Steildach 2012-02-29T00:00:00Z Der Tradition verbunden

Holzkohle verwendet man heutzutage eigentlich nur noch zum Grillen. Das war nicht immer so. In der Wendener Hütte, einem technischen Kulturdenkmal im südlichen Westfalen, hat man bis 1866 mit Hilfe von Holzkohle Eisen gewonnen. Das in wesentlichen Teilen noch erhaltene Gebäudeensemble zählt heute zu einer der ältesten Holzkohle-Hochofenanlage Westeuropas. 1728 von Johannes Emert gegründet, wurde die Anlage über Jahrzehnte ständig erweitert und modernisiert, bis man im Jahr 1866 den Betrieb einstellte.

Gut erhalten

Zur erhaltenen Anlage gehört ein zentrales Gebäude mit Hochofen und Gießhalle, wo einst Eisenerz geschmolzen wurde. Die Weiterverarbeitung des Eisens zu Flintläufen, Sensen, Messern und Federn erfolgte im zum Komplex gehörigen wasserbetrienenen Hammerwerk. Weiterhin bis heute erhalten sind der Kohleschuppen, die Remise, der Pferdestall sowie das Verwaltungshaus. Letzteres wurde in den Jahren 1827 bis 1830 erbaut. Der damalige Mitbesitzer der Hütte, Louis Remy, ließ dies Gebäude als Verwaltungs- und Wohnhaus errichten. 14 Jahre nachdem der Hochofen ausgeblasen wurde, verkaufte die Familie Remy Grund, Gebäude und weiteres Land an die Familie Cordes.

Anstehende Sanierung

Heute lebt Hermann Cordes, Nachfahre des einstigen Erwerbers, in dem Verwaltungsbau, der seinerzeit teilweise aus Stampflehm erbaut wurde. Auch aus denkmalpflegerischen Gründen ist an der äußeren Erscheinung des Wohngebäudes kaum etwas verändert worden. Als nunmehr eine Dachsanierung anstand, musste die Neudeckung deshalb auch erneut in Schiefer erfolgen.

Von Anfang an Schiefer

Gemeinsam mit dem beauftragten Dachdecker Andreas Langer aus Wenden und dem Denkmalschutzbeauftragten der Gemeindeverwaltung wurde die Sanierung abgestimmt. Es ist die zweite Dachsanierung seit Bestehen des Gebäudes. Die erste Schieferdeckung hielt gut 100 Jahre, die zweite immerhin 70. Jedoch war der aus Deutschland stammende Schiefer nach Begutachtung durch DDM Langer extrem schadhaft. Im Zuge der Sanierung sollte auch die Wärmedämmung des Daches den aktuellen Anforderungen angepasst werden.

Verbessern ohne zu verändern

Um möglichst wenig an der äußeren Gestaltung des Gebäudes zu verändern, entschloss man sich für eine Aufsparrendämmung. Das eingesetzte Aufsparrendämmelement besteht aus drei Funktionsschichten, die miteinander verbunden sind: Dampfsperre, Wärmedämmschicht und eine vollflächige Unterkonstruktion für Deckungen in Metall, Schiefer, Schindeln oder Faserzement. Es ist zudem mit einer umlaufenden Nut und Feder ausgebildet. Dadurch lassen sich die Elemente nahezu wärmebrückenfrei oberhalb der Sparren auf einer Holzschalung verlegen. Mit den zum System gehörenden Spezialschrauben wird das Element im Sparren befestigt. So lassen sich statische Lasten zuverlässig abtragen. Außerdem sind die Elemente so ausgelegt, dass der Fugenabstand der oberseitigen Holzwerkstoffplatten untereinander den Vorgaben der Fachregeln entspricht. Auch lassen sich die Elemente mit baustellenüblichen Werkzeugen vor Ort auf Maß zuschneiden. Während die Elemente auf der Fläche ein-gesetzt wurden, dämmten die Fachhandwerker die große Fledermausgaube konventionell von innen. Vor der Schieferdeckung verlegten die Dachdecker oberseitig eine Unterdeckbahn.

Tradition und Moderne

Die Schieferdeckung erfolgte mit einer Primero-Fixx Schuppenschablone 32/28. Die große Fledermausgaube wurde mit Wangenkehlen ausgeführt. Den größten Teil der insgesamt 280 Quadratmeter großen Dachfläche befestigten die Dachdecker mit der Primero-Fixx Befestigungsmethode. Diese Methode ist nicht nur schnell und damit wirtschaftlich, sondern widerspricht auch nicht den Vorgaben der Fachregeln und ist zudem bauaufsichtlich zugelassen (Z-56.278-3455).

Schnell und wirtschaftlich

Die vom innovativen Wermelskirchener Schieferspezialisten Primero-Schiefer GmbH angebotene Methode ermöglicht zugleich eine einfache sowie zeitsparende Schieferdeckung. Zum System gehört der Primero-Fixx-Schieferdübel aus dem hochwertigen Werkstoff Polyamid. In diese Dübel, die sich bereits werkseitig im Schiefer befinden, kann der Nagelkopf oberflächenbündig versenkt werden. Aufgrund seiner Elastizität sorgt dieser Einsatz bei der Vernagelung für eine gleichmäßige Druckverteilung auf dem Schiefer. Nach der Nagelung erfüllt er die Funktion des Nagelkopfes und sorgt für dauerhaften Halt. Zweite Komponente dieses zeit- und kostensparenden Systems ist der Nagel selbst. Aus V4A-Edelstahl (Werkstoff-Nr. 1.4571) ge¬fertigt und unverkennbar mit der Kopfprägung "P" ausgestattet, erhöht der Ringschaft die Auszugswerte deutlich und sichert somit den dauerhaften Halt des Schiefers an Dach und Fassade.

Untersuchungen beim Materialprüfungsamt Dortmund ergaben, dass Schiefer, die mit zwei Primero-Fixx-Nägeln befestigt wurden einen Auszugswert von ca. 970 N haben. Im Vergleich zur traditionellen "von Handnagelung" mit 2,8 x 35 mm Kupfernägeln sind das fast doppelt so hohe Auszugswerte für die Primero-Fixx Befestigungsmethode.

Dritte Komponente ist der Primero-Fixx Druckluftnagler mit einer speziell für den Dübel entwickelten Schnellzentrierung. Ein integriertes Druckreduzierventil sorgt für konstanten Arbeitsdruck. Die ausgewogene Konstruktion in Verbindung mit dem geringen Gewicht ca. 1,2 kg im leeren Zustand - sorgen für bequemes, einfaches und rationelles Handling.

Fazit

Auf dem Gelände der Wendener Hütte verbindet das neue Schieferdach des Wohngebäudes Tradition und Moderne. So wurde zum einen der traditionsreiche Baustoff Schiefer verarbeitet, zum anderen aber Konstruktionen und Methoden angewendet, die den aktuellen Stand der Technik dokumentieren. Das optisch anspruchsvolle Ergebnis bestätigt zudem, dass diese moderne Schieferbefestigungsmethode und die EnEV gegenüber denkmalpflegerischen Anforderungen nicht unbedingt im Widerspruch stehen.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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