Durch eine Aufstockung wurde neuer Wohnraum geschaffen. Für die wetterseitige Ausführung von Dach und Fassade wählte der Dachdecker eine Kunststoffabdichtung in Rot, die dem neuen Dachgeschoss einen eigenständigen Charakter verleiht
Bei der Sanierung von Plattenbauten gehört das Abbrechen des obersten Geschosses zu den am häufigsten angewendeten gestalterischen Mitteln. Denn mit dem Abbrechen wird zugleich die kompakte Struktur des Gebäudes aufgebrochen. Es entsteht neuer Wohnraum, der in seiner Ausgestaltung sowohl innerhalb der Ebene als auch in Bezug auf das gesamte Gebäude charakterisierende Wirkung hat. In der Bundeshauptstadt Berlin zählt der Stadtteil Prenzlauer Berg zu den bekanntesten Quartieren mit einer größeren Anzahl von Plattenbau-Siedlungen. Durch die Umgestaltung zwei dieser Gebäude wurde neuer Wohnraum geschaffen und zugleich die Architektur verbessert. Das mit der Planung beauftragte Architekturbüro nutzte zur Neugestaltung des Dachgeschosses ein in der Architektur schon frühzeitig angewandtes Konstruktionsmittel: die einfache Schale.
Zusätzlicher Raum auf dem Dach
So entstand auf den Dächern der beiden Mehrfamilienhäuser zusätzlicher Wohnraum in Form zweier Holzhäuser mit einer ganz eigenen Charakteristik. In ihrer äußeren Formgebung nehmen sie die klassische einfache Schale auf und verbinden so Dach und Fassade zu einer Einheit.
Nicht nur aus statischen Gründen wurde eine Vollholzkonstruktion zur Aufstockung der Dachflächen gewählt. Gerade die aus einzelnen, dünnen Holzbrettern in Brettstapelbauweise zusammengefügte Schale kann in unterschiedlichen Formen zusammengesetzt werden. Außerdem kommt bei der Fügung außer Holzdübeln kein weiterer Fremdstoff zum Einsatz. In einem Werk vorgefertigt konnte so die den klassischen Dachstuhl ersetzende Schale innerhalb kürzester Zeit vor Ort zusammengebaut werden.
Außergewöhnliche Dacharchitektur
In die tonnenförmige Dachschale wurden insgesamt drei Dachgärten eingeschnitten, je eine für jede der drei Wohnungen. Hiermit brach man zum einen die Dachlinie zusätzlich auf, zum anderen entstanden unterschiedliche Raumhöhen innerhalb der Wohnungen. Deshalb ordnete der Planer in den niedrigeren Bereichen unterhalb der Dachgärten in der Regel die Schlafräume und Sanitärbereiche an; die Raumhöhe beträgt hier 2,55 Meter. In den hohen Bereichen bis zu 4,75 Meter finden sich die Wohnbereiche. Für ausreichende und aus allen vier Himmelsrichtungen kommende Belichtung sorgen Fensterbänder im Übergangsbereich.
Aufgrund des fließenden Übergangs von Dach und Außenwand und der Anordnung als oberstes Geschoss erinnert die neue Konstruktion an die ausgebauten Mansarddächer in Paris. Unterstrichen wird diese Verbindung durch die bewusst gewählte Farbe der homogenen einlagigen Abdichtung in gedecktem Rot. Sie steht insbesondere aufgrund der Lage und auch der Form für das Steildach schlechthin.
Umsetzung mit Know-how
Bei der Realisierung setzte der Architekt auf das fachliche Know-how des Dachdeckerbetriebes. Er führte bei der Dachaufstockung in der Berliner Gleimstraße neben Zimmerer- und Holzbauarbeiten auch Maurer-, Stahlbeton- sowie Dachdecker- und Dachklempnerarbeiten aus.
Auf die vorhandene Hohlkörperdecke und den umlaufenden Ringbalken setzen die Dachhandwerker eine 140 Millimeter dicke Brettstapelholzdecke auf Auflagern aus Hartholz auf. Sie bildet die Grundlage für die 160 Millimeter dicke Tragkonstruktion aus Vollholz, ebenfalls in Brettstapelbauweise. Zur weiteren Ausbildung der ungenutzten Dach- und Fassadenflächen verlegten die Dachhandwerker oberhalb der Holzbalken eine Dampfsperre. Mineralfaser in 120 Millimeter Dicke sorgt für die entsprechende Wärmedämmung. Die Abdichtung von Dach und Fassade erfolgte durch eine Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahn.
Hier entschieden sich Planer und Verarbeiter für eine Kunststoffdachbahn aus einer Hochpolymerlegierung bestehend aus Ethylen-Vinyl-Acetat-Terpolymer (EVA) und Polyvinylchlorid (PVC). Das Material (Fabrikat: Evalon) zeichnet sich durch gleichbleibende Eigenschaften und hohe Lebensdauer aus. Die Auswanderung flüchtiger Bestandteile wird durch den hohen Anteil an hochpolymeren Feststoffen verhindert. Festigkeit und Dehnung bilden ein ausgewogenes Verhältnis, wodurch ihre hohe thermische und mechanische Belastbarkeit gesichert wird. Grundsätzlich ist die Dach- und Dichtungsbahn mit einer homogenen Dichtschicht ausgestattet.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 22/2009.
Josef Löcherbach