2009-09-22T00:00:00Z Dysbalance trotz Körperkraft

Weil sie körperlich arbeiten und sich viel bewegen, gelten Dachdecker als fit und gut trainiert. Dennoch leiden viele von Ihnen regelmäßig unter Rücken- schmerzen. Deshalb lies Dachdeckerbetrieb Udo Deppe aus Salzkotten bei seinen Mitarbeitern einen computergestützten Rücken-Check im Paderborner Präventions- zentrum (PPZ) durchführen.

Bei dieser computergestützten Rückenanalyse geht es allerdings nicht allein um die Maximalkraft einzelner Muskelgruppen, sondern auch um Beweglichkeit und Dysbalancen. Die Auswertung ergab, dass zwar bei der Hälfte der untersuchten Deppe-Mitarbeiter die Rückenmuskulatur deutlich stärker ist als bei Untrainierten.

Missverhältnis von Bauch- zu Rückenmuskulatur

Dennoch zeigte sich bei siebzig Prozent von ihnen ein markantes Missverhältnis von Bauch- zu Rückenmuskulatur. Das Defizit lag hier bei dreißig Prozent der Mitarbeiter in der Rücken- und bei zwanzig Prozent in der Bauchmuskulatur. Etwa zwei Drittel der Untersuchten zeigten außerdem gravierende Dysbalancen im Verhältnis der linken zur rechten Rumpfmuskulatur und der linken zur rechten Rotationsmuskulatur. "Aus solchen Dysbalancen und den daraus resultierenden Fehlbelastungen können schwere Schäden entstehen", warnt PPZ-Geschäftsführerin Anke Zillmann.

Gezieltes Training notwendig

Gerade bei der Beanspruchung des Dachdeckers, durch schwere körperliche Arbeit, Materialtransport und Zwangshaltungen, sieht Zillmann eine besondere Belastung des Rückens und der Gelenke, als auch eine verstärkte Verletzungs- und Absturzgefahr. "Hier ist ein Ausgleich durch gezieltes Training sinnvoll und notwendig." Mit der Aktion will Dachdeckermeister Udo Deppe vorbeugend an der Gesundheit seiner Belegschaft arbeiten, denn Rückenschmerzen sind auch in seinem Betrieb ein häufig auftretendes Problem. "Was allerdings fehlt, ist das Problembewusstsein", sagt Dachdeckermeister Udo Deppe. "Viele Handwerker glauben, dass sie durch Kraft und tägliche körperliche Arbeit vor Rückenschmerzen gefeit sind." Aus der Analyse der Belegschaft soll nun ein branchenspezifisches Training speziell für den Dachdeckerberuf entstehen.

Rückenschule - Tipps für den Dachdecker-Alltag

Falsches Heben und Tragen stellt eine erhebliche Belastung für die Wirbelsäule dar. So können Sie die Belastung erheblich verringern:

Alles was Sie in aufrechter Haltung tun können, sollten Sie nicht in gebückter Haltung tun.

Richtig Heben schont Ihren Rücken. Bei vornübergebeugtem Heben setzen Sie Ihre Bandscheiben einem enormen Druck aus. Wenn Sie in die Hocke gehen, wird dieser wesentlich geringer und Sie trainieren Ihre Rückenmuskulatur

Halten Sie beim Aufrichten den Oberkörper gerade und drücken Sie sich mit der Kraft Ihrer Beine nach oben

Beim Anheben spannen Sie den Rumpf- und die Bauchmuskeln an. Dadurch stabilisieren Sie die Wirbelsäule und vermeiden, ins Hohlkreuz zu fallen.

Niemals aus einer "verdrehten" Position einen Gegenstand aufheben der Körper sollte möglichst nah am Gegenstand und immer gerade sein. Außerdem sollten die Füße mit der ganzen Fußsohle auf dem Boden stehen.

Fassen Sie Gegenstände, die Sie aufheben wollen mit beiden Händen.

Verteilen Sie zu tragende Gegenstände gleichmäßig auf beide Arme. Nur so wird die Wirbelsäule rechts und links gleichmäßig belastet.

Falsches Absetzen ist genau so schädlich, wie falsches Heben und Tragen. Gehen Sie in die Knie und halten Sie den Rücken gerade.

Unhandliche, sperrige oder sehr schwere Gegenstände sollten zu zweit getragen werden. Bei häufigem Tragen werden "Grenzlasten" empfohlen: Für Frauen maximal acht Kilogramm, für Männer 25 Kilogramm.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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