Die Produkte liegen im Kofferraum und schon geht es wieder auf die Autobahn: Rhedach-Geschäftsführer Arnd Tebest mit einer seiner Erfindungen, dem Steildachsanitärlüfter mit einer Dachneigung von 35 Grad. Fotos: DDH (Quelle: DDH)

Porträts 2013-09-10T00:00:00Z Rhedach: Dach-Sanitärlüfter vom Dachdeckermeister

Nach einigen Bandscheibenvorfällen war für Arnd Tebest klar, so geht es nicht weiter. Nach und nach fing der Dachdeckermeister an, selber Produkte für das Dachdeckerhandwerk zu entwickeln. Heute hat das Unternehmen Rhedach über 20 Mitarbeiter. Im Juli erhielt es die Auszeichnung der „Top 100“-Mittelständler.

Aus gesundheitlichen Gründen wusste der Dachdeckermeister aus Weeze am Niederrhein, dass er den Beruf nicht mehr ausüben konnte. „Da stellte sich für mich und meine Familie natürlich die Frage: Was nun? Klar war aber auch, dass ich irgendetwas mit dem Dach zu tun haben wollte, ja musste“, so Tebest. Nach einer mehrjährigen Station als Außendienstmitarbeiter im Bedachungsfachhandel wurde 2006 die Firma Rhedach mit 2 Mann gegründet. „Natürlich habe ich im Laufe der Jahre Dachprodukte analysiert und deren Verbesserungspotential gesehen. Es ist schon ein Unterschied, ob man einen Flachdach-Gully aus 4 oder aus 3 Formteilen produziert“, erklärt der Geschäftsführer von Rhedach. Mittlerweile gibt es 2 Produktionsstätten.

Heute kann die Rhedach GmbH mehrere Patente und Schutzrechte für innovative Produkte vorweisen.

Kleber für mehrere Komponenten

„Schon seit der Unternehmensgründung wollte ich für unsere Kunden immer wieder Neues entwickeln. Oft sind das nur Kleinigkeiten, auf die andere noch nicht gekommen sind“, erklärt er. Zu seinen wichtigsten Innovationen der vergangenen Jahre zählt ein neuartiger Steildachsanitärlüfter. „Die Ziegel wurden immer größer, die bisherigen Lösungen bei den Durchdringungen reichten oft nicht mehr aus. Bislang wurden die Zubehörteile entweder aus Vollkeramik oder aus PVC gefertigt – Farbunterschiede zu den Dachziegeln waren unvermeidlich. Also habe ich ein System entwickelt, eine Zwischenlösung, denn der Kunde möchte den Ziegel nicht aus PVC haben. Wir arbeiten unser Steildachzubehör in das originale Eindeckungsmaterial ein“, erklärt Tebest. Das System wird mit einem speziell gefertigten Kleber verbunden und mit dem originalen Ziegelfarbton lackiert. Der Anschluss fügt sich harmonisch in die Dachlandschaft ein. Rhedach fügt die Materialien Ton, Beton Aluminium und PVC zusammen. Das patentierte Produkt ist in verschiedenen Größen erhältlich und gibt es als Sanitärlüfter, als Wrasenlüfter oder Solar- und Antennendurchgang. „Und die gefertigten Jahresstückzahlen zeigen uns, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben“, erklärt Tebest.

Sanitärlüfters in Sachen Winddichtheit

Ein weiterer Vorteil: Die Systeme funktionieren auch bei Dachziegeln oder Dachsteinen, die am Markt nicht mehr verfügbar sind. „Vor 2 Monaten wurde zum Beispiel ein Straßenzug in Berlin saniert. Hier gab es keine Sanitärlüfter zur Eindeckung mehr. Also schickte unser Kunde uns die alten Ziegel zu und wir produzierten so die benötigten Sanitärlüfter. „Ich bin allerdings davon überzeugt, dass der PVC-Anteil von Dachzubehörteilen in den nächsten Jahren zurückgehen wird. Auch da haben wir mit unserer neu entwickelten Aluminium-Linie frühzeitig reagiert“, sagt Tebest.

Durch die gute Zusammenarbeit mit der Ziegelindustrie baute das Unternehmen seine Aktivitäten weiter aus und beliefert mittlerweile Dachprodukte auch ins europäische Ausland. So fuhr Tebest neulich zu einem Kunden, um vor Ort mit den Technikern die Details seines Sanitärlüfters in Sachen Winddichtheit zu besprechen. „Die meisten Länder haben ihre eigenen Dachprodukte, vor allem bei den Anschlussdetails herrschen ,eigene‘ Gesetze. Am besten funktioniert es, wenn Sie die Produkte gemeinsam entwickeln – dafür müssen Sie Überzeugungsarbeit leisten, denn die Unternehmen warten ja nicht auf einen. Der persönliche Kontakt ist das A und O“, betont Tebest.

Unter den Top 100

Damit seine innovativen Produkte noch bekannter werden, nahm der Geschäftsführer an der Marketingaktion „Top 100 Mittelständler“ teil. Nach 3 bis 4 Monaten warten kam zuerst die Nachricht, dass Rhedach in der engeren Auswahl und dann unter den Gewinnern ist. Am 5. Juli 2013 trafen sich die innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstands zur Preisverleihung in Berlin und erhielten in der Axel-Springer-Passage von Mentor Ranga Yogeshwar das Innovationssiegel „Top 100“. Unter ihnen Arnd Tebest mit der Rhedach GmbH aus Bocholt – „damit hatte ich nicht gerechnet“ gibt er gerne zu.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 18/2013.

zuletzt editiert am 27. April 2026
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