Die für Planer, Verarbeiter und die Industrie wichtige Holzschutznorm DIN 68000 wird voraussichtlich Ende 2010 in komplett überarbeiteter Form erscheinen.
Der Entwurf zur Norm liegt seit November 2009 vor. Wie bisher werden auch in der Neufassung in Teil 2 der Normenreihe die vorbeugenden baulichen Holzschutzmaßnahmen im Hochbau geregelt. Eine wesentliche Neuerung ist die Aufnahme von Holzfaserdämmstoffen nach DIN EN 13171, die damit der Anwendung von Mineralfaserdämmstoffen gleichstellt werden. Damit trägt die Norm den guten Erfahrungen mit Holzweichfaserdämmstoffen in der Praxis Rechnung.
Bereits in der Vorgängernorm der DIN 68800-2 aus dem Jahr 1996 wurden konkrete Randbedingungen benannt, um Holzbauteile durch besondere bauliche Maßnahmen so zu schützen, dass Sie in die Gefährdungsklasse 0 eingestuft werden können und somit ein chemischer Holzschutz entbehrlich ist. Diese konstruktiven Anforderungen haben sich als allgemein anerkannte Regel der Technik in der Praxis durchgesetzt. Die neue Norm unterscheidet in Zukunft zwischen "grundsätzlichen" und "besonderen" baulichen Maßnahmen, wobei die grundsätzlichen Maßnahmen als konstruktiver Regelfall zu sehen sind, während sich die besonderen Maßnahmen auf Anwendungen in kritischeren Einbausituationen beschränken, bei denen auf chemische Holzschutzmittel verzichtet werden soll, z. B. bei freiliegenden Bauteilen unter Dach. Grundsätzlich legt die Norm zudem fest, dass immer vorrangig alle konstruktiven Möglichkeiten des Holzschutzes auszuschöpfen sind.
Aus Gefährdungsklassen werden Gebrauchsklassen
Der Begriff der Gefährdungsklassen wird mit der Neufassung der Normenreihe
DIN 68800 durch die sogenannten Gebrauchsklassen (engl.: use classes) abgelöst - ein Tribut an die europäischen Regelungen, wobei die Kurzbezeichnung "GK" erhalten bleibt. Maßgebendes Ziel ist und bleibt eine Einstufung für tragende Holzbauteile in die Gebrauchsklasse 0 (GK 0), um ohne zusätzliche chemische Holzschutzmaßnahmen langlebige Holzbauwerke zu erhalten. Deshalb wird Teil 2 der DIN 68800 auch in Zukunft der wichtigste Normenteil für Planer und Ausführende bleiben. Im Normenentwurf E DIN 68800-2 ist eine Vielzahl an Konstruktionen aufgeführt, welche die Bedingungen für die Einstufung in die GK 0 erfüllen. Neben einigen Varianten bewährter Konstruktionen wurden zusätzlich Holzbodenplatten über Kellerräumen, geschlossenen Kellern und Kriechkellern sowie Deckenkonstruktionen über Außenluft aufgenommen. Besonders anwenderfreundlich sind die in Anhang A aufgeführten nachweisfreien Konstruktionen, bei denen die Bedingungen der Gebrauchsklasse 0 eingehalten sind. Sie ermöglichen das einfache "Nachbauen" der Konstruktion. In allen darin aufgeführten Regelaufbauten wurden Holzweichfaserdämmstoffe nach DIN EN 13171 berücksichtigt. Im Einzelnen sind dies:
* Gefachdämmung von Außenwänden in Holztafelbauart sowie von Dach- und Deckenkonstruktionen
* Wasserabweisende Dämmplatten als äußere Beplankung von hinterlüfteten Wand- und Dachkonstruktionen
* Druckfeste Aufdachdämmung auf geneigten Dächern und Flachdachkonstruktionen sowie Dämmung auf oberen Geschossdecken
* Wärmedämm-Verbundsysteme an Außenwänden in Holztafel- und Holzmassivbauart (mit bauaufsichtlichem Verwendbarkeitsnachweis)
Darüber hinaus sind in Anhang A nun auch einige Detailpunkte zur fachgerechten Sockelausbildung aufgeführt. Darin sind Vorschläge enthalten, um durch besondere Maßnahmen die Lage der Schwellenunterkante bis auf 5 cm über der anstehenden Geländeoberkante reduzieren zu können.
Holzbodenplatten und Deckenkonstruktionen unter Außenluft
Der neu geregelte Anwendungsbereich "Holzbodenplatten über Kellerräumen" macht den Einsatz von Holzweichfaserdämmstoffen unter der Voraussetzung möglich, dass eine Mindestkriechkellerhöhe von 20 cm und eine Belüftung mit Lüftungsöffnungen von 10 bis maximal 20 cm² je Quadratmeter Grundfläche sichergestellt ist. Die Lüftungsöffnungen müssen kleintiersicher abgedeckt sein und auf dem Erdreich muss eine diffusionshemmende Schicht mit sd ? 100 m vorliegen. Weiterhin neu aufgenommen sind Deckenkonstruktionen unter Außenluft, die prinzipiell wie Außenkonstruktionen behandelt werden. Die Anforderungen an die raumseitig diffusionshemmende Schicht richten sich nach der neu in der Norm geforderten Trocknungsreserve von 250 g/m².
