BAU

30. April 2012 | Teilen auf:

Die Leitthemen der BAU 2013

Welche Themen werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten das Planen und Bauen bestimmen? Vier hat die BAU definiert. Als Leitthemen werden sie auf der BAU 2013 den Takt vorgeben. Viele Aussteller werden ihre Präsentationen danach ausrichten und entsprechende Lösungen vorstellen.

In den Messeforen werden Architekten, Bauingenieure und Projektentwickler die Leitthemen unter verschiedenen Aspekten erörtern und diskutieren. Und in den Sonderschauen der BAU werden die Themen anhand von Produkt- und Projektbeispielen veranschaulicht.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit der Begriff ist für die Bauwirtschaft, mehr noch als für andere Gesellschaftsbereiche, zum Inbegriff des Handelns geworden. Er ist die Klammer für alle anderen Leitthemen der BAU. Wo die Diskussion rund um das komplexe Thema inzwischen angekommen ist, wird die BAU 2013 zeigen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist eng mit der BAU verknüpft, ebenso wie die Institutionen, die damit zu tun haben und das Thema vorantreiben: Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), die Fraunhofer Allianz BAU und das ift Rosenheim alle enge Partner der BAU, die auf der BAU 2011 in Kongressen, Sonderschauen und Foren unterschiedliche Aspekte des nachhaltigen Planens und Bauens beleuchtet haben, und das sogar noch verstärkt - auch zur BAU 2013 tun werden.

Beim Thema Nachhaltigkeit hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Dass der Begriff den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden umfasst (von der Planung über die Nutzung bis zum Abriss) und neben ökologischen auch ökonomische und sozio-kulturelle Aspekte beinhaltet, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. In aller Welt wurden entsprechende Bewertungssysteme zur Zertifizierung nachhaltiger Gebäude entwickelt.

Aber nicht nur komplette Gebäude, sondern auch die Bauteile, aus denen sie bestehen, werden auf ihre Nachhaltigkeit hin geprüft. Umweltprodukt-deklarationen (EPD´s) sollen künftig Informationen über die funktionale und ökologische Qualität von Bauteilen und Baustoffen liefern.

Wohin geht die Reise? Klar ist: Das Thema Nachhaltigkeit von Gebäuden wird auch in Zukunft Forschung und Entwicklung in der Bauwirtschaft bestimmen. Die Mitbestimmung der Bevölkerung an großen Bauvorhaben (Stuttgart 21!) könnte als weiterer Teilaspekt hinzukommen. Megatrends wie der demographische Wandel, der Klimawandel, die Energiewende (vgl. Bauen 2.0) und die Urbanisierung werden unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit diskutiert werden. Es wird darum gehen, wie nicht nur einzelne Gebäude, sondern ganze Stadtviertel und Städte nachhaltig geplant und realisiert werden können. In Europa wird ein Schwerpunkt auf der nachhaltigen Sanierung und Modernisierung des Gebäudebestands liegen. Viel Stoff für die BAU 2013…

Energie 2.0

Der aus dem Internet (Web 2.0) entlehnte Begriff bezieht sich, so wie ihn die BAU versteht, allgemein auf die Zukunft der Energieversorgung von Gebäuden und die damit einhergehenden technologischen Innovationen, wie sie auf der BAU 2013 zu sehen sein werden.

"Energie 2.0" steht insbesondere für die rasant wachsende Bedeutung regenerativer Energien (Stichwort "Energiewende", "Energiewandel"), ebenso wie für das Zusammenwirken unterschiedlicher Energieträger, fossiler und regenerativer. Natürlich bezieht "Energie 2.0" auch die Themen Energieeinsparung und Energieeffizienz mit ein.

Neben diesen technologischen Komponenten hat der Begriff, ähnlich wie Web 2.0, auch eine soziale Dimension. Gemeint ist die Interaktion aller, die mit dem Thema "Energie 2.0" zu tun haben, es vorantreiben, Lobbyarbeit betreiben und ihre teils unterschiedlichen Interessen einzubringen versuchen: Industrie, Politik, Rohstoff- und Immobilienwirtschaft nicht zu vergessen die Gebäudenutzer, von denen immer mehr selbst aktiv werden und ihre Gebäude sanieren bzw. energetisch optimieren, sei es um Geld zu sparen oder aus Sorge um die Umwelt.

Wie also sieht das Energiemanagement von Neubauten aus? Welchen Anteil daran werden regenerative Energien künftig haben und wie werden sie in das Gebäude bzw. in die Gebäudehülle eingebunden und intelligent mit der Gebäudetechnik vernetzt? Und: Welche neuen Lösungen gibt es zur energetischen Sanierung von Gebäuden? Antworten auf diese Fragen gibt die BAU 2013. Als Gewerbe übergreifende Material- und Technologieschau, die das Gebäude (Dach, Wand, Fenster, Fassade) und dessen technische Ausstattung von innen und außen betrachtet, ist sie dazu geradezu prädestiniert.

