Fassade

02. December 2010 | Teilen auf:

Dübelfrei befestigen

Um in verschiedenen Mauerwerkskonstruktionen sicher und dauerhaft zu verankern, muss das Befestigungssystem besonders hohe Anforderungen erfüllen. Sicheren Halt gewährleisten bauaufsichtlich zugelassene Abstandsmontagesysteme, Stahlanker und Injektionsverfahren.

Um das geeignete Befestigungsmittel zu bestimmen, muss der Dachdecker den Bauuntergrund, das Eigengewicht seiner Konstruktion und die anzusetzenden Lasten (Wind, Schnee, Sonderlasten) kennen. Tragfähigkeit und Beschaffenheit eines Baustoffes lassen sich am einfachsten mithilfe von Auszugsversuchen und Probebohrungen vor Ort bestimmen.Bei der Verankerung von Anbauteilen an Gebäuden gewinnen Injektionssysteme zunehmend an Bedeutung. Ihr großer Vorteil liegt in der höheren Lastaufnahme und der praktischen Verarbeitbarkeit in nahezu allen Untergründen. Bei den chemischen Befestigungen werden verschiedene Komponenten zu einem schnell härtenden Kunstharzmörtel vermischt, der eine Ankerstange dauerhaft in den Baustoff einbindet. Die Verbindung zwischen Baustoff und Ankerstange wird als Stoffschluss bezeichnet und leitet nur niedrige Spreizkräfte ein. Deshalb erlauben chemische Befestigungen auch geringe Rand- und Achsabstände.

Bei Injektionssystemen wird der Verbundmörtel aus einer Kartusche in das gereinigte Bohrloch injiziert. Die Komponenten des Verbundmörtels werden im aufgesetzten Statikmischer vermengt. Der Verwender kann die benötigte Mörtelmenge individuell auspressen und mit einer Siebhülse auch im Lochstein verankern. Für die Tragfähigkeit des Injektionssystems im Vollbaustoff ist die Bohrlochreinigung entscheidend. Wird darauf verzichtet, reduziert sich die Leistung der Verankerung um bis zu fünfzig Prozent.

Montage im Mauerwerk

Mauerwerk ist ein Verbund aus Steinen und Mörtel. Seine Tragfähigkeit hängt immer von der Art und der Druckfestigkeit der Mauersteine und des Mörtels ab. Dabei ist die Druckfestigkeit der Steine höher als die des Mörtels. Das Anbauteil sollte deshalb nicht im Mörtel und nicht am Rand des Steins befestigt werden. Bei Mauerwerk unterscheidet man Vollbausteine mit dichtem (Ziegel- und Kalksandsteine) oder porigem Gefüge (Leichtbeton- und Porenbetonsteine) sowie Lochbaustoffe mit dichtem (Loch- und Hohlkammersteine) oder porigem Gefüge (Hochblocksteine aus Leichtbeton). Sind Lasten im unbekannten Untergrund zu verankern, gibt eine Probebohrung mit einem kleinen Bohrdurchmesser am schnellsten Aufschluss über den Baustoff: rot (Ziegel), weiß und feinkörnig (Kalksand) oder weiß und grobkörnig (Porenbeton).

Bei der Befestigung mit chemischen Systemen ist zu beachten, dass der Bohrlochdurchmesser nicht gleich dem Durchmesser der Ankerstange oder der Innengewindehülse ist. Im Lochstein müssen für Ankerstangen M8 und M10 die Siebhülsen mit 16 Millimeter Durchmesser, für eine Ankerstange M12 eine Siebhülse mit zwanzig Millimeter Durchmesser verwendet und die Bohrlöcher entsprechend groß gebohrt werden. Nach dem Bohren wird die Siebhülse in das Bohrloch gesteckt und die notwendige Menge Verbundmörtel ausgepresst. Beim Einbringen der Gewindestange wird die Mörtelmasse durch die siebähnliche Wandung der Ankerhülse gepresst, verbindet sich mit den Stegen des Mauerwerks und bildet zwischen den Stegen einen Wulst aus. Das feine Geflecht der Ankerhülse verhindert, dass zu viel Mörtel austritt, und gleichzeitig zentriert sie die Gewindestange im Bohrloch.

Nach dem Aushärten wirkt der Mörtel in den Hohlräumen hinter den Stegen wie ein Splint. Durch die Verwendung der Siebhülse spart der Anwender beispielsweise beim Fischer FIS V bis zu achtzig Prozent des Mörtels, im Vergleich zu herkömmlichen Systemen. Wo man sonst für Lochbaustoffe fünf Kartuschen benötigt, reicht eine Kartusche. Ein weiterer Vorteil der Siebhülse: Sie erlaubt eine optimale Zentrierung der Ankerstange und somit eine gleichmäßige Lastverteilung. Zur Befestigung wird die Ankerstange FIS A oder alternativ die Innengewindehülse FIS E verwendet. Die Durchstecksiebhülse eignet sich bei der Befestigung von sperrigen Anbauteilen mit mehreren Befestigungspunkten, wie zum Beispiel bei Reihenbefestigungen (Balken an Wand).

Dr. Klaus Fockenberg

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 23/2010