Im nächsten Jahr soll die neue EnEV 2012 erscheinen. Dann sind deutliche Veränderungen im Bereich der Dämmstoffdicken zu verzeichnen. Wir wagen einen Ausblick.
Bis in die siebziger Jahre gab es für unsere Gebäude keinerlei Vorgaben an den Wärmeschutz. Einzig der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108 musste sichergestellt werden. Mit dem Ölpreisschock veränderte sich dies 1977 grundlegend mit der Einführung der Wärmeschutzverordnung (WSchV). Erstmalig wurden klare Vorgaben an Einzelbauteile gemacht. Anfangs noch auf geringem Niveau. Doch bereits 1984 und später in 1995 wurden die Anforderungen deutlich verschärft. Im Jahr 2002 wurde dann die erste Energieeinsparverordnung (EnEV) eingeführt, die neben Anforderungen an den Wärmeschutz der Gebäudehülle, auch die Anlagentechnik integrierte.
Diese heute geläufige Kombination wird mit dem Beschluss der Bundesregierung, die Atomkraftwerke abzuschalten, weiter an Bedeutung gewinnen. Denn im Gebäudebestand der circa vierzig Prozent des europäischen Energiebedarfs verbraucht, stecken die größten und am wirtschaftlichsten umsetzbaren Einsparpotenziale. Allerdings lassen sich mit der momentanen Sanierungsrate von lediglich einem Prozent weder die deutschen noch europäischen Energieziele erreichen. Mindestens zwei Prozent des Gebäudebestandes müssten jährlich saniert werden, um sich den gesetzten Zielen anzunähern.
Neben nationalen Vorgaben zum Beispiel durch die EnEV hat auch die EU bereits vor diesen gravierenden Veränderungen einen klaren energetischen Zeitplan aufgestellt. Die aktuelle Stufe wurde am 8.3.2011 in Form des Energieeffizienzplanes vorgelegt. Dieser Energieeffizienzplan beschreibt eine zwanzigprozentige Energieeinsparung bis zum Jahre 2020 und darüber hinaus.
Öffentliche Gebäude im Fokus
Auch Deutschland fordert langfristig klare Vorgaben in Sachen Wärmeschutz und Energieeinsparung. Die heute noch gültige EnEV 2009 soll bereits im nächsten Jahr durch die EnEV 2012 abgelöst werden. Dabei, so die Aussagen der Politik, soll das Niveau der EnEV 2009, um circa zwanzig bis dreißig Prozent verschärft werden und neben der gut gedämmten Gebäudehülle auch die Anlagentechnik weiter in die EnEV 2012 integriert werden. Legt man die heutige Vorgabe, Sanierung eines geneigten Daches mit U ≤ 0,24 der EnEV 2009 diesen Überlegungen zugrunde und verschärft diesen Wert um zwanzig Prozent, so ergäbe dies eine U-Wert Anforderung von 0,19 W/m²K. Dieser Wert liegt unter 0,20, der so die Aussage einer Vielzahl von Energieexperten energetisch sinnvoll als auch von der Umsetzbarkeit her machbar als auch bezahlbar erscheint.
Die Tabelle 1 zeigt am Beispiel der Aufsparrendämmung die mögliche Veränderung zur heute gültigen EnEV 2009, mit der U-Wert Vorgabe für das geneigte Dach von U ≤ 0,24. Der Dickenzuwachs scheint moderat, aber die Umsetzung auf der Baustelle stellt alle Beteiligten, je nach verwendetem Dämmmaterial und der daraus resultierenden erforderlichen Dämmstoffdicke vor neue Herausforderungen. Die aktuellen Vorgaben des seit 01.03.2011 gültigen KfW-Programms "Energieefizzient Sanieren" (Programmnummer 151, 152 oder 430) fordert sogar U-Werte für das geneigte Dach von 0,14 W/m²K (siehe Tabelle 2). Im Vergleich zur EnEV 2009 ist hier der Dickenzuwachs erheblich und in der Umsetzung auf der Baustelle stößt man, ja überschreitet man je nach verwendetem Dämmmaterial und der daraus resultierenden erforderlichen Dämmstoffdicke schnell die Grenzen.
Nullenergiehäuser Vision?
Die Vorgaben der Tabellen zeigen bereits heute die Richtung, die die EU bis 2050 erreichen will - das Nullenergiehaus. Ein Nullenergiehaus ist ein Haus, das soviel Energie benötigt wie es selbst erzeugen kann. Dazu ist es unabdingbar, dass sich Wärmedämmung und Anlagentechnik sinnvoll ergänzen. Die gut gedämmte Gebäudehülle sorgt für minimale Energieverluste, eine gute Anlagentechnik, beispielsweise eine Solaranlage, gleicht diese Energieverluste aus und sorgt dafür, dass Energie für Heizung, Warmwasser und für Strom erzeugt wird. Nullenergiehäuser sind keine Vision, sie sind heute bereits technisch möglich. Ein gewisser Mehrpreis für die hochwärmegedämmte Gebäudehülle und die Anlagentechnik lässt sich nicht wegdiskutieren. Wenn man im Gegenzug die nicht mehr anfallenden Energiekosten über die Nutzungsdauer von circa vierzig Jahren betrachtet, relativiert sich dieser Mehrpreis. Denn je stärker die Energiepreise steigen umso attraktiver wird diese Art von Häuser.
Ekkehard Fritz
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 17|2011.