Aber auch den sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit dem Thema "Energie 2.0" in Zusammenhang stehen, wird sich die BAU stellen. Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Verwandelt sie sich vom Energiekonsumenten zum Energieproduzenten und wenn ja: Was bedeutet das? Wie wirken sich die Themen Energie und Energieeffizienz auf unsere gebaute Umwelt aus? Welche Rollen spielen jetzt und in Zukunft Zertifizierungssysteme und Umweltproduktdeklarationen für Bauprodukte und materialien? Diese Fragen werden auf der BAU 2013 in Foren, Sonderschauen und Kongressen diskutiert und veranschaulicht. Renommierte Experten aus aller Welt werden dazu Stellung nehmen und ihre Sicht der Dinge erläutern. Die BAU ist dafür das perfekte Podium, denn sie führt alle zusammen, die mit der Planung, dem BAU und dem Betrieb von Gebäuden zu tun haben. An Ihnen liegt es, wie sich das Thema Energie 2.0 weiter entwickeln wird.

Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert

Jeder zweite Mensch lebt heute schon in der Stadt. Im Jahr 2050 sollen bereits 75 Prozent der dann weltweit rund. 9,3 Mrd. Menschen in Städten leben. Wie diese Entwicklung zu bewerten ist und was sie für die Zukunft der Stadt bedeutet, das wird die BAU 2013 unter dem Leitthema "Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert" thematisieren.

In Deutschland hat die Zukunft bereits begonnen. Hier leben Drei Viertel der Menschen in urbanen Strukturen. Insbesondere unter energetischen Gesichtspunkten hat die stadttypische dichte Besiedlung Vorteile. Bekanntlich werden 40 Prozent der Endenergie in Gebäuden verbraucht. Davon entfallen allein 75% auf die Erzeugung von Raumwärme, der Rest verteilt sich auf Beleuchtung, Kältetechnik und die Energie, die durch unsere modernen Kommunikationsmittel verbraucht werden. Weitere zehn Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie geht auf das Konto der Mobilität - und zwar der Mobilität, die erforderlich ist, um sich zwischen Arbeitsplatz und Wohnort zu bewegen, um einzukaufen und um am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. In entwickelten Ländern, beispielsweise in fast ganz Europa, sind diese Werte vergleichbar.

Folgerichtig bietet eine "integrierte" Stadt, in der die Häuser energetisch vernünftig optimiert sind, ein immenses Potential zur Energieeinsparung. Dabei geht es nicht um jedes einzelne Gebäude. Die energetische Sanierung darf nicht die örtliche Identität zerstören oder gar Denkmäler ruinieren. Es geht darum, Strukturen zu erhalten und durch intelligente Vernetzung mit energieerzeugenden Neubauten CO2-neutrale Quartiere zu erzeugen, die dann als Ganzes eine CO2-optimierte Stadt bilden.

Was darüber hinaus für die Stadt spricht: Nur in städtischen Strukturen wird es möglich sein, ältere Menschen so zu versorgen, dass sie lange in ihrem persönlichen Umfeld leben können. Und zum Leben gehört auch für ältere Mitmenschen mehr als Gesundheit und ärztliche Versorgung. Dazu gehört die Teilnahme am kulturellen und sozialen Miteinander. Dies kann nur die Stadt gewährleisten, denn die vielen sozialen und anderen Services und Dienstleistungen, die dazugehörige Infrastruktur, beispielsweise der öffentliche Nahverkehr, werden sich langfristig nur im städtischen Raum rechnen.

Für beides, Energie und Demographie, werden Zukunftsstrategien benötigt. Das ist heute und morgen eine Herausforderung für umsetzungsstarke Partner in Planung, Politik, Industrie und Ausführung.

Generationengerechtes Bauen

In den eigenen vier Wänden alt zu werden, ist der Traum vieler Menschen. Immer häufiger werden Gebäude so geplant, dass das auch funktioniert. Wie "generationengerechtes Bauen" im Detail aussieht und was dabei zu berücksichtigen ist, zeigt die BAU 2013.

Bereits 2011 hatte sich die BAU dieses Thema auf die Fahnen geschrieben und in Kooperation mit der GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik® in einer Sonderschau umgesetzt. Diesmal wird die Sonderschau "generationengerechtes Bauen" den Komfort-Gedanken besonders berücksichtigen. Auf einer Fläche in der Halle A4 werden multifunktional nutzbare Hotel-Räumlichkeiten nachgebaut und mit Produkten ausgestattet, die jung und alt gleichermaßen ansprechen. Begleitend dazu soll es zielgerichtete Rundgänge zu Ausstellern der BAU geben. Auch bei den Rundgängen geht es um die Frage, wie man ein Gebäude so plant und ausstattet, dass sich alle Generationen darin wohl fühlen und jeder es nutzen kann, unabhängig von Alter und körperlichen Beeinträchtigungen.

Weil die Menschen immer länger leben und möglichst lange unabhängig sein wollen, wird das generationengerechte Bauen so schnell nicht an Aktualität verlieren. Eine Umfrage unter 1100 Personen über 50 Jahren, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid auf der BAU 2011 vorgestellt hat, brachte zutage, dass zwei Drittel der Befragten im Alter von 70 Jahren ohne fremde Hilfe in den eigenen vier Wänden wohnen wollen. Die Hälfte der Befragten wollten ihre Wohnung bzw. ihr Haus altersgerecht umbauen, um später noch gut darin leben zu können. Auch bei Architekten und Planern ist das Thema längst angekommen. Welche Themen in den kommenden fünf Jahren das Bauen und die Bauwirtschaft dominieren werden, hat die Heinze Marktforschung 206 Architekten und Planer gefragt. "Barrierefreie Einrichtungen" sagten 63%. Grund genug für die BAU 2013, die Generationengerechtigkeit beim Bauen ganz oben auf die Agenda zu setzen.