Der Sieger unseres DDH Sanierungspreises 2012 steht fest: Das Unternehmen Fleischmann aus Gera erstellte für das Augustinerkloster Erfurt eine horizontale Metalldeckung im wilden Verband.
Das Evangelische Augustinerkloster zu Erfurt ist ein einmaliges Zeugnis mittelalterlicher Ordensbaukunst. Die Kirche und die Klosteranlage der Augustiner-Eremiten wurden um 1300 erbaut. Berühmt geworden ist es durch seinen bekanntesten Mönch, den späteren Reformator, Martin Luther, der hier vom 17. Juli 1505 bis Herbst 1511 lebte. 2004 wurde das Kloster als "Kulturdenkmal von besonderer nationaler kultureller Bedeutung" anerkannt. Am 25. Februar 1945 trafen Fliegerbomben Waidhäuser und Bibliothek. In dem Kellerraum der Klosterbibliothek hatten Erfurter Bürger Zuflucht gesucht 267 Menschen verloren ihr Leben.
Durch Fördermittel von Land und Stadt, Eigenmittel der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und des Evangelischen Augustinerklosters, Spenden des Freundeskreises des Augustinerklosters, der 2006 gegründet wurde, sowie Mittel aus der Stiftung Augustinerkloster zu Erfurt, die 2003 gegründet wurde, konnte der Wiederaufbau der Bibliothek und der Waidhäuser auf deren verbliebenen Grundmauern finanziert werden. Die Bauaufgabe war, ein Gebäude mit Veranstaltungs- und Repräsentationsbereich sowie einer Gedenkstätte im historischen Kellergeschoss entstehen zu lassen. Den Architektenwettbewerb um das beste Konzept für den Wiederaufbau gewann das Büro Junk und Reich aus Weimar. Das heute realisierte Konzept zeichnet sich durch eine zeitgemäße kubische Architektur aus, die im Wesentlichen den ehemaligen äußeren Abmessungen (Kubatur) des historischen Bibliotheksgebäudes folgt. Der transparente Eingangsbereich mit Stahl-Glas-Fensterkonstruktionen wird von einem Sichtbetonrahmen umschlossen, für Außenwände und Dach kamen die historischen Materialien Muschelkalkstein und grau bewittertes Zink zur Ausführung.
Schlau konstruiert
Nicht nur das Material, sondern auch das optische Erscheinungsbild der Dachdeckung unterstreicht die kubische Wirkung des Baukörpers. "Ziel war es, die glatten Fassadenflächen des verglasten Eingangsbereiches mit einer planebenen, steil geneigten Satteldachoberfläche fortzuführen. Ein weiteres Gestaltungsmerkmal war mit der Anordnung der Metalldachelemente gegeben. Diese sind ebenso wie die großformatigen Natursteine der Außenwände im sogenannten Wilden Verband verlegt", erklärt Andreas Kuhn, Inhaber der Firma Fleischmann Bedachungen aus Gera, die mit der Ausführung der Metallarbeiten beauftragt war. Das Unternehmen existiert seit 1885 und wird heute in der vierten Generation als Familienbetrieb mit 18 Mitarbeitern geführt. Andreas Kuhn übernahm 2005 das Unternehmen von Dieter Fleischmann.
Um diese Anforderungen technisch umzusetzen, war die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Planer, Systemhersteller und des Handwerks erforderlich. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ergab eine Sonderkonstruktion aus zwei Systemen: ein industrielles wärmegedämmtes Stehfalzsystem mit Bördelfalzen als Schutzdach und ein Fassadensystem aus Verbundwerkstoff mit vorbewitterter Titanzinkoberfläche als Gestaltungselement. Es handelt sich dabei um ein Sandwichelement mit zwei vorpatinierten Titanzinkblechen (Dicke 0,5 mm), die im Schmelzfixierverfahren beidseitig auf einen Polyethylenkern aufgebracht sind. Die Wahl des Schutzdaches fiel auf das Dachsystem aus industriellen Aluminium-Profiltafeln mit einer Blechdicke von 1,0 Millimetern, da hiermit ideale statische Voraussetzungen für einen weiteren Aufbau gegeben waren. Bei der Konstruktion des Unterdaches stand Gerd Fischer, Kalzip Verkaufsleiter bei Arno Kolbe & Partner GmbH, in allen Planungs- und Bauphasen beratend zur Seite.
