2012-06-18T00:00:00Z Fazit Intersolar: Systeme sollen es richten

Mit 66.000 Besuchern verzeichnete die Intersolar erstmals weniger Besucher als im Vorjahr. Mit dem Angebot von Speicherlösungen geht der Trend weiter in Richtung Eigenverbrauch und maßgeschneiderten Systemlösungen. Damit wächst der Stellenwert technisch kompetenter Verarbeiter.

Die Intersolar startete am 13.6. unter neuen Voraussetzungen in ihr 21. Jahr. Nahezu ungebremstes Wachstum kennzeichnete die Großveranstaltung rund um die erneuerbare Energie, seitdem sie in Pforzheim unter dem Namen Solar ´91 als Treffen weniger Solar-Pioniere begonnen hatte. Über die Station Freiburg, wo die Messe am Ende aus allen Nähten platzte, wuchs sie am heutigen Standort München (seit 2008) sprunghaft zu einer Großveranstaltung, die Aufbruchstimmung und Selbstbewusstsein einer Branche zeigte, die die Zeit auf ihrer Seite weiß.

Dass dieses Wachstum 2012 ein vorläufiges Ende gefunden hat, überraschte nach Ablauf der drei Messetage nicht - Markus Elsässer, Geschäftsführer der ausrichtenden SolarPromotion AG, hatte bereits im Vorfeld der Messe einen leichten Rückgang bei den Besucherzahlen prognostiziert. Mit 66.000 Besuchern verzeichnete die Leitmesse erstmals einen Besucherrückgang, im Vorjahr waren noch knapp 80.000 Tickets verkauft worden. Damit spiegelt die Veranstaltung auch 2012 recht gut Stimmung und Situation der Branche wider. Besonders deutsche Unternehmen kämpften in jüngster Zeit mit und gegen wechselnde Rahmenbedingungen, zunehmende Marktsättigung und aggressive ausländische Konkurrenz. Insolvenzen und zu geringe Auslastung in den Modulfabriken befeuerten seit Monaten die Krise. Dennoch zogen die Veranstalter - "vor dem Hintergrund der aktuellen Konsolidierungsphase" eine positive Bilanz.

Photovoltaik verlegt Schwerpunkt

Die Solarindustrie, das geht als gutes Signal von der Intersolar 2012 aus, hat sich nicht auf Klagen über diese zum Teil als ungerecht empfundenen Entwicklungen beschränkt. Sie verschiebt, unterstützt von den technischen Weiterentwicklungen in der Speichertechnik, ihren Schwerpunkt von der technisch einfach umsetzbaren Großflächenlösung in Richtung Speicherlösungen, Netzintegration, Eigenverbrauch und Verbrauchsmanagement. Endkundenorientierte Speichersysteme - mit oder als Ergänzung zur bestehenden PV-Anlage - rägten die Stände der großen Anbieter am Markt, sie bilden das Hauptthema der Messe. Laut Veranstalter präsentierten allein zum Thema Stromspeicherung in diesem Jahr mehr als 140 internationale Aussteller neue Lösungen und Produkte von kleinen Batteriespeichern über die Kombination verschiedener Speicher mit Brennstoffzellen bis hin zu großen Speicherlösungen für Industrie und Gewerbe.

Strom speichern und managen

Das Schott-System "StoreIT", erhältlich ab Juli 2012, verbindet beispielsweise Lithium-Ionen Batterie, PV-Wechselrichter, Batteriewechselrichter und ein Energiemanagementsystem zu einem Gesamtsystem, das als Paket an das vorhandene Hausnetz angeschlossen wird. Das Energiemanagementsystem steuert, wie viel Strom aus der PV-Anlage der Nutzer selbst verbraucht, in die Batterie speichert oder ins Netz des Versorgers einspeist, und wie viel Strom vom Stromversorger bezogen wird. Ziel ist es, den Eigenverbrauch möglichst hoch zu halten. So fungiert die Batterie beispielsweise als Zwischenspeicher für den tagsüber produzierten PV-Strom, den der Anlagenbetreiber dann zu Verbrauchszeiten nutzen kann. Solon zeigte ebenfalls ein Komplettsystem, das ab sofort erhältlich ist.

Nelskamp präsentierte unter anderem das Hybrid-System "2Power" zur Strom- und Wärmegewinnung in einem Modul. Zusätzlich gehen Solarunternehmen wie Solon (mit Bauder) und Schott Solar (mit Velux) Kooperationen mit etablierten Herstellerfirmen der Dachbranche ein, um Endkunden komplette Systeme und kompatible Dachteile anzubieten.

Eine weiterer Schwerpunkte für Dachdecker waren die verschiedenen Montagesysteme für die Unterkonstruktionen in Halle C2, dachdeckergerechte Lösungen boten zum Beispiel Schletter, Ideematec und Creotecc an, Klöber stellte sein "Uniplus"- und "SolarLine"-Solarhalter Sytsem für PV-Aufdachanlagen vor. Aufmerksame Dachdeckermeister stellten bei ihren Rundgängen jedoch fest, dass auf der Messe im Bereich Dachhaken und Flachdachaufständerungssystemen auch Produkte ausgestellt werden, deren Qualität aus Dachdecker-Sicht nicht ausreicht.

Verarbeiter werden wichtiger

In der Gesamtsicht zeigt sich eine klare Tendenz: Während der auf auf hoher Einspeisevergütung basierende Boom sich dem Ende zuneigt, rücken individuellere Lösungen in den Vordergrund. Aus Sicht vieler Aussteller wachsen damit auch wieder die Ansprüche an den Verarbeiter. Ging es in der Boom- und Hochförderphase häufig vor allem um die Frage, zu welchem Preis möglichst schnell wie viel Kilowatt verbaut werden, wird der Wandel in Richtung maßgeschneiderter Systemlösungen die Anforderungen an Beratungs- und Technikkompetenz erhöhen. Das ist für Dachdecker, die im Solarbereich Geschäfte tätigen, eine gute Nachricht ihre Stärken in der Planung und Umsetzung technisch anspruchsvoller Individuallösungen werden in Zukunft stärker gefragt sein.

Malte von Lüttichau

Solar

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
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