Flachdach 2011-07-08T00:00:00Z Die längste Dachbegrünung der Welt

Wo früher Güterzüge rollten, gehen die New Yorker spazieren, sitzen in der Sonne und genießen die Aussicht auf Hudson River und Freiheitsstatue. Die stillgelegte Bahntrasse wurde zur längsten Dachbegrünung der Welt.

Um das Jahr 1930 herum entstand die New Yorker High Line, die es ermöglichte, dass der Schienenverkehr sich nicht mehr mit hohem Unfallrisiko auf der Straße abspielte, sondern über ihr. Die Bahntrasse wurde auf Stelzen in fünf bis neun Metern Höhe und neun bis 18 Metern Breite zwischen den Häuserblocks gebaut. So verkehrten Güterzüge knappe fünfzig Jahre zwischen dem heutigen Javits Convention Center und der Gansevoort Street, auf knapp 2,5 Kilometern Länge. 1980 wurde die Strecke stillgelegt und weitgehend vergessen.

Beatles-Tochter wohnt um die Ecke

Seitdem hat sich viel verändert: Aus dem düsteren Industrieviertel ist in Chelsea ein Künstlerviertel mit der größten Galeriedichte der Welt entstanden. Und im alten Meatpacking-Stadtteil haben sich in den vergangenen Jahren Stella Mc Cartney mit ihrer Boutique und andere Stars und Designer angesiedelt. Währenddessen lag hoch über alledem die Bahntrasse auf Stelzen, auf der, herangetragen durch Wind und Vögel, zwanzig Jahre lang Spontanvegetation vor sich hin wuchern konnte. Dann sollte diese plötzlich auf Drängen einer Gruppe von Privatbesitzern mit Grundstücken unter der Hochbahn abgerissen werden.

"Das können wir nicht zulassen", sagte Robert Hammond, der 1999 den gemeinnützigen Verein "Friends of the High Line" mit begründete. Er selbst wohnt in Chelsea und wollte die High Line in seiner Nachbarschaft erhalten. Mittlerweile haben die High-Line-Freunde über 10.000 Unterstützer, darunter zahlreiche Prominente. Und sie konnten überzeugen. Noch 2001 hatte der damalige Bürgermeister Rudolph Giuliani den Abriss der High Line angeordnet. Im Dezember 2002 stellte sein Nachfolger, Bürgermeister Michael Bloomberg, die High Line unter Denkmalschutz. Von Abrissplänen war von da an nicht mehr die Rede. Im Gegenteil: Die besten Architekten und Landschaftsgärtner bewarben sich um den Auftrag des "Schwebenden Gartens".

Designziel Natur erhalten

Den internationalen Ideenwettbewerb "Designing the High Line" gewann 2003 ein Team, bestehend aus dem Landschaftsarchitekten James Corner mit seinem Büro Field Operations, den Architekten Diller Scofidio+Renfro und dem renommierten Pflanzenkenner Piet Oudolf, der unter anderem schon den Millennium Park in Chicago bepflanzt hat. Ihr Konzept umfasste ebenso wie in anderen Parks Teiche und Sitzbänke.

Von Aussichtspunkten aus sollte man den Hudson River, das Empire State Building und die Freiheitsstatue überblicken können. In regelmäßigen Abständen wurden Aufgänge, ähnlich wie bei S-Bahn-Stationen, mit Treppen und Liften zur High Line vorgesehen. Der Park sollte so breit sein, wie früher die Gleise waren: nämlich so, dass zwei Güterzüge nebeneinander passen. Auf Kioske und anderen Kommerz sollte verzichtet werden. Ziel der Planer war es, den Charakter der natürlichen Flora und Wildnis, die in den vergangenen zwanzig Jahren dort entstanden war, zu erhalten. Auch die Schienen sollten sichtbar bleiben, damit der historische Ursprung in Erinnerung bleibt.

Gehbelag verbindet Elemente

Field Operations hat dazu das sogenannte "Planking"-System entwickelt, einen Gehbelag aus Betondielen, die auf einer Seite spitz auslaufen, so dass nach erfolgter Begrünung die Grenzen von harten und weichen Oberflächen verschwimmen. Dieser einheitliche Gehbelag ist verbindendes Element über die gesamte Länge und führt die Parkbesucher mal als schmaler Weg und mal mit breiter Ausladung durchs Grün. Insgesamt 210 Pflanzenarten wurden ausgewählt, darunter zahlreiche Sträucher und Bäume, die heute auf im Mittel circa 45 Zentimeter Substrat gedeihen.

Roland Appl

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe DDH 13|2011.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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