Moritz Bökenkamp hat an einem Austauschprogramm teilgenommen und für 3 Wochen in Norwegen gearbeitet. Für DDH fasst der Dachdeckerlehrling seine Erfahrungen vor Ort zusammen, im Interview erläutert er, wie die Organisation ablief.
Vorbereitung auf den Austausch
Nachdem ich von dem Austausch-Programm durch einen Berufsschullehrer erfahren hatte, fragte ich bei der Handwerkskammer Hannover nach, ob es noch vor meiner Gesellenprüfung im Juni 2013 die Möglichkeit gibt, an einem Aufenthalt in Norwegen teilzunehmen. Nach positiver Antwort fragte ich in meinem Ausbildungsbetrieb, ob eine Teilnahme möglich wäre. Leider stellte sich heraus, dass die norwegischen Lehrlinge zentral in Hannover untergebracht werden und es aufgrund der Entfernung nach Hannover seitens der HWK keine Möglichkeit für meinen Ausbildungsbetrieb in Hessisch Oldendorf gab, einen Lehrling aus Norwegen aufzunehmen. Mein Chef stimmte letztendlich doch zu, obwohl das Austauschprogramm für Betriebe attraktiver wäre, wenn ein wirklicher Austausch der Lehrlinge zwischen den deutschen und norwegischen Betrieben stattfände. Hinzu kommt noch eine rechtliche Ungewissheit. So haftet der deutsche Betrieb für seinen Lehrling, der für einen fremden Betrieb in einem anderen Land unter anderen Sicherheitsvorschriften arbeitet. 2 Wochen vor der Abreise fand in den Räumen der HWK Hannover ein Vorbereitungstreffen statt. Hier lernten die Teilnehmer – ein Tischler, ein Dachdecker und ich – unseren Betreuer kennen, besprachen den Reiseverlauf und wurden über weitere Details informiert. Die am Austausch beteiligte Schule liegt in Ølen im Süden Norwegens, zwischen Bergen im Norden und Stavanger im Süden. Wir wollten ursprünglich mit dem Auto die 1.800 km von Hannover mit Zwischenhalt in Göteborg bewältigen, wurden aber letztendlich aufgrund des Wintereinbruchs in Norwegen davon abgehalten und flogen ab Hannover via Kopenhagen, per Mietwagen ging es anschließend zu unserer Unterkunft. Durch den Flug waren wir auf 23 kg Gepäck plus Handgepäck beschränkt, eingepackt wurden 2 Sätze Arbeitskleidung und Freizeitkleidung. Nicht vergessen sollte man festes Schuhwerk, da Wanderwege in Norwegen zu touristischen Sehenswürdigkeiten – gelinde gesagt – etwas rustikaler ausfallen, als man es in Deutschland gewohnt ist. Ebenso sind Regenhose und Regenjacke notwendig. Werkzeug und Regenkleidung (Ölzeug) für die Arbeit bekamen wir von unseren norwegischen Firmen gestellt.
Meist englisch, manchmal deutsch
Hausbau zu zweit
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 12.2013.
In Norwegen wird ab der ersten Klasse Englisch erteilt. Es kann später eine zweite Fremdsprache hinzugewählt werden, oftmals Deutsch. Die Kommunikation läuft somit hauptsächlich auf Englisch, vereinzelt auch auf Deutsch. Bei Sprachschwierigkeiten ist es im Handwerk kein Problem, sich notfalls mit Händen und Füssen verständlich zu machen, da ja alles einen praktischen Bezug hat und notfalls am Werkstück erklärt werden kann. Wir 3 Lehrlinge waren in einem typisch norwegischen Ferienhaus in Holzbauweise im Osnes Hyttepark untergebracht. Das Haus ist für 6 Personen gedacht, durch unsere Nutzung zu dritt ergab sich für jeden ein eigenes Zimmer. Alle Mahlzeiten wurden von uns selber zubereitet und die Zutaten vor Ort besorgt, was auch keine Probleme bereitete. Beim norwegischen Preisniveau sollte man allerdings beim Einkaufen streng auf das Budget achten. Von der weiterführenden Schule in Ølen bekamen wir ein Auto samt Spikes-Winterreifen und Tankkarte für die gesamte Dauer des Aufenthaltes zur Verfügung gestellt. So konnten wir unsere Betriebe/Baustellen erreichen und an den Wochenenden Ausflüge durchführen. Die Norweger lassen sich durch das Wetter nicht von ihrem Tagesablauf abhalten, weder in ihrer Freizeit noch bei der Arbeit. Dieses sollte man berücksichtigen, sich entsprechend vorbereiten, anziehen und miterleben. Wir haben in Norwegen jedes Wetter miterlebt – von strahlendem Sonnenschein bei +10 °C über Schneeregen bis zu –13 °C. Ich habe an dem Austausch als Dachdeckerlehrling teilgenommen. Den Beruf des Dachdeckers gibt es in Norwegen allerdings nicht. Stattdessen arbeiten in Norwegen die Snekker. Dies sind Tischler, Zimmerer und Dachdecker in einem und bauen ein Haus – norwegische Häuser sind Holzhäuser in Ständerbauweise – ab dem Fundament aufwärts inklusive Dach und Innenausbau, bis auf Wasser und Elektroinstallationen sowie Fliesenarbeiten, komplett auf. Dies geschieht im Normalfall zu zweit. 2 Snekkern wird also eine Bodenplatte gegossen und das benötigte Material auf die Baustelle geliefert. Innerhalb einer gesetzten Frist haben sie nun das Haus zu errichten.Moritz Bökenkamp