Steildach 2011-06-01T00:00:00Z Details en gros

Die Kirche St. Elisabeth in Bonn wurde wegen häufig auftretender Wasserschäden saniert. Dachdecker und Klempner erstellten ein Schieferdach in Altdeutscher Deckung mit zahlreichen Bleiarbeiten in Begleitung von Sachverständigen.

Ein Kirchendach im Generellen und hier im Besonderen, besteht aus vielen Details, bei denen hohe Beanspruchungen auftreten. Die geometrische Vielfältigkeit, der Anspruch und die Menge der Details, insbesondere an hohen aufgehenden Wänden, stellten an die Dachdecker große Herausforderungen. Eine signifikante Ursache der häufig aufgetretenen Schäden waren die zu klein bemessenen, innen liegenden Gesimsrinnen, bei denen durch Rückstau und häufige Überlastung Wasser in die Dachkonstruktion eindringen konnte. Die Anschlüsse an das aufgehende Mauerwerk waren ebenso sanierungsbedürftig wie die Dachflächen. Die Leistungen wurden durch ein Architekturbüro ausgeschrieben und überwacht. Die Betreuung bei der Ausschreibung und der Erstellung des Leistungsverzeichnisses übernahm Dachdeckermeister Wolfgang Vierling, der Autor die Kontrollen und Abnahmen. Bei der Planung der Neudeckung wurde zunächst festgelegt, welcher Schiefer Verwendung finden sollte. Man entschied sich für den Einsatz von bewährtem Material. Die Wahl fiel dabei auf die Altdeutsche Schieferdeckung mit normalem Hieb aus Moselschiefer der Grube Katzenberg. Auch wurde zum Teil bei der Planung und zum Teil sukzessive festgelegt und überprüft, ob und welche Metallabdeckungen und Anschlüsse sanierungs- oder erneuerungsbedürftig waren. Soweit technisch verantwortbar wurden zum Teil Bleianschlüsse und Kupferabdeckungen belassen. Naturgemäß mussten alle Dachhaken ausgebaut und durch neue Dachhaken ersetzt werden, welche auf Kupferunterlagsblechen eingedeckt wurden.

Linksdeckung nicht der Regelfall

Die Dachflächen wurden in Rechts- und Linksdeckung eingedeckt. Dabei ist die Linksdeckung eine heute eher selten gewählte Deckart, obwohl ein Decken gegen die Hauptwetterrichtung als höherwertig gilt. Dies liegt darin begründet, dass bei dem Decken gegen die Wetterrichtung das Wetter eben nicht gegen den Rücken schlägt und so durch Stark- und Schlagregen die Deckung möglicherweise überbeansprucht werden kann. Bei der Deckung gegen die Wetterrichtung wird das Wasser über den Rücken hinweggetrieben. Bei vielen Schieferdeckern ist jedoch die Linksdeckung eher ungeliebt, da die häufiger vorhandenen Rechtshänder dazu eine unbequemere Haltung bei der Arbeit einnehmen müssen. Die linke freie Hand hält dabei den Schiefer und die Befestiger. Insbesondere beim Eintreiben des Brustnagels muss dann die rechte Hand über die Linke geführt werden.

Nach der Einrüstung des Vierungsturms (Vierung ist der Kreuzungspunkt zwischen Längs- und Querschiff) wurden natürlich auch die darunterliegenden Dachflächen tangiert. Diese mussten zusätzlich geschützt werden und beim Aufbau des Gerüstes auf den Dachflächen musste dies statisch berücksichtigt werden. Deshalb war es auch logistisch von Bedeutung, dass der Vierungsturm als erster Bauabschnitt durchgeführt wurde. Nach dem Abbruch der abgängigen Schiefer wurde die vorhandene Schalung gesäubert und eine neue 30 Millimeter dicke Schalung mit korrosionsgeschützten Stiften durch die vorhandene Schalung in die vorhandenen Sparren befestigt. Bei der Eindeckung des Turmes wurde jeder Stein mit mindestens 3 Stiften befestigt. Generell werden alle Schiefer ab 24 Zentimeter Steinhöhe mit 3 Befestigern befestigt; am Turm wird aber grundsätzlich jeder Schiefer mit mindestens 3 Schieferstiften und Ortsteine besser mit 4 bis 5 Stiften befestigt. Der Turm wurde dann mit einer Altdeutschen Schieferdeckung mit normalem Hieb eingedeckt. Die vorhandenen Gauben integrierte der Dachdecker fachgerecht mit eingebundenen Kehlen.

Mit Blei gewollt

Nach den Abbrucharbeiten am Turm konnte durch geschickte interne Planungen des Dachdeckers auch die Arbeiten an den tiefer gelegenen Dächern begonnen werden. Hier wurde logistisch so vorgegangen, dass nach den Abbrucharbeiten, dem Aufbringen der neuen Schalung und der Vordeckung zunächst die Klempner die Rinnenarbeiten ausführten. Die neuen Gesimsrinnen stellte der Klempner ebenfalls aus Kupfer her. Diese gestaltete er konstruktiv so, dass die Vorderkante der Gesimsrinne deutlich tiefer liegt als die Hinterkante der Rinne. Somit ist gewährleistet, dass eventuell anstauendes Wasser nach vorne überlaufen kann und nicht in die Konstruktion zurückzieht. Die Kupferrinne wurde aus 1,0 Millimeter dickem Material hergestellt und mit erforderlichen Dilatationsmöglichkeiten vorgesehen und eingebaut.

Herbert Gärtner

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 12/2011.

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
Newsletter