Flachdachspezialist Fleischmann & Grummt ersetzte die marode Stahldachkonstruktion eines Wasser- und Schifffahrtamtes durch schallabsorbierende Holzkastenelemente. Anschließend wurde mit einer Mischung aus Bitumen- und Kunststoffdachbahnen abgedichtet.
Bei der aus den 1990er-Jahren stammenden Dachkonstruktion zweier Betriebshallen des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Riedenburg und Hilpoltstein waren im Laufe der Zeit vielfache Undichtigkeiten aufgetaucht, die eine grundlegende dachenergetische Sanierung unumgänglich machten. Um eine dauerhafte Lösung zu erzielen, entschied man sich bewusst für die Kombination nachhaltiger Baumaterialien. Dies wurde in der Dachkonstruktion durch eine neue detaillierte Tragstruktur auf Basis von Brettsperrholz-Kastenelementen – die zugleich den Innenraum akustisch aufwerten –, Schaumglas-Dämmplatten und eine selbstklebende Kunststoff-Dachbahn realisiert.
Dachabdichtung nicht mehr Stand der Technik
Die beiden etwa 500 m² großen Hallen werden durch das Wasser- und Schifffahrtsamt als Werkstätten genutzt. Aufgabenstellung für die Planer beim Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg war, die Bausubstanz nachhaltig vor weiterer Schädigung durch eindringende Feuchtigkeit zu schützen. Vor allem bei Schlagregen und Tauwetter zeigten sich in der Konstruktion Undichtigkeiten. An den Stößen und Befestigungsschrauben tropfte Niederschlagswasser auf die Einrichtung. Provisorisch und so weit wie möglich wurde mit dauerelastischer Fugenmasse repariert oder es wurden Eimer unter die Tropfstellen gestellt. Die Dachabdichtung war weder wind- noch wasserdicht, was Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Dachsystem ist. Die vorhandenen Schäden und die Art der Konstruktion machen Reparaturarbeiten nicht möglich. Die seinerzeit ausgeführte Dachabdichtung und die Dachneigung entsprachen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Eine umfassende Sanierung war somit unumgänglich. Im Zuge der Sanierung wurden die schadhaften Stahlblech-Polyurethan-Sandwichpaneele vom flach geneigten Satteldach komplett entfernt. Das auf den Stahl-Hauptträgern aufliegende Sekundärtragwerk aus Stahl-Z-Profilen war für die neue Konstruktion nicht mehr notwendig und wurde ebenfalls abgetragen.
Flachdach auf dem „Holzweg“
Als tragende, flächenbildende Basis für den neuen Dachaufbau entschieden sich die Planer dafür, Brettsperrholz-Akustikkastenelemente auf die Stahlkonstruktion aufzulegen. Für Rudolf Dierke, Geschäftsführer des ausführenden Dachbaubetriebes Fleischmann & Grummt aus dem mittelfränkischen Uttenreuth, ist der Baustoff unüblich. Dierke: „Wir als Flachdachspezialisten verarbeiten Holz eher selten. Derartige Brettsperrholz-Elemente haben wir hier erstmals montiert. Aber die Bauteile vom Hersteller wurden fix und fertig, passgenau konfektioniert angeliefert, so konnten wir die gleiche Präzision wie im Stahlbau erreichen.“ Elemente von 169 mm Höhe wurden ohne Koppelpfetten über 6 m direkt von Hauptträger zu Hauptträger gespannt. Im Stahlskelett können sie auch als statische Scheibe angesetzt werden. Um die Höhe der bleibenden Innenwände nicht verändern zu müssen, wurden auf den Hauptträgern Holzquerschnitte aufgedoppelt. Positiver Nebeneffekt: Wo man zur Befestigung sonst mit dem Hubsteiger von unten durch die Stahlflansche der Hauptträger hätte schrauben müssen, war ein rationeller Anschluss der Dachscheibe an diesen Holzschwellen durch Verschraubung von oben möglich.
Rundum aus einer Hand
Kraftschlüssig und dampfdiffusionsdicht
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 10.2013. Da beides – Dachkonstruktion und der Dachaufbau – vom Dachdeckerunternehmen Fleischmann & Grummt ausgeführt wurde, war die Abstimmung mit dem Abdichtungsgewerk denkbar einfach: Auf dem Dach folgt ein typischer Flachdachaufbau aus 18 cm druckfester Dämmung und einer Kombination von bituminöser und Kunststoff-Abdichtungsbahn. Aus bauphysikalischer Sicht wurde somit ein klassischer Warmdachaufbau umgesetzt. Gemäß den „Regeln für Abdichtung“ des Deutschen Dachdeckerhandwerks ist über Schalungen aus Holz oder Holzwerkstoffen eine Trennschicht anzuordnen. Dieser Forderung kamen die Dachdecker mit einer Trennschicht aus einer nageldurchreißfesten Elastomer-Unterlagsbahn – wind- und sturmfest vernagelt – nach. Eine zeitweilige Belastung während der Bauphase durch Bewitterung der Holzelemente wurde so ebenfalls vermieden. Für das Planungsteam des Wasser- und Schifffahrtsamtes ist es wichtig, dass sowohl für die genutzten Werkstätten als auch für die darin befindlichen Büroräume eine Dachkonstruktion geschaffen wird, die den steigenden Energiekosten entgegenwirkt und über viele Jahre eine sichere und wasserundurchlässige Dämmung und Abdichtung gewährleistet. Klaus Zech, Planer des Wasser- und Schifffahrtsamtes Nürnberg, setzte bei der Sanierung auf einen, ihm bereits bekannten Systemaufbau aus Schaumglas und hochpolymerer, selbstklebender Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahn. Bei mehreren Verkehrsbauwerken am Main-Donau-Kanal hatte sich dieses System bewährt. Beim Schaumglas-Kompaktdach von Foamglas kann aufgrund von Materialeigenschaften und Verlegetechnik auf zusätzliche Funktionsschichten verzichtet werden. Im Systemaufbau mit Schaumglas ist eine zusätzliche Dampfbremse nicht erforderlich. Um den geltenden Fachregeln für Abdichtung des ZVDH Rechnung zu tragen, brachten die Dachdecker über der Schalung aus Holz und Holzwerkstoffen, dennoch eine Elastomer-Unterlagsbahn auf. Rudolf Dierke