Seit dem 1. Januar 2009 ist der Energieausweis für Wohngebäude flächendeckend eingeführt. Theoretisch schafft der Ausweis mehr Transparenz. Doch hat er sich in der Praxis bewährt?
Seit Haus- und Wohnungseigentümer bei Vermietung oder Verkauf ihrer Immobilie den Energieausweis auf Verlangen vorzeigen müssen, steht das vierseitige Stück Papier in der Kritik. Dabei dient der Energiepass einem guten Zweck: Er soll Hausbesitzer zu Modernisierungsmaßnahmen anregen und den Energieverbrauch der Bewohner positiv beeinflussen. Mieterverbände beklagen allerdings, dass viele Vermieter im Wissen um die schlechte Energiebilanz ihrer Immobilie den Ausweis zurückhielten. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft liegt das Problem wiederum beim Mieter. 82 Prozent der Mitglieder des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen geben an, dass Miet- und Kaufinteressenten praktisch nie den Energieausweis verlangten. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund weist diese Darstellung zurück: "Mieter und Käufer wissen häufig einfach nur nicht, dass es einen Energieausweis gibt!"
Mehr Transparenz für Mieter und Käufer
Auch wer den Ausweis kennt, verliert leicht den Überblick, existiert der Ausweis doch in zwei Varianten. Während der verbrauchsorientierte Ausweis nur Auskunft über den Energieverbrauch der letzten drei Jahre gibt, informiert der Bedarfsausweis unabhängig vom Verbrauch über die energetische Qualität. Helmut Jäger, Geschäftsführer des Solarspezialisten Solvis, empfiehlt deshalb, stets nach dem Bedarfsausweis zu fragen. "Wichtig ist dabei der Energiekennwert. Liegt der auf der Farbskala bereits im gelben Bereich und damit über 250 kWh/qm, verschlingt die Immobilie zu viel Energie", so Jäger. Um die Transparenz zu erhöhen, solle zudem der Bedarfsausweis jedem Mieter ohne Einschränkung zugänglich gemacht werden. Der erste Schritt ist bereits getan: Bis Mitte 2012 setzt Deutschland die neue EU-Gebäuderichtlinie um. Dann müssen Eigentümer den Energieausweis ohne Aufforderung aushändigen.