Im Rahmen ihrer Besuchsreihe Europa aktiv in Hessen informierte sich Europastaatssekretärin Nicola Beer Anfang Dezember im Dachdeckerzentrum Hessen in Weilburg.
"Wer mit offenen Augen durch Hessen geht, wird feststellen, dass uns Europa an vielen Plätzen, in den Vereinen und kulturellen Einrichtungen begegnet. Europa sichtbar zu machen und die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit der EU zu stärken, ist der Sinn dieser Besuchsreihe, die im Laufe des Jahres fortgeführt wird", so Europastaatssekretärin Nicola Beer. Zu den Besuchen werden regelmäßig der jeweilige Magistrat sowie alle Bundes- und Landtagsabgeordneten aus dem Wahlkreis eingeladen.
Das Dachdecker-Zentrum beherbergt neben dem Berufsbildungswerk auch den Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Hessen und betreut derzeit 18 Innungen mit ca. 540 Mitgliedsbetrieben. Dies entspricht bei 820 gemeldeten hessischen Dachdeckerbetrieben einem Organisationsgrad von ca. 65 Prozent. Das Dachdecker-Zentrum in Weilburg war bis 2008 Überbetriebliche Ausbildungsstätte für zwei Innungen des Dachdeckerhandwerks (Wiesbaden/Untertaunus, Rheingau). Die Ausbildung erfolgte für alle drei Ausbildungsstufen. Mit Beschluss der Handwerkskammer Wiesbaden vom 20.11.2008 wurden die Einzugsbereiche neu festgelegt.
Seit 01.08.2009 findet die überbetriebliche Ausbildung der Dachdecker in den Fachstufen für sieben Landkreise im Dachdecker-Zentrum in Weilburg statt, die Ausbildung für die Grundstufe findet am Standort des BTZ Wetzlar statt. Mittlerweile kooperieren die Wilhelm-Knapp-Schule und das Dachdecker-Zentrum Weilburg für den Bereich der Fachstufe, und die Werner-von-Siemens-Schule Wetzlar mit dem BTZ Arnold-Spruck-Haus in Wetzlar in der Grundstufe. Staatssekretärin Nicola Beer zeigte sich zufrieden: "Diese Konzentration und Kooperation verbessert die Ausbildung im Handwerk. Sie steigert das Niveau."
Wie Landesverbandsgeschäftsführer Norbert Hain vorstellte, beschäftigt das Hessische Dachdeckerhandwerk ca. 4.300 Arbeitnehmer sowie ca. 675 Auszubildende über drei Lehrjahre. "Dieses Handwerk ist ein Wirtschaftsfaktor. Es gibt jungen Menschen Zukunft. Und es setzt Qualitätsmaßstäbe", lobte Europa-Staatssekretärin Nicola Beer. Im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung hat das Dachdecker-Zentrum in den vergangenen
zehn Jahren eine enorme Steigerung erfahren. So haben sich die Bildungstage von 400 im Gründungsjahr 2001 auf über 3500 im Jahr 2010 entwickelt.
Nicht zufällig hat sich das Dachdeckerhandwerk für einen Skater als "Leitfigur" für die Nachwuchswerbung entschieden: Skater sind gut drauf, meist in der frischen Luft unterwegs und erfrischend unkonventionell anders. Eben wie die Dachdecker. So wirbt man mit dem Motto "Die sind gut drauf"-Ausbildung im Dachdeckerhandwerk sichert Zukunft für Nachwuchs.
"Wie den meisten Skatern sieht man auch den Dachdeckern nicht auf den ersten Blick an, was sie drauf haben." Auch energiesparende Maßnahmen wie die Wärmedämmung an Dach und Fassade gehört zum Berufsbild und damit zur umfangreichen Berufsausbildung. Aktiv am Umweltschutz beteiligt sich das Dachdeckerhandwerk auch mit der Montage von Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung und Solarmodulen zur emissionsfreien Stromerzeugung auf dem Dach und an der Wand. Darüber hinaus haben sich viele Dachdeckerbetriebe auch auf die Planung und Ausführung von Dachbegrünungen spezialisiert. Mit dieser Maßnahme, bei denen ganze Parklandschaften auf Dächern entstehen können, werden wertvolle Kleinbiotope im städtischen Bereich geschaffen. Der Dachdecker ist nicht nur der ausführende Handwerker er wird zunehmend als Berater bereits in der Planungsphase hinzugezogen. Das gilt gerade auch im Bereich des Denkmalschutzes. Hier muss ein vertretbarer Kompromiss zwischen den Forderungen der zuständigen Behörden zum Erhalt eines historischen Gesamtbildes und der technischen Machbarkeit im Rahmen des Fachregelwerks gefunden werden. Übrigens sind nicht nur denkmalgeschützte Dächer Unikate. Jedes Dach ist eine handgearbeitete Einzelanfertigung. Daher wird auch kein Fließband in der Fabrik eines Tages den Dachdecker ablösen können.
In ihrer dreijährigen Ausbildung zum Dachdeckergesellen und zur Dachdeckergesellin wird daher das Be- und Verarbeiten von unterschiedlichsten Werkstoffen erlernt. In wohl kaum einem anderen Beruf sind so umfangreiche Kenntnisse im Bereich Metall, Holz, Kunststoff und Keramik gefordert. Nach der Gesellenprüfung steht für viele Absolventen die Meisterschule auf der nächsten Stufe der Karriereleiter. Und mit dem Meisterbrief in der Tasche kann nicht nur das eigene Unternehmen gegründet oder die Leitung eines bestehenden Dachdeckerbetriebs übernommen werden. Auch Universitäten und Fachhochschulen öffnen ihre Türen für erfolgreiche Meister. Und sie tun es gerne, denn die Studienzeiten solcher praxiserprobten "Macher" sind im Durchschnitt kürzer als die von Abiturienten. Europa-Staatssekretärin Nicola Beer: "Dachdecker haben allen Grund, gut drauf zu sein - wie ihr "Ausbildungs-Leitbild", der Skater."
Das Dachdecker-Zentrum wird im Jahr 2011 mit 215.375 Euro vom Bund und mit 430.700 Euro aus Brüssel gefördert. "Dieses Projekt zeigt, dass die EU-Förderung eine wertvolle Starthilfe ist. Ohne die Mittel der Europäischen Union wären viele Maßnahmen in Hessen nicht durchführbar. Um diese wertvollen Arbeiten weiterhin zu sichern und effektiv zu unterstützen, werden wir als Landesregierung engagiert darum werben, dass Hessen auch in der nächsten Förderperiode der Europäischen Union angemessen Berücksichtigung findet", so Europastaatssekretärin Beer.