Neu in DIN 68800-2: Die Trocknungsreserve
Eine Trocknungsreserve wird allgemein bei beidseitig geschlossenen Konstruktionen gefordert, um ein schnelles Rücktrocknen der Bauteile bei Auftreten und Eindringen unzulässiger Feuchte durch Diffusion oder Konvektion zu ermöglichen, beispielsweise durch Witterungseinflüsse während der Bauphase oder durch Baufeuchte. Diese Forderung wird bei nach außen diffusionsoffen konstruierten Bauteilen grundsätzlich erfüllt. Gemäß Norm gilt ein Bauteilquerschnitt dann als diffusionsoffen, wenn die äußere Abdeckung eine diffusionsäquivalente Luftschichtdicke sd ? 0,3 m aufweist. Holzfaserdämmplatten nach DIN EN 13171 dürfen hierbei in beliebiger Dicke verwendet werden.
Aufgrund ihres guten Feuchtespeicher- und Feuchtetransportvermögens tragen Gefachdämmungen aus Holzfasern zur Robustheit der Konstruktion bei. Eventuell anfallende Feuchtigkeit wird vom Dämmstoff absorbiert und im Querschnitt verteilt, so dass ein diffusionsoffen geplantes Bauteil schneller wieder austrocknen kann. Dadurch reduziert sich die Feuchtebelastung der tragenden Holzkonstruktion, wodurch das Risiko von Feuchteschäden minimiert wird.
Holzweichfaserdämmstoffe für Flachdächer
Während zum Einsatz von druckfesten Holzfaserdämmstoffen als Aufdachdämmung von Steil- und Flachdachdächern im Normentwurf konkrete Bauteilaufbauten enthalten sind, werden für flachgeneigte, vollgedämmte und nicht belüftete Flachdachkonstruktionen bisher nur allgemeine Regelungen beschrieben. Danach müssen diese beliebten Flachdachkonstruktionen über eine hygrothermische Berechnung nach DIN EN 15026 nachgewiesen werden, wobei die Möglichkeit zum Einsatz feuchtevariabler diffusionshemmender Schichten ausdrücklich benannt wird, weil damit die geforderte Trocknungsreserve einfacher erreicht werden kann.
Auch bei diesen sensibleren, weil nach außen nicht diffusionsoffenen Konstruktionen ist die Verwendung von Holzfaserdämmstoffen vorteilhaft, da der Dämmstoff die notwendigen Eigenschaften zur Feuchtespeicherung des vorübergehend eingebrachten Tauwassers mitbringt. In Verbindung mit einer guten Rücktrocknungsmöglichkeit durch die Anwendung leistungsfähiger feuchtevariabler Dampfbremsen lassen sich robuste Flachdächer herstellen, die zudem über ein hohes Maß an sommerlichem Wärmeschutz aufweisen.
Die neue Normenreihe der DIN 68800 mit den Teilen 1 bis 4 wird nach der Einspruchs- und Korrekturphase voraussichtlich im Herbst 2010 vom Beuth-Verlag in Berlin veröffentlicht. In Teil 1 "Allgemeines" werden neben der Zuordnung zu den Gebrauchsklassen die Maßnahmen zum Schutz des Holzes und deren Notwendigkeit sowie die Auswahl der Maßnahmen aufgeführt sein. Während Teil 2 in gewohnter Weise die baulichen Holzschutzmaßnahmen behandelt, ist in Teil 3 der Norm der vorbeugende Schutz von tragenden und nichttragenden Holzbauteilen mit Holzschutzmitteln geregelt. In Teil 4 sind Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten aufgeführt. Der für die Holzbaupraktiker wichtige Teil 2 der Norm wird zukünftig zwar deutlich umfangreicher sein, dafür wird aber eine Vielzahl an Bauteilen geregelt, für die bisher keine konkreten Ausführungsbedingungen vorlagen. Dabei werden Holzfaserdämmstoffe zukünftig in der Norm fest verankert sein. Neben der Vielzahl der in E DIN 68800 geregelten Anwendungsbereichen für Außen- und Innenbauteile gibt es einige weitere bewährte Anwendungsgebiete für Holzfaserdämmstoffe. Ob als Bodenplattendämmung, Trittschalldämmung oder verputzbare Innen- und Außendämmung - Holzfaserdämmstoffe zeichnen sich durch ihre angenehmen Oberflächen und ihre einfache Verarbeitbarkeit aus. Dieser sympathische Baustoff weist darüber hinaus eine hervorragende Ökobilanz auf und seine feuchte- und wärmespeichenden Eigenschaften leisten einen wertvollen Beitrag für ein gesundes Wohnklima. Zur Herstellung werden überwiegend Fichten- und Tannenhölzer verwendet, wobei der Großteil aus sägefrischen Resthölzern in Form von Schwarten und Spänen stammt. Mit der Produktion der Holzfaserdämmstoffe wird somit die gesamte Holzware stofflich genutzt.