der Firma verbinden.

"Ich finde es toll, dass sich der Chef immer Zeit nimmt, mir die Dinge zu erklären, die ich machen soll."

"Ich schätze, dass meine Jungs immer da sind, wenn ich sie brauche. Selbst wenn Not am Mann ist und wir Samstags reinklotzen müssen."

"Ich finde es toll, dass die Chefin uns immer fragt, wie es uns geht und für uns da ist, wenn wir sie brauchen."

Viele positiven Dinge wurden benannt und zeigten: Man steht zusammen.

Begleitete Veränderung

Danach sprachen wir über die Punkte, bei denen es in der Firma "klemmt". Die wertschätzende Atmosphäre bewirkte, dass auch Dinge angesprochen wurden, die sonst nicht gesagt wurden ich fand es zum Beispiel mutig, dass ein Azubi sich traute, seinem Chef etwas Kritisches zu sagen und dieser ihm zuhörte und zugeben konnte, wie sehr ihn die Situation belastete. Im nächsten Schritt erarbeiteten wir Lösungsansätze für die benannten Problemfelder, einzelne Mitarbeiter übernahmen die Verantwortung für Aufgaben, damit der Chef entlastet werden konnte. Jeder hatte Ideen und trug dazu bei, dass die Arbeit jetzt effektiver und besser organisiert wird. Auf Wunsch der Mitarbeiter wurden weitere Treffen vereinbart, diese werden bei Bedarf von mir begleitet. So entstand ein begleiteter Veränderungsprozess, der nachhaltig dafür sorgt, dass es wieder Spaß macht, in dieser Firma zu arbeiten.

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zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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