In diesem unauffälligen Gewerbebau findet sich eine denkmalgeschützte Dachkonstruktion. Bild: Björn Toelstede

Steildach

02. June 2020 | Teilen auf:

Denkmalgeschützte Dachkonstruktion: Schlichte Halle mit Holzbauschatz

Gewerbebauten wirken von außen sehr oft sehr unattraktiv. So auch eine Tankstelle, an die eine Kfz-Werkstatt angegliedert ist. Betritt man jedoch diese Werkstatt, offenbart sich ein Denkmal der Ingenieurskunst.

Eine unscheinbare Tankstelle mit angegliederter Kfz-Werkstatt in Oberursel, Hochtaunus, zu der eine frühere Sägewerkshalle umfunktioniert wurde, verbirgt einen kleinen Schatz in Holzbauweise. Die Tankstelle ist aufgebaut wie fast jede Filiale üblicher Tankstellenketten. Eine zusammengesetzte Containeranlage wurde durch die Giebelseite in die Bestandshalle eingeschoben.

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Das Gebäude errichtet als Sägewerkshalle auf dem Betriebsgelände der Oberurseler Firma Heinrich Riegel und Co (Sägewerk und Zimmerei) ersetzt einen abgebrannten Vorgängerbau, dessen erhaltene Fundamente beim Neubau ebenso Verwendung fanden, wie das in die alte Halle eingebaute Kesselhaus. Das aufgehende Umfassungsmauerwerk besteht aus 38 cm starken Ziegelsteinen.

Die bogenförmige Dachkonstruktion ist in der Art eines sogenannten Zollingerdaches (Zollbau-Lamellen-Dach) ausgeführt: Konstruktion aus Holzlamellen, die Dachhaut in 24 mm starker Nut- und Federschalung, darauf zwei Lagen Pappe. In der Mitte ein 5 m breites und 17 m langes, kittloses Oberlicht mit drei Lüftern. Verglasung mit Drahtglas. Schönes Beispiel für die vom Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger 1920 ursprünglich für den Wohnhausbau entwickelte holzsparende Konstruktionsmethode. ... Die Halle im Inneren heute im Zuge einer Umnutzung zur KFZ-Werkstatt umgebaut, die zum ehemaligen Firmenbetrieb gehörigen Nebengebäude großteils abgerissen.“

Originalsubstanz weitgehend gerettet

Im Frühjahr 2017 gab das Landesamt für Denkmalpflege Hessen eine Bestandsuntersuchung der Halle in Auftrag. Auf der Grundlage dieser Voruntersuchung wurden die Ausschreibungsunterlagen erstellt, und im Sommer 2018 wurde mit der Sanierung begonnen. An der Ausführung beteiligt waren das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Schloss Biebrich Wiesbaden, Die Untere Denkmalbehörde, Magistrat der Stadt Oberursel und Dachdecker Oeckel, Oberursel.

Zunächst wurde die alte Dachhaut heruntergenommen und entsorgt. Die in der Voruntersuchung festgestellten Schäden, u.a. ein Pilzbefall, bestätigten sich weitgehend, nachdem die Dachkonstruktion freigelegt war. Lediglich im nicht einsehbaren Bereich mussten einige Aufschieblinge erneuert werden. Die Aufschieblinge wurden nachgebaut und eingepasst. Bei Bedarf wurden die Auflager mit einem Brett unterlegt, um den Abschluss zu begradigen. Da die Voruntersuchung einen hauptsächlich in der Schalung vorgefundenen Pilzbefall festgestellt hatte, mussten einige Lamellen in der Höhe unterstützt werden. Bei den nur leicht geschädigten Lamellen wurden Dachlatten seitlich an den Lamellen befestigt, um das Auflager für die Dachschalung zu erhöhen und so eine kraftschlüssige Verbindung herstellen zu können. Dadurch konnte viel ursprüngliche Originalsubstanz erhalten bleiben.

Björn Toelstede