Der Mercedes Vito hebt sein Motorenangebot auf einen zeitgemäßen Euro5-Stand, der Fiat Doblò ist im Modelljahr 2011 das Ergebnis einer tief greifenden Neuauflage und mit dem Amarok stellt Volkswagen erstmalig eine Pick-up-Eigenentwicklung auf die Räder. In drei Fahrberichten haben wir wichtige Eindrücke gesammelt.
Beim Vito sind es neu gestaltete Klarglas-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht und ein markanter Mercedes-Grill mit zwei Querspangen, die den kompakten Transporter der Dreitonnen-Klasse im Modelljahr 2011 äußerlich kennzeichnen. Die Modernisierung im Verborgenen ist dagegen wesentlich aufwendiger: Verbrauchsreduzierte Euro5-Motoren sowie ein neu abgestimmtes Fahrwerk beschleunigen den Transporter in die Neuzeit. Was den kompakten Frachter ausmacht, ist in Maßen und Gewichten unverändert geblieben: Den 2,8 bis 3,2-Tonner gibt es weiterhin in drei Längen.
Das Einstiegsmodell 110 CDI mit 95 PS (CO2-Emission bei normalem Kasten: maximal 211 g/km) verfügt über ein Drehmoment von lediglich 250 Nm. Das mag für manche City-Baustelle genügen, doch bei Fahrten über weitere Distanzen und bei hohen Zuladungen sollten es mindestens die 310 Nm des 113 CDI sein (CO2-Emission bei normalem Kasten: maximal 203 g/km).
Der Fahrer-Arbeitsplatz aller Modelle sowie der Fahrgastraum des Vito Kombi oder des teilverglasten Vito Mixto wurden attraktiver gestaltet, das Gesicht des Vito dem der Personenwagen von Mercedes-Benz ähnlicher.
Neue Reflexionsscheinwerfer rahmen den Kühlergrill ein. In das Gehäuse sind das serienmäßige Tagfahrlicht mit einer eigenen Lichtquelle und die Nebellampen integriert. Optional ist der Vito der neuen Generation mit einer Kombination von Bi-Xenon-Scheinwerfern, LED-Tagfahrlicht, Abbiegelicht und statischem Kurvenlicht sowie einer Scheinwerfer-Reinigungsanlage lieferbar. Ebenfalls neu gestaltet ist der vordere Stoßfänger des Vito, der nicht nur als Standard eine genarbte Oberfläche aufweisen muss, sondern auch in Wagenfarbe lackiert sein kann. Zum Einstiegspreis in der Serie der Kastenwagen ist der Vito Worker bei kleinstem Motor und Heckklappe mit knapp 19.000 Euro gelistet. Ein Vito Mixto 113 CDI in Lang-Version mit Trenngitter, 3er-Sitzreihe und Hecktüren (270 Grad Öffnungswinkel) startet bei etwa 28.665 Euro (alle Preise zuzüglich Mehrwertsteuer).
Fiat Doblò: Variantenreicher Italiener
Zehn Jahre lang hat der Doblò Cargo als wendiger Dienstleister Zuspruch unter vielen Handwerkern bekommen. Vor knapp einem Jahr war der Generationswechsel fällig und Fiat hat sich beim Zweitonner nicht nur auf Schönheit konzentriert. Die neue Plattform ermöglicht, dass der Frachtraum vergrößert und die Zuladung von 675 Kilogramm bis zu 925 Kilogramm erhöht werden kann (Aufpreis 200 Euro). Wiederum sind es zwei Radstände und eine Hochdach-Version, wobei der Radstand der Kurz-Version mit 2755 mm für die Lieferwagenklasse groß ausgefallen ist.
Der kurze Kasten mit Normaldach bringt es auf ein Ladevolumen von 3,4 Kubikmeter. Länge mal Breite mal Höhe im Frachtraum ist dabei mit 1.824 × 1.230/1.480 × 1.300 Millimeter angegeben. Ordert man ein schwenkbares Trenngitter plus den klappbaren Beifahrersitz (Aufpreis 230 Euro), können 3,6 Kubikmeter drin sein. Beim Hochdach (nur für kurzen Radstand) steigt die Ladekapazität dank der Frachtraumhöhe von 1.550 Millimeter auf 4,0 beziehungsweise 4,2 Kubikmeter, wenn statt Beifahrer Fracht mitgenommen werden soll. Die Lang-Version mit Normaldach (Radstand 3.105 Millimeter) kann mit seinem 35 Zentimeter längeren Frachtraum 4,2 Kubikmeter hinter der Trennwand aufnehmen.
Basis-Version hat keine Schiebetür
Für das Interieur gibt es zwei Ausstattungsvarianten. In der besseren SX-Version ist die Schiebetür auf der Beifahrerseite eingerechnet (optional auch zweite Schiebetür möglich). Leider verriegelt die Schiebetür in geöffneter Endstellung nicht, sodass sie zum Beispiel bei Gefälle unbeabsichtigt zurollen kann. Die Pkw-Versionen haben diese Sicherheitsfunktion. Auch der breitere linke Heckflügel (Öffnungswinkel 180 Grad) vermag nicht einzurasten, wenn der rechte Flügel in 90-Grad-Stellung für einen Langgut-Transport geöffnet bleiben soll. Doch es gibt nicht nur diese Minuspunkte, die man durch den Generationswechsel hätte ausmerzen können: Bei der Funk-Zentralverriegelung bleibt es weiter bei den getrennt zu öffnenden vorderen und hinteren Türen im täglichen Handling nervt dies zunehmend, weil mal die einen, mal die anderen Türen gerade verschlossen sind.
Die an sich groß dimensionierten Spiegel sind nicht weit genug nach außen verstellbar. Zwar gibt es auch Weitwinkelsegmente, doch diese sind nicht zu justieren und zu weit nach unten gerichtet. Zusammen genommen kann das alles nichts gegen große Tote Winkel ausrichten.
Mit guter Kondition durch Stadt und Land
Die Wendigkeit bei Kurz- und Lang-Version (Wendekreis 11,2 beziehungsweise 12,5 Meter) hat der Doblò Cargo von der ersten Generation geerbt. Erstaunlich, wie agil der Fronttriebler die Anforderungen in der City meistert, sei es im laufenden Verkehr oder beim Rangieren in beengten Zufahrten. Der schwächste Diesel mit 66 kW/90 PS (CO2: 129 g/km) schwächelt keineswegs, sondern erweist sich selbst bei 350 Kilogramm Nutzlast mit seinem 1,3-Liter-Multijet als völlig ausreichend. Mit 80 Kilometern pro Stunde im 5. Gang und 2.000 Touren lässt sich auch ohne schalldämmende Trennwand noch passabel unterwegs sein. Während die Leistungsbereitschaft ab 1.500 Umdrehungen spürbar einsetzt, neigt der Motor erst oberhalb von 3.000 Umdrehungen laut zu werden.
Thomas Dietrich
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 12/2011.