Temporäres Seilsicherungssystem, Flachdach, Baumarkt
Auf dem Flachdach eines Baumarktes baute das Daume-Team 130 Anschlagpunkte für ein temporäres Seilsicherungssystem ein. Fotos: Wöbken

Arbeitssicherheit

21. July 2020 | Teilen auf:

Dokumentierte Sicherheit im Bestand

Auf dem Flachdach eines Baumarktes wurden im Nachhinein Anschlagpunkte installiert, die mit einem temporär einzusetzenden Seilsicherungssystem genutzt werden. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass die Dokumentation des Einbaus aller Anschlagpunkte in allen Einzelschritten Pflicht ist. Mitnichten! Es gibt keine normativen oder gesetzlichen Vorgaben über den genauen Umfang.

Auf dem Flachdach wurden rund 130 Stück Anschlagpunkte eingebaut. Es befinden sich auf dem Gebäude Klimagerätschaften und Lüftungsanlagen, die in regelmäßigen Abständen gewartet werden müssen. Diese können dauerhaft, oder wie in diesem Fall temporär, installiert werden, wenn Wartungsarbeiten oder sonstige Aktivitäten auf dem Dach erfolgen müssen. Aufbewahrt wird das Seilsicherungssystem in einem abschließbaren und dafür vorgesehenen Metallschrank vor Ort. Eine verantwortlich gezeichnete Person händigt das Seilsicherungssystem aus und weist die jeweiligen Handwerker ein. In diesem Fall wird es von der Marktleiterin oder deren Sicherheitsfachkraft übernommen.

Dokumentation des Einbaus der Anschlagpunkte

Hintergrund der Dokumentation des Einbaus der Anschlagpunkte ist, nachzuweisen, dass der vorschriftsmäßige Einbau der Anschlagpunkte nach Vorgaben des Herstellers erfolgt ist. Wichtig dabei ist, dass die dokumentierten Anschlagpunkte später zugeordnet werden können. Die Hersteller bieten dafür Dokumentationsunterlagen im Internet an, die als Download zum Herunterladen bereitstehen. In der Dokumentation wird der Einbau des einzelnen Anschlagpunktes im eingebauten, jedoch nicht eingedichteten Zustand anhand von zwei Fotos dokumentiert, auf denen zum einen der ganze Anschlagpunkt zu sehen ist, und zum anderen ein Detailausschnitt mit dem Aufkleber, auf dem die Daten wie Kennnummer ersichtlich sind. Die Vordrucke der Hersteller bieten zudem die Möglichkeit, Zusatzinformationen aufzuführen.

In der Dokumentation zu diesem Bauvorhaben wurde beispielsweise als Zusatzinformation zur Montage erwähnt, dass die Montage mit zwei Personen erfolgt ist, um die Lage des von oben nicht sehbaren Kippdübels zu koordinieren, der sich unterhalb des Trapezblechprofils in korrekter Position befinden muss. Die Verständigung zum Kollegen erfolgte dabei über ein „Walkie-Talkie“, sprich einem Funkgerät.

Dokumentation nur einmal

Die Dokumentation des Anschlagpunktes in allen einzelnen Schritten braucht nur einmal vorgenommen werden, es sei denn, der Untergrund der Dachfläche ändert sich, auf dem der Anschlagpunkt eingebaut, sprich verankert werden soll. Aus der Fotoserie müssen alle Informationen hervorgehen, die zum fachgerechten und sicheren Einbau des Anschlagpunktes notwendig sind. Dazu gehören genauso die einzelnen Bohrungen durch die Schichten, wie auch der Einsatz des Drehmomentschlüssels.

Dass alle anderen Anschlagpunkte im identischen Hergang wie mit den in der ausführlichen Dokumentation gezeigten Einzelschritten eingebaut wurden, kann der Monteur in einer von ihm unterschriebenen Fachbauleitererklärung versichern. Damit liegt ein ausreichender Nachweis vor, dass alle Anschlagpunkte dem erforderlichen und geforderten Sicherheitsstandard des Herstellers im eingebauten Zustand genügen.

Fehlende Dokumentation kann zum Bumerang werden

Leider wird der Dokumentation hin und wieder zu wenig Bedeutung beigemessen, so dass sie nicht ausreichend oder gar nicht erstellt wird. Die generelle Dokumentationspflicht sollte man als Unternehmen keinesfalls ignorieren. Es sollte sich immer vor Augen gehalten werden, dass es um Menschenleben geht, die auf die Sicherheit der Anschlagpunkte vertrauen.

Claus Wöbken

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 15/2020.