Die deutsche Ziegelindustrie musste in 2008 erneut in allen Produktbereichen deutliche Rückgänge verzeichnen. So haben sich die Umsätze der Mauerziegelhersteller in den vergangenen 13 Jahren sogar mehr als halbiert. Auch die Dachziegelhersteller, die in den vergangenen Jahren noch Marktanteile von Wettbewerbsprodukten dazugewinnen konnten, sind nun in die Absatzkrise geschlittert.
Der gravierende Rückgang der Nachfrage führte leider zu einer erheblichen Konzentration in den einzelnen Branchen, auch in der Ziegelindustrie. Dazu Martin Roth, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie e.V.: "Als Folge dieser jahrelangen Krise und des dadurch ausgelösten Konkurrenzdrucks sind die Preise für Ziegelprodukte nach wie vor in Deutschland auf dem niedrigsten Stand in ganz Europa, was wenigstens den Export in Nachbarländern begünstigt. Andererseits hat der beschriebene Konkurrenzdruck auch mit anderen Baumaterialien dazu geführt, dass deutsche Ziegel weltweit wohl eine einmalig gute Qualität haben und es auch zahlreiche Innovationen gibt."
Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion von Mauerziegeln im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 14,5 Prozent. Im letzten Jahr wurden insgesamt 7.126 Mio. Kubikmeter Mauerziegel produziert (Vorjahr 8.335 Mio. Kubikmeter). In der finanziellen Bilanz der gleiche Trend: Im Jahr 2008 hatte die Mauerziegelproduktion ein Volumen von rund 461.112 Mio. Euro, 2007 betrug der Geldwert der Mauerziegel-Produktion noch 542.451 Mio. Euro (-15 %). Das ist ein deutlicher Rückschritt, da der finanzielle Wert in der letzten statistischen Auswertung nur ein Minus von -1,7 % ausgewiesen hatte.
Auch bei den Dachziegelherstellern sieht die Bilanz für das Jahr 2008 nicht viel besser aus. Laut Berechnung des Statistischen Bundesamtes belief sich die Produktion des vergangenen Jahres auf 728.554 Mio. Stück, im Vorjahr waren es 860.959 (-15,4 %). Im Vorjahr hatte es hier noch ein leichtes Plus von + 0,2 % gegeben. Noch deutlicher sind die Einbrüche beim Wert der Dachziegel: Gab es hier letztes Jahr noch ein Plus von 8,3 % zu verzeichnen, so sank der Wert nun von 742,9 Mio. Euro in 2007 auf 614,2 Mio. Euro in 2008. (-17,3 %).
Bei der Interpretation der Zahlen muss nach Auskunft des Verbandes jedoch berücksichtigt werden, dass die Hersteller nach dem vergleichsweise guten Jahr 2006 in 2007 ihre Kapazität erhöht und damit größere Lagerbestände aufgebaut hatten. Deshalb lägen die Rückgänge in Wert und Menge bereinigt eher zwischen 7-8 Prozent.
Auch die politischen Rahmenbedingungen haben sich nicht weiter verbessert. Dazu Verbandspräsident Helmuth Jacobi: "Selbst wenn es gelingt, den Neubau wieder zu stärken, steht die Ziegelindustrie vor vielen weiteren Herausforderungen. Immer noch stellen wir fest, dass in der Politik erhebliche Vorbehalte gegen den Wohnungsneubau bestehen. Das Umweltbundesamt würde am liebsten jeden Neubau verbieten, um den damit verbundenen Flächen- und Ressourcenverbrauch zu verhindern. In vielen politischen Kreisen ist zudem die Ansicht verbreitet, Deutschland sei gebaut und man müsse nur die bestehenden Gebäude energetisch verbessern. Hier muss deutlich gemacht werden, dass in vielen Fällen es auch aus klimapolitischen Erwägungen günstiger ist, alte Gebäude mit einem ungeeigneten Grundriss, ohne Tiefgarage und Aufzug abzureißen und nach dem neuesten Stand der Technik neuzubauen."