Die Fassade für das Dach
Auf den Traggrund aus bauseits montierten Trapezblechen verlegte die Firma Fleischmann eine selbstklebende Dampfsperre mit Aluminiumeinlage. Entsprechend den statischen Berechnungen und Verlegeplänen erfolgte die Montage der diagonal angeordneten Lattung für die Aufnahme der Systemhalter. Für anspruchsvolle Planungsleistungen holte sich Kuhn die Unterstützung von Tino Steinborn, Mitarbeiter der Firma Vollmer Aluminium (Niederlassung Dresden) ein. Aufgrund einer Dachneigung von 60 Grad mussten die Festpunkthalter im Firstbereich angeordnet werden, damit sich die Profile spannungsfrei dehnen können. Die Felder zwischen der Lattung wurden mit einer trittfesten Steinwolldämmung gefüllt. Mit der Verlegung der Profiltafeln rollten die Klempner noch eine zusätzliche vollflächige Lage weicher Dämmung aus, damit ein schlüssiges Dämmpaket entstand. Die Dachentwässerung wurde so konstruiert, dass sie nach der Montage der obersten Dachschale als Bauteil nicht erkennbar ist.
Das individuelle Bekleidungssystem aus dem neuen Zink-Verbundwerkstoff sowie dessen Befestigung auf den Alu-Profilbahnen erforderte im Vorfeld einigen bürokratischen Aufwand, da keine bauaufsichtliche Zulassung vorlag. "Bei dieser Dachdeckungsbekleidung handelt es sich um eine Sonderkonstruktion, für die wir gemäß der Thüringer Bauordnung eine Einzelzulassung beantragen mussten speziell für die Befestigung des Verbundsystems Reynobond sowie für die neue 0,5 Millimeter dicke vorbewitterte Oberfläche Quartz-Zinc von VM Zinc. In diesen Punkten wich die vorliegende bauaufsichtliche Zulassung eines Standard-Aluminiumverbundsystems des Herstellers Alcoa von der geplanten Ausführung ab. Für das Genehmigungsverfahren mussten wir eine 17-seitige Gutachterliche Stellungnahme erstellen lassen. Nach sechs Monaten erhielten wir schließlich die Freigabe des Bauministeriums", so Kuhn. Erst als die Zulassung vorlag, konnten die Tafeln nach dem vorgegebenen Raster des Planungsbüros produziert werden. Die Lieferung des Verbundmaterials erfolgte in fertigen Zuschnitten, die Fleischmann anschließend im Auftrag fräsen ließ. So mussten die Bekleidungselemente lediglich noch gekantet werden.
Die Montage der Haltekonstruktion für die Dachbekleidung führte die Firma Fleischmann entsprechend dem Verlegeplan des Gutachtens aus. Auf die sogenannte Balkenklaue, einer Komponente des Alu-Stehfalzsystems, montierte die Firma Fleischmann zunächst L-Profile und ordnete darauf die Tragelemente für die Verbundplatten an. Die Besonderheit dieses Befestigungssystems ist, dass auf der Dachoberfläche keine Befestigungsmittel zu sehen sind und es somit die hohen architektonischen Ansprüche erfüllt. "Die besondere Erschwernis bei der Ausführung der Metalldachkonstruktion bestand in der steilen Dachneigung. Die vielen Arbeitsschritte für die anspruchsvolle Deckung und Bekleidung der etwa 850 Quadratmeter Satteldachflächen mussten unsere Mitarbeiter komplett von der Dachleiter aus bewerkstelligen. Aber wenn man das Resultat sieht, hat sich der Einsatz gelohnt", resümiert Andreas Kuhn.
Projekt:
Augustinerkloster in Erfurt
Bauherr:
Evangelisches Augustinerkloster
Betrieb:
Fleischmann Bedachungen e. K., Gera
Architekturbüro
: Junk und Reich, Weimar
Fachplanung Dachbekleidung:
Tino Steinborn, Vollmer Aluminium
Dachkonstruktio:n
unbelüftetes, wärmegedämmtes Metalldachsystem auf Trapezblech
Schutzdach:
Aluminiumprofil: Kalzip 65/400 × 1,0 mm, Oberfläche: blank, stuccodessiniert
Dachbekleidung:
Verbundsystem Reynobond ZCM (Zink), Dicke: 4,0 mm,
Zinkoberfläche:
Quartz-Zink 2 × 0,5 mm (VM-Zinc)
Hersteller:
Alcoa Architectural Products SAS (www.alcoa.com)
Befestigungslösung:
Kalzip Balkenklaue, Alum.-L-Profil, Reynobond Befestigungslösung KH 35