Als die Nachwuchskampagne für das Dachdeckerhandwerk mit der Leitfigur des Skaters startete, war das zunächst zwar eine gute, aber erst einmal einfach nur eine "junge" Kampagne. Broschüren und Flyer mit dem Skater-Motiv waren oft kaum mehr als "Dekoration" von Informationsständen der Dachdecker-Innungen auf Berufs-Info-Tagen. 2010 sollte alles anders werden.
Schieferherzen hämmernd bemühten sich wohl schon fast Generationen von Dachdeckern darum, Aufmerksamkeit bei Eltern, Lehrern und insbesondere den Jugendlichen zu schaffen. Dachdecker Dein Beruf? Angesichts der tapfer den Schiefer bearbeitenden potenziellen Kollegen nicht gerade die Erfüllung eines Karrieretraums.
2010 sollte alles anders werden. Aus der Schattensilhouette des Skaters wurde ein lebendiger Skater. Premiere dieser "Geburt" war wohl in Bayern, genauer gesagt: im Juni 2010 auf dem Berufs-Info-Tag des Arbeitsamtes in den Räumen des Berufsschul-zentrums. Mit von der Partie bei dieser Veranstaltung, an der schon traditionell die In-nung Oberpfalz und Kreis Kelheim teilnahm, waren "Tony Hawk", der virtuelle Skater des ZVDH sowie ein Fingerboard-Park, den der Landesinnungsverband Bayern eigens für Ausbildungsmessen hatte anfertigen lassen ganz klar im Dachdecker-Skater-Look. Fingerboarden ist ein absoluter Trendsport bei den Kids. Mini-Skateboards werden dabei mit unglaublicher Geschicklichkeit über einen Parcours bewegt. Und: Fingerboard sind auch bei Skatern "angesagt".
Während in den Vorjahren bei dieser Veranstaltung ganz klare Publikumsmagneten der Truck der Bundeswehr und der Stand eines bekannten bayerischen Autoherstellers waren, punkteten 2010 die Dachdecker. Als die Kids beim virtuellen Skater und am Fingerboard-Park "in der Warteschleife" standen, konnten erstklassige Gesprächskontakte geknüpft werden. Aus dem Schieferherzen hämmernden Dachdecker war plötzlich ein jugendlich-frischer Ausbildungsberuf geworden. Für weitere Anziehungskraft sorgte ein Gewinnspiel, bei dem als Hauptpreis ein einzigar-tiges "Dachdecker-Skateboard" winkte. Neidloser Kommentar der oben genannten Standbesatzungen, die in den Vorjahren mit großem Ansturm zu kämpfen hatten: "Uns ist langweilig anscheinend ist nur bei Euch was los".
Erfolg ist keine Eintagsfliege. Noch im gleichen Jahr ein Berufs-Info-Tag in Feuchtwan-gen. Organisator und Innungsmitglied Alexander Michel wollte mangels Nachfrage in den Vorjahren eigentlich nicht mehr für die Dachdecker an dieser Messe teilnehmen. Der Einsatz von virtuellem Skater, Fingerboardpark und einem Dachdecker-Skateboard war für Dachdecker Michel so etwas wie der "letzte Versuch".
Um das Ergebnis in aller Kürze auf den Punkt zu bringen: Sogar der gegenüberliegende Infostand der sonst so begehrten Polizei hatte an diesem Tag "stressfrei". Dagegen ging am Stand der Dachdecker zeitweise nichts mehr: Wegen Überfüllung geschlossen.
Der 14-jährige Tommy Graf aus der Nähe von München wurde bei einem bundesweiten Contest zum besten Nachwuchsskater Deutschlands gekürt. Klar, dass schon am Tag nach dem Erscheinen des Artikels die Bayerischen Dachdecker bei dem Skater-Talent "anklopften". Schnell war man sich auch mit seinen Eltern einig, dass der 14-Jährige gemeinsame Sache mit den Dachdeckern machen würde.
Beim führenden Hersteller von Skateparkausrüstungen, IOU-Ramps in Passau, wurde eine so genannte "Quarterpipe"-Rampe in Auftrag gegeben. Natürlich transportabel und im Dachdecker-Design.
Mit dem virtuellen Skater, dem Fingerboard-Park, der Quarterpipe und Skater-Talent Tommy Graf im Gepäck ging es im Dezember 2010 zu dem nur alle drei Jahre stattfindenden Berufsbildungskongress in den Nürnberger Messehallen. Highlight des zweiten Veranstaltungstages war der Show-Act von Dachdecker-Skater Tommy vor der Bühne der Handwerkskammer. Sein Auftritt wurde live auf eine Großbildleinwand übertragen und von einem Interview mit dem stv. bayerischen Landesinnungsmeister Kay Preissinger begleitet. Nach nur wenigen Minuten herrschte an fast allen Ständen in der Messehalle gähnende Leere denn alle wollten den Skater mit den großen Sprüngen sehen.
Fazit nach den ersten drei erfolgreichen Einsätzen mit dem Skater-Equipment:
Bei allem Erfolg fragte sich doch manch ein Besucher der Dachdecker-Infostände und auch manch ein Dachdecker was denn bitteschön der Dachdecker mit dem Skater (oder umgekehrt) zu tun habe? Die Antwort ist in einer Presseinformation zahlreicher Landesinnungsverbände nachzulesen: "Die sind gut drauf". Und diese Argumentation leuchtete auch an den Info-Ständen ein: Dachdecker und Skater sind gut drauf, immer an der frischen Luft. Nur einen großen Unterschied gibt es: Skaterparks sind eigentlich alle gleich ein Dach ist immer ein Unikat.
Anders ausgedrückt: Kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt eben der Berg zum Propheten. Man könnte auch sagen: Der Zweck heiligt die Mittel.