In Papierform umfasst die neue ZVDH-Fachinformation "Windlasten auf Dächern mit Dachziegel- und Dachsteindeckungen" insgesamt 68 DIN A4-Seiten. Mithilfe von Programmen, ob auf CD oder über das Internet, wird die Berechnung deutlich einfacher. Teil 4 unserer Serie beschreibt die elektronischen Helfer.
Sind erst mal die Grundzüge der neuen Fachinformation (Teil 1, DDH 4.2011, und Teil 2, DDH 6.2011) sowie die Besonderheiten der Regelungen (Teil 3, DDH 8.2011) verinnerlicht, leisten die Berechnungstools wertvolle Unterstützung bei der Ermittlung des jeweils erforderlichen Verklammerungsgrads. Sowohl der ZVDH wie auch zahlreiche Dachziegel-/Dachsteinhersteller bieten den Verarbeitern Rechentools an, mit denen der Nachweis zur Windsogsicherung zuverlässig und zeiteffizient umzusetzen ist.
Die große Lösung
Die Berechnungshilfen des ZVDH im Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks sind als allgemeine und umfangreichere Objektsoftware angelegt. Die Zielsetzung der Fachregelversion besteht in einem vereinfachten Nachweis, der den Ausführenden auf die sichere Seite des Nachweises stellt. Das Berechnungsprogramm beinhaltet neben dem Nachweis zur Windsogberechnung ebenfalls den Nachweis der Bauphysik, der Schneelast und der Entwässerung. Darüber hinaus ermittelt das Programm "MF Steildach mini" die Massen und weist die Unterkonstruktion nach.
Basierend auf einem integrierten PLZ-Verzeichnis ordnet MF-Steildach bei der Eingabe der Objektdaten automatisch die Windzone zu. Da dieses Rechentool jedoch als umfassende Objektsoftware angelegt ist, werden naturgemäß auch zahlreiche Daten abgefragt, die über den Nachweis der Windsogsicherung hinaus gehen. Die einzugebenden Daten sind meist obligatorisch. Zur Programmfortführung sind Pflichteingaben notwendig. Wer nur die Windsogsicherung nachweisen will, benötigt hier deshalb etwas mehr Zeit. Das Rechenergebnis wird auf vier Seiten zusammengefasst. Die unterschiedlichen Dachbereiche mit gleichem Verklammerungsgrad werden zu einer Fläche zusammengefasst und nicht der Logik der neuen Fachinformation folgend in die vier neuen Dachbereiche "Ortgang-, Innen-, Trauf- und Firstbereich" unterteilt. Gewöhnungsbedürftig sind dadurch auch die Bezeichnungen. Statt zum Beispiel "Ortgangbereich" verwendet die Software die Abkürzung "B1", was die am stärksten zu verklammernde Fläche bezeichnet. Dies ist naturgemäß der Ortgangbereich, kann aber ebenso gut der Ortgang- und der Traufbereich gemeinsam sein, wenn der Verklammerungsgrad identisch ist. Eindeutig wird dies durch die Abbildung, die das Programm generiert: Dort sind die zum Beispiel als "B1" definierten Dachbereiche entsprechend schraffiert dargestellt. Das Ergebnis des Rechengangs inklusive der Tabellen und zeichnerischen Darstellungen der zu verklammernden Dachbereiche kann ausgedruckt und als Arbeitsvorlage genutzt werden. Laut ZVDH werden die Produkte in Kürze auch mit Zuordnung der Klammergruppen auf der Fachregel-CD zur Verfügung stehen.
Die ganz spezielle Zahl
Klammerhersteller sowie die Dachziegel-/Dachsteinindustrie bieten ihre Rechentools vor allem im Internet an. Dies hat den Vorteil, dass die Software stets auf dem neuesten Stand ist und jederzeit neueste Werte eingepflegt werden können. Die Rechenprogramme der Industrie besitzen noch einen weiteren entscheidenden Vorteil. Sie arbeiten mit den tatsächlichen Istwerten des Abhebewiderstands der Dachziegel-/Dachstein-Klammer-Kombinationen, die im Rahmen der Prüfungen nach DIN EN 14437 ermittelt wurden. Die Klammergruppen K-I (≥ 125 Newton), K-II (≥ 175 Newton), K-III (≥ 250 Newton) und B-I (≥ 70 Newton), wie sie in der neuen Fachregel definiert sind, verstehen sich jeweils als Mindestwerte. Höhere Werte sind möglich, ja sogar üblich. Es könnte beispielsweise sein, dass eine bestimmte Klammer-Dachziegel-/Dachstein-Kombination im Prüfinstitut nach DIN EN 14437 einen Wert von 400 Newton erreicht. Diese Klammer ist gemäß ZVDH-Fachinformation eine K-III-Klammer, weil sie einen Abhebewiderstand gleich oder größer 250 Newton erreicht. Bei sogenannten "Einzelnachweisen" dürfen allerdings die tatsächlich ermittelten Werte in die Berechnung einfließen. Das hat zur Folge, dass ein Einzelnachweis mit einem Rechentool eines Dachziegel-, Dachstein- oder Klammerherstellers einen günstigeren Verklammerungsgrad ergeben kann.
Der schnelle Weg
Die Einzelnachweise der Klammerhersteller oder der Dachziegel-/Dachsteinhersteller sind auf das Wesentliche reduziert und auf leichte Bedienung ausgerichtet. Nach der Eingabe des gewünschten Dachziegelmodells, der Auswahl der vorgeschlagenen Klammer und der Windzone werden beispielsweise auf
, einer Spezial-Internetseite von Wienerberger/Koramic, für ein Satteldach nur noch die Dachneigung und die Firsthöhe abgefragt.
Jürgen Henrich, Dirk Kühne, Gerard Halama
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 10/